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Jade-Goody-Abschied: Beerdigung vor Millionenpublikum

Sie lebte mit dem Boulevard, sie starb mit ihm. Jetzt wurde Jade Goodys eigene Trauerfeier zu ihrem allerletzten großen Auftritt: Vor laufenden Kameras nahmen Familie, Freunde und Millionen TV-Zuschauer Abschied vom britischen Reality-TV-Star.

London/Hamburg - Der Gedenkgottesdienst im Londoner Vorort Buckhurst Hill wie auch der Trauer-Korso durch die Straßen Londons - sie wurden ein Medien-Großereignis; ganz so wie es sich Jade Goody, die dreifache "Big Brother"-Teilnehmerin, gewünscht hatte. Die 27-jährige Mutter zweier Kinder war am 22. März nach langer Leidenszeit an Gebärmutterhalskrebs gestorben.

Am Samstag konnten nun Millionen Menschen an den Fernsehschirmen sehen, wie Witwer Jack Tweed, 21, den schlichten weißen Sarg seiner Frau mit in die Kirche trug, in die nur 350 geladene Trauergäste eingelassen worden waren. Tausende Schaulustige verfolgten dann auf Großbildleinwänden vor dem Gotteshaus, wie die Trauergemeinde Gebete sprach und Goodys Mann gegen die Tränen kämpfte, als er ein Gedicht für seine Frau vorlas.

Erst vier Wochen vor Goodys Tod hatte sich das Paar noch schnell das Jawort gegeben. Damals war seine todkranke Frau schon geschwächt vom Krebs und kahlköpfig von der Chemotherapie. Den Gottesdienst hielt jetzt Reverend Ian Farley gemeinsam mit Corinne Brixton, die Goody und ihre zwei Söhne letzten Monat getauft hatte.

Jade Goody lebte auf dem Boulevard - und dort starb sie auch. Sie hatte ihre tödliche Diagnose vor den Augen der TV-Zuschauer im "Big Brother"-Container erfahren. Hatte sie vorher ihr unbeschwertes Promi-Leben vermarktet, ließ die ehemalige Zahnarzthelferin die Medien nun auch an ihrem Sterben teilhaben - gegen die Zahlung hoher Beträge.

Das Geld erben nun ihre beiden kleinen Söhne Bobby und Freddie. Vier Millionen Pfund (4,3 Millionen Euro) sollen es bislang sein. "Ich will nicht, dass meine Kinder dieselbe erbärmliche, von Drogen verdorbene, von Armut geplagte Kindheit haben wie ich", hatte Goody gesagt.

Gegen die Vermarktung ihres Sterbens hatten sich in Großbritannien auch kritische Stimmen erhoben. Aber Goodys Sprecher Max Clifford erinnerte bei der Trauerfeier daran, dass sich durch das Schicksal der 27-Jährigen die Zahl der Krebs-Vorsorgeuntersuchungen sprunghaft erhöht hat. "Sie erreichte, wovon Ärzte, Politiker und Experten nur träumen können. Durch Jade Goody ist vielen Frauen das Leben gerettet worden."

Neben den Fans vor der Kirche wurden auch Millionen von Briten Zeugen der Trauerfeier, weil der Ton der Zeremonie sowie manche Bilder der Großbildleinwände von einem TV-Nachrichtensender live übertragen wurden. Auch der vorherige Trauer-Korso durch London verlief unter Beobachtung ungezählter Kameras.

Beim Überqueren der Tower Bridge hielt der Trauer-Korso sogar extra an, um Fotografen genug Zeit für ihre Aufnahmen zu geben. Aus Hubschraubern verfolgten Fernsehkameras jeden Kilometer des Zugs. Am Straßenrand blieben zahlreiche Menschen - nach Angaben des britischen "Guardian" sollen es insgesamt rund 5000 gewesen sein - stehen, um das Spektakel zu beobachten, zu applaudieren, Blumen zu werfen oder Goody einfach das letzte Geleit zu geben.

tdo/dpa

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Großbritannien : Das öffentliche Sterben der Jade Goody


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