Islam und Gewalt Evangelische Kirche kritisiert Muslimverbände scharf

"Das ist mir zu wenig": EKD-Chef Nikolaus Schneider wirft deutschen Muslimverbänden vor, sich mit dem Thema Islam und Gewalt nicht kritisch genug zu beschäftigen.

EKD-Ratsvorsitzender Schneider (im Mai): "Darüber haben wir zu debattieren"
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EKD-Ratsvorsitzender Schneider (im Mai): "Darüber haben wir zu debattieren"


Hannover - Der scheidende EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hat muslimischen Verbänden in Deutschland mangelnde Kritik an gewalttätigen Traditionen im Islam vorgeworfen. "Was von den Verbänden an Auseinandersetzung mit Ansatzpunkten für die Legitimierung von Gewalt im Koran und in der islamischen Tradition bisher kommt, ist mir zu wenig", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der "Welt". "Wir müssen nüchtern feststellen, dass sich der IS auf den Islam beruft. Darüber haben wir zu debattieren."

Die rasche Verbreitung des Islam habe von Anfang an mit Kriegen zusammengehangen. "Das hat offensichtlich Ansatzpunkte im Koran - wie ja auch die Bibel für Begründungen von Gewaltanwendung nicht frei ist. Darauf können heute jene zurückgreifen, die den Glauben für ihr Gewaltregime missbrauchen wollen", sagte Schneider.

In einer Reaktion auf das Interview betonte der Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland (KRM) die gemeinsame Verantwortung der Religionen, die Deutungshoheit nicht den Radikalen zu überlassen. Man müsse der gemeinsamen Verantwortung für das friedliche Miteinander gerecht werden. KRM-Sprecher Erol Pürlü erinnerte an den bundesweiten Aktionstag "Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht", an dem in Berlin auch Schneider teilgenommen hatte. Eine scharfe Kritik könne er dem Interview des Präses nicht entnehmen. Beim Spitzentreffen des EKD und des KRM sei zudem viel über das Thema Gewalt diskutiert und die Instrumentalisierung der Religionen verurteilt worden.

In Syrien und im Irak hat die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den vergangenen Monaten ein Terrorregime errichtet. Der islamistischen Organisation haben sich Hunderte Kämpfer aus dem Ausland angeschlossen - darunter auch viele aus Deutschland.

Auch die christlichen Kirchen hätten eine sehr problematische Gewaltgeschichte, sagte Schneider weiter. Sie setzten sich damit auseinander. "Wir sitzen nicht auf dem moralisch hohen Ross. Damit ermutige ich zur Auseinandersetzung über entsprechende Traditionen im Islam."

mxw/dpa



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