Polit-Posse Italien streitet über Verbot von Weihnachtsliedern an Schule

Weihnachten, das Fest der Liebe? Nicht im italienischen Rozzano, wo ein Schuldirektor mit seiner Absage an Krippenspiel und christliche Lieder einen Skandal entfachte. Sogar Ministerpräsident Renzi musste eingreifen.

Lega-Nord-Politiker Salvini mit Krippe: "Stolz auf unsere Traditionen: Weihnachten ist unantastbar"
AP

Lega-Nord-Politiker Salvini mit Krippe: "Stolz auf unsere Traditionen: Weihnachten ist unantastbar"


Im Istituto Garofani im norditalienischen Rozzano ist in diesem Jahr alles anders als sonst: Das Weihnachtskonzert an der Gesamtschule wurde gestrichen, sämtliche Kruzifixe abgehängt.

Angeblich soll der Direktor beschlossen haben, im Namen der Integration auf christliche Symbolik zu verzichten. Ein Aufschrei ging durch große Teile der Elternschaft, die katholische Kirche, aber auch konservative und neofaschistische Kräfte nutzten die Stunde und bekundeten lautstark ihren Unmut über den Verrat an urchristlichen Traditionen.

"Ich habe mit Verwunderung von der Streichung sämtlicher Weihnachtsaktivitäten durch die Direktion gehört", meldete sich die Bürgermeisterin von Rozzano zu Wort. Es sei unklar, was überhaupt zu dieser Entscheidung geführt habe. Sie selbst sei mit dem Vorgehen überhaupt nicht einverstanden, so Barbara Agogliati.

Der Schulleiter Marco Parma ging in die Offensive: In einem Schreiben vom 28. November bestreitet er, jemals Kruzifixe von den Wänden genommen oder das Singen von Weihnachtsliedern verboten zu haben. Er habe allerdings die Anfrage zweier Mütter, während der Pause mit Schülern religiöse Lieder singen zu dürfen, abgelehnt - offenbar, um Kinder nicht-christlichen Glaubens nicht zu benachteiligen und die Weihnachtsfeier insgesamt laizistischer zu gestalten.

Er stehe zu seiner Entscheidung, sagte Parma. Dann quittierte er den Dienst.

Das sei nicht genug, ätzte die regionale Bildungsbeauftragte, Valentina Aprea. Sie forderte die unverzügliche Wiedereinführung des Weihnachtskonzerts - unter Beteiligung so prominenter Gäste wie Ministerpräsident Matteo Renzi und dem Präsidenten der Region Lombardei, Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Lega Nord.

Zwar erklärten Vertreter der Muslime in Mailand, Weihnachten sei noch nie ein Problem für ihre Gläubigen gewesen. Doch Politiker verschiedener Couleur instrumentalisierten den Vorfall nach Kräften. Matteo Salvini, Parteichef der fremdenfeindlichen Lega Nord, schlug vor, sämtliche Lehrer und Direktoren zu entlassen, die Weihnachten abschaffen wollten: "Wer Krippenspiel und Weihnachtsgeschichte streichen will, ist nicht geeignet für eine solche Arbeit." Montagmittag fand sich Salvini mit einigen Unterstützern vor der Schule ein und trommelte für die eigene Sache. Die Gruppe hielt Flyern in der Hand, auf denen zu lesen war: "Stolz auf unsere Traditionen: Weihnachten ist unantastbar."

Hat gerade weltpolitisch gesehen ganz andere Probleme: Ministerpräsident Renzi
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Auch die italienische Bischofskonferenz griff in die Debatte ein. Generalsekretär Nunzio Galantino kritisierte all jene, "die, um andere Traditionen oder Konfessionen zu respektieren, daran denken, Weihnachten abzuschaffen oder es bis zur Lächerlichkeit zu verbiegen".

Premier Renzi fühlte sich schließlich bemüßigt, in die Diskussion einzugreifen: Dem "Corriere della Sera" sagte er: "Weihnachten ist sehr viel wichtiger als ein Schuldirektor, der provozieren will. Wenn er gedacht hat, dass er auf diese Weise Integration und ein friedliches Zusammenleben fördert, hat er sich meiner Meinung nach sehr getäuscht."

ala



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