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Sterbehilfe-Fall in den USA: Der letzte Wille des Jägers

Auf der Jagd stürzte ein US-Amerikaner so schwer, dass er querschnittsgelähmt war. Nur einen Tag nach dem Unfall fragten ihn seine Angehörigen im Krankenhaus, ob er weiterleben wolle. Der 32-Jährige entschied sich dagegen - dann wurde das Beatmungsgerät abgestellt.

Undatierte Aufnahme von Tim Bowers: Entscheidung gegen ein Leben als Pflegefall Zur Großansicht
AP/Jenny Schultz

Undatierte Aufnahme von Tim Bowers: Entscheidung gegen ein Leben als Pflegefall

Indianapolis - Tim Bowers war im US-Bundesstaat Indiana auf der Hirschjagd, als er schwer verunglückte: Der 32-Jährige stürzte von einem Hochsitz fünf Meter in die Tiefe und brach sich mehrere Halswirbel. Bowers, so lautete die Diagnose der Ärzte, würde fortan von den Schultern abwärts gelähmt sein. Vielleicht würde er sein Leben lang am Beatmungsgerät hängen.

Als seine Familie ihn so auf dem Krankenbett liegen sah, hatte sie eine Bitte an die Ärzte: Könnte man Tim aufwecken, die Diagnose mitteilen und ihn fragen, was er tun wolle? Ja, das sei möglich, sagten die Mediziner laut der Nachrichtenagentur AP.

Die Entscheidung, wann lebenserhaltende Maßnahmen beendet werden sollen, ist für Angehörige und Ärzte eine große Herausforderung - vor allem, wenn keine Patientenverfügung vorliegt.

US-Medizinern zufolge ist es ungewöhnlich, dass ein Mensch eine derart existentielle Entscheidung quasi auf der Stelle trifft - insbesondere nach einem schweren Unfall. Viele würden ihre Meinung nach einem Gespräch mit Seelsorgern oder Familienangehörigen noch ändern, sagt Medizinethiker Arthur Caplan von der New York University.

Tim Bowers verunglückt am Samstag. Schon am Sonntag entschied er, dass er sterben will.

"Seine Entscheidung hat mich nicht überrascht"

Als die Ärzte ihn aufweckten, konnte Bowers nicht sprechen, weil das Beatmungsgerät in seinem Mund steckte. Wenn man das Gerät entferne, sei unklar, wie lange er leben würde, sagte ihm seine Schwester Jenny Shultz. Ob man das Gerät wieder anschließen solle, falls er Probleme bekomme? Bowers schüttelte den Kopf. Die Ärzte fragen noch einmal und bekamen die gleiche Antwort. Dann wurde das Gerät entfernt.

Tim Bowers musste offenbar nicht lange überlegen. Geistig war er gesund, sein Gehirn wurde bei dem Unfall nicht geschädigt. Er war laut seinen Angehörigen gerne draußen unterwegs, auf der Jagd, beim Camping oder bei der Arbeit auf der Farm seines Vaters. Das war durch den Unfall unmöglich geworden. Die Ärzte konnten ihm keine bessere Aussicht bieten, als dass er sich eines Tages würde aufsetzen können.

Die Familie habe schon geahnt, wie Bowers sich entscheiden würde. Seiner schwangeren Frau, die er erst im August heiratete, habe er einmal gesagt, dass er sein Leben nie im Rollstuhl verbringen wollte. "Er hatte so einen starken Glauben, dass seine Entscheidung mich nicht überrascht hat", sagte sein Freund Bill Whitright dem Sender CNN.

Für Arthur Caplan ist der Fall laut CNN eine Erinnerung daran, dass sich auch junge Menschen mit solchen Entscheidungen beschäftigen sollten. "Ich weiß, es ist schwer", sagte Caplan. "Sprecht mit euren Freunden, sprecht mit eurer Familie. Macht euren Willen deutlich." Man solle diese Gespräche nicht zu spät führen.

Die letzten fünf Stunden seines Lebens verbrachte Tim Bowers im Kreise seiner Familie und Freunde. Sie beteten und sangen. In der ganzen Zeit, so schildert es sein Schwester, sei er in Bezug auf seine Entscheidung nie ins Schwanken gekommen. "Ich erinnere mich daran, wie er immer wieder sagte, wie lieb er uns alle habe und dass er ein gutes Leben gehabt habe", so Shultz.

hut/AP

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Arten der Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe
Der Tod eines Menschen wird absichtlich und aktiv herbeigeführt. Zum Beispiel, indem ein Arzt eine tödliche Dosis Medikamente verabreicht. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland verboten (Tötung auf Verlangen oder Totschlag oder gar Mord).
Passive Sterbehilfe
Lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel künstliche Ernährung werden auf Wunsch des Sterbewilligen eingestellt. Er erhält eine schmerzlindernde Behandlung, die Grundpflege und Seelsorge werden beibehalten. In Deutschland ist diese Form bei entsprechendem Patientenwillen straflos.
Indirekte aktive Sterbehilfe
Ein Arzt verabreicht einem Patienten auf dessen Wunsch hin schmerzlindernde Medikamente, zum Beispiel Morphin. Eine lebensverkürzende Wirkung wird in Kauf genommen, ist aber nicht beabsichtigt. Diese Form ist in Deutschland straflos, aber die Grenze zur aktiven Sterbehilfe ist fließend.
Assistierte Selbsttötung
Eine Person leistet Beihilfe zum Suizid, etwa durch Beschaffung eines tödlichen Mittels. Der Patient muss es selbständig einnehmen, bei der Handlung darf nicht einmal jemand seine Hand führen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Ärzten drohen theoretisch jedoch berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Approbation: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten", heißt es in Paragraf 16 der Muster-Berufsordnung, wie sie als Empfehlung vom Deutschen Ärztetag beschlossen wurde. Allerdings haben mehrere Landesärztekammern die Formulierung abgewandelt oder gar nicht in ihre Berufsordnungen übernommen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, kann sich laut SPIEGEL an keinen Fall erinnern, in dem es in den vergangenen Jahren wegen Sterbehilfe zum Entzug der Approbation gekommen wäre.
Patientenverfügung
In Deutschland haben Volljährige die Möglichkeit, in einer Patientenverfügung im Voraus schriftlich festzulegen, ob und wie sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten (Paragraf 1901a, Bürgerliches Gesetzbuch). Diese Angaben sind - sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind - für Ärzte verbindlich. Ausführliches Info-Material stellt das Justizministerium zur Verfügung.


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