Brückeneinsturz von Genua Pariser Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

Die Ursache für die Tragödie um den Brückeneinsturz im italienischen Genua ist noch immer unklar. Italiens Regierung macht den Brückenbetreiber verantwortlich. Nun hat sich auch die Staatsanwaltschaft in Paris eingeschaltet.

Eingestürzte Morandi Autobahnbrücke
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Eingestürzte Morandi Autobahnbrücke


Der Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua beschäftigt auch die französische Justiz. Die Staatsanwaltschaft in Paris leitete eine Untersuchung wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung ein, wie die Behörde am Donnerstag auf Anfrage bestätigte. Grund ist, dass auch Franzosen unter den Opfern sind - in solchen Fällen im Ausland ist es üblich, dass sich französische Ermittler einschalten. Nach Angaben des Pariser Außenministeriums starben bei dem Unglück vier Franzosen.

Während eines Unwetters war am Dienstag ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des vielbefahrenen Polcevera-Viadukts in Genua eingestürzt und hatte etliche Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Die Zahl der Todesopfer wurde von der Regierung von 39 auf 38 korrigiert, die Zahl der Verletzten von 16 auf 15.

Die Staatsanwaltschaft in Genua hatte bereits Ermittlungen eingeleitet. Die Suche nach den Ursachen bewegt sich noch im Bereich der Spekulationen. Die italienische Regierung macht den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia für die Tragödie verantwortlich - ein Privatunternehmen, das von der Familie Benetton kontrolliert wird. Der Brückenbetreiber weist die Vorwürfe zurück.

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Brückeneinsturz in Genua: "Eine tiefe Wunde für ganz Italien"

Unterstützt durch Bagger und Kräne suchten die Rettungskräfte am Donnerstag weiter nach Vermissten. "Wir suchen immer noch nach Hohlräumen, in denen Menschen sein könnten - lebendig oder nicht", sagte Feuerwehrsprecher Emanuele Gissi. Nach Angaben von Genuas Staatsanwaltschaft könnten noch zehn bis 20 Menschen unter den Trümmern sein.

Spezialisten arbeiteten daran, die Trümmer in große Betonblöcke zu zerschneiden und mit Kränen abzutragen, um Spürhunde in den Schutt schicken zu können. Die Arbeit sei sehr gefährlich, da die Trümmer und auch der noch stehende Rest der Autobahnbrücke instabil seien, betonte Feuerwehrsprecher Gissi.

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Bei dem Unglück in Norditalien sei auch ein Kolumbianer zu Tode gekommen, teilte das Außenministerium in Bogotá am Mittwoch mit. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Todesopfer um einen 30-Jährigen, der als Vorstandsmitglied einer Jugendmannschaft von Inter Mailand tätig war.

Die Regierung hatte am Mittwoch einen zwölfmonatigen Ausnahmezustand in der Hafenstadt verhängt. Damit werden unter anderem Hilfen für die mehr als 630 Anwohner erleichtert, die nach dem Einsturz ihre teilweise unter der Brückenkonstruktion stehenden Wohnhäuser verlassen mussten.

Video: Regierung ruft Notstand für Genua aus

lie/dpa/afp

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