Italienischer Priester fordert "Brautsteuer" Je tiefer der Ausschnitt, desto höher die Abgabe

Ein italienischer Priester bläst zum Sturm gegen den Sittenverfall vor dem Altar: Wenn die Bräute nicht aufhörten, sich "unmanierlich und ordinär" zu kleiden, sollten sie doch bitte eine Abgabe entrichten.

Braut mit tiefem Ausschnitt
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Braut mit tiefem Ausschnitt


Don Cristiano Babbo hatte die Nase voll. Der katholische Priester aus Oriago, einem Ort in der norditalienischen Region Veneto, wollte sie nicht mehr sehen - all die tiefen Ausschnitte, sich wölbenden Busen, die nackten Arme und aufdringlich geschminkten Gesichter.

Da kam dem Geistlichen eine Idee: Angesichts der totalen Kommerzialisierung des Ehegelübdes und des öffentlichen Sittenverfalls könnte man doch heiratswillige Damen in Zukunft zur Kasse bitten, wenn diese sich partout nicht zu einer diskreten Garderobe innerhalb der Kirchenmauern überreden ließen.

In der lokalen Kirchenzeitung "Una Voce nella Riviera" schreibt Don Babbo: "Wir könnten eine Art Abgabe installieren, proportional zur Anständigkeit des Brautkleides." Letztere sei in Zeiten wie diesen ja allzu oft nicht mehr gegeben, so manches Gewand "unmanierlich und ordinär, unpassend für den Anlass". Die Idee einer "Brautsteuer" war geboren, frei nach dem Motto: Je unbekleideter die Braut, desto höher die Abgabe.

"Die Poesie und die Frische des Moments"

"Das war eine scherzhafte Provokation", gestand der Priester der Zeitung "Nuova Venezia", geboren aus der Erkenntnis, dass inzwischen für viele Menschen eine Heirat mehr ein Event als das Produkt einer gereiften Entscheidung sei.

Das Brautkleid sei doch auch ein Zeichen, das Zeugnis einer Entscheidung, die das ganze Leben betreffe. Der Priester hofft, dass sich in Zukunft wieder mehr Brautleute für eine einfache und geschmackvolle Garderobe entscheiden, "um die Zerbrechlichkeit, die Poesie und die Frische des Moments" zu vermitteln.

Don Babbos Vorschlag stieß auf Kritik, wurde er doch von einigen als unwillkommene Einmischung in die persönlichen Angelegenheiten der Brautleute interpretiert. Befürworter sind der Meinung, dass alle, die vor dem Altar nicht auf die letzte Mode verzichten wollten, ja auch getrost standesamtlich heiraten könnten.

Angesichts des Milliardenvermögens der katholischen Kirche in Italien und dem Rest der Welt scheint eine Abgabe aus finanziellen Gründen nicht zwingend notwendig. Ein Appell an Anstand und sexuelle Zurückhaltung allerdings könnte in Teilen des Klerus ruhig häufiger erklingen.

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