Eine Steilvorlage für hämische Kommentare: "Kann der mächtigste Mann der Welt nicht einmal richtig lesen?" Millionenfach und in rasanter Geschwindigkeit wird das Foto via Internet verbreitet. Wer der Urheber der Aufnahme ist? Ganz egal. Das Bild vom dämlichen US-Präsidenten geht um die Welt.
Der Haken der Geschichte: Sie ist nicht wahr. Das Foto lügt. Es handelt sich um eine Montage. Wie ein Vergleich mit der Originalaufnahme der Nachrichtenagentur AP zeigt (siehe Fotostrecke oben).
Ein gelungener Fall von Hoaxing.
Hoax - so werden heute alle möglichen Formen der Täuschung genannt. Der Begriff stammt aus dem Englischen, ist vermutlich als Kurzform von Hokuspokus entstanden und lässt sich mit "Streich" oder "Schwindel" übersetzen. Es gibt witzige und verwerfliche, harmlose und kriminelle, durchschaubare und perfekt getarnte Hoaxe. Bettelbriefe für vermeintlich todkranke Kinder gehören ebenso dazu wie Viren-E-Mails, Großstadtmythen und erfundene Anekdoten über Popstars und Hollywoodgrößen.
"Echte Informationen von falschen trennen"
Nun sind Lügengeschichten kein Phänomen des 21. Jahrhunderts. Doch dank moderner Kommunikationsmittel werden sie schneller verbreitet als je zuvor. Gerade in den 2000er Jahren scheint eine Art Volkssport daraus entstanden zu sein, Erfundenes als Medienereignis zu inszenieren.
In einer Dekade, in der mediale Aufmerksamkeit zum wichtigsten Gut geworden ist, stehen die Chancen für Hoaxe besser denn je. Die Gesellschaft lebt hektischer und flüchtiger. Wer will, kann sich mit Hilfe von Internet und Handy beinahe in Echtzeit über das Geschehen am anderen Ende der Welt informieren. Wenn eine Geschichte erstmal in Blogs, auf Facebook, Twitter oder YouTube die Runde macht - wer schert sich dann noch um den Unterschied zwischen Fakt und Fiktion?
Das sollte Aufgabe der journalistischen Medien sein, doch auch die stehen im Internetzeitalter unter erhöhtem Druck. Die Sorge, etwas zu verpassen, ist groß; die Freude über grelle Schlagzeilen und kuriose Geschichten oftmals noch größer, die saubere Recherche bleibt mitunter auf der Strecke. Dann kann aus einem Hoax durchaus eine echte Zeitungsente werden.
"Darunter leidet natürlich die Vertrauenswürdigkeit der Medien", sagt Matthias Kohring, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster. "Man erwartet schließlich, dass im Journalismus richtige Informationen von falschen getrennt werden." Das beunruhigende Fazit: "Durch die Jagd nach Exklusivität und die ökonomisch bedingte Ausdünnung von Redaktionen scheint der Journalismus immer anfälliger für absichtliche Täuschungsversuche zu werden."
Der Urheber ist kaum noch zu enttarnen
Medien sind schon immer auf Fälschungen hereingefallen, man denke nur an die Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher im "Stern". Doch in den 2000er Jahren hat sich Entscheidendes verändert. Zum einen kann inzwischen jeder Teenager ohne großen Aufwand am PC Fälschungen erstellen und verbreiten. Zum anderen verselbstständigen sich die Geschichten in rasanter Geschwindigkeit. Je häufiger eine Story veröffentlicht wird, umso höher erscheint plötzlich die Glaubwürdigkeit. Der Urheber ist irgendwann nur noch schwer zu enttarnen.
Auch das manipulierte Foto von George W. Bush ist so ein Fall. Bis heute ist unklar, wer für den Hoax verantwortlich ist. Professionelle Medien haben sich in dem Fall nicht täuschen lassen, in einigen anderen dagegen schon.
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