Fotoprojekt über Pilger "Der Mensch stellt sich gerne dar"

Der junge Fotograf Max Füllbier porträtiert Pilger. Dabei geht es ihm nicht um religiöse Motive, sondern um die einfache Frage: Was zieht den Menschen in die Landschaft?

Max Füllbier

Ein Interview von


Zur Person
  • Max Füllbier
    Max Füllbier, Jahrgang 1992, studiert Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Die Arbeit "Pilgrimage" hat er diesen Sommer in Norwegen fortgeführt. Er wanderte dafür entlang des Gudbrandsdalsweg von Oslo nach Trondheim.

    Mehr Bilder gibt es auf: www.maxfuellbier.de

SPIEGEL ONLINE: Herr Füllbier, Sie waren als Fotograf sechs Wochen zu Fuß auf dem Jakobsweg in Spanien unterwegs. Wen haben Sie da so getroffen?

Füllbier: Die unterschiedlichsten Menschen. Ich habe einen Mann getroffen, der ist mit 80 von Berlin bis nach Santiago de Compostela gelaufen, aber es sind auch Eltern mit kleinen Kindern unterwegs, die nur kurze Etappen gehen. Die Leute kommen aus der ganzen Welt, aus Amerika genauso wie aus Russland. Was alle verbindet, ist der Wunsch, in die Welt zu ziehen. Das ist interessant! Da ist dieser große Strom an Menschen, die sich entschieden haben, aus dieser total vernetzten, digitalen, hektischen Welt auszubrechen und sich einfach ein paar Wochen Zeit nehmen, um durch ein Land zu laufen.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihre Fotoserie "Pilgrimage" porträtieren Sie diese Pilger. Was interessiert sie an dem Thema?

Füllbier: Mit geht es in erster Linie nicht um das Pilgern an sich, sondern viel mehr um die Wechselwirkung zwischen Menschen und Natur. Der Mensch stellt sich gerne in der Landschaft dar, das war schon früher so, etwa in den Gemälden von Caspar David Friedrich. Mich interessiert: Warum ist das so? Was zieht Leute in die Landschaft? Und als Fotograf frage ich mich dann: Wo finde ich solche Menschen, die sich zur Landschaft und zur Natur hingezogen fühlen?

SPIEGEL ONLINE: Es ging Ihnen also nicht um religiöse Motive?

Füllbier: Auf den Bildern sieht man nicht, ob jemand religiös motiviert ist oder einfach ein Wanderer, ein Sportler oder ein Mensch auf der Suche nach sich und der Natur. Ich möchte da auch gar nicht groß differenzieren. Es gibt Tausende Gründe, warum jemand diesen Weg läuft. Für mich sind das einfach Menschen, die sich zur Natur und zur Landschaft hingezogen fühlen und sich deshalb oft monatelang auf den Fußmarsch durch ein Land begeben. Das bedeutet das Wort Pilger übrigens auch ursprünglich: "In der Fremde sein".

Fotostrecke

8  Bilder
Jakobsweg: Pilger in der Natur

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie entschieden, wen Sie für ein Foto ansprechen?

Füllbier: Manchmal hat sich das ganz spontan aus einer Situation heraus ergeben, weil ich jemanden interessant fand. In den meisten Fällen allerdings habe ich mich erst für eine Landschaft entschieden. Ich bin oft allein gelaufen und habe nach Besonderheiten in der Natur geschaut, bis ich so eine Stelle gefunden habe, bei der ich dachte: Hier hätte ich gerne jemanden! Dann habe ich gewartet.

SPIEGEL ONLINE: Bis jemand vorbeikam?

Füllbier: Bis jemand vorbeikam, der für mich gedanklich in das Bild passte. Eine Landschaft hat ja auch so etwas wie eine Aura. Es gibt Menschen, die fühlen sich zu einem bestimmten Blick hingezogen - und andere nicht. Das war für mich das Spannende. Ich habe Menschen beobachtet, die an den Orten, die ich fotografieren wollte, einfach weitergingen; andere sind eben stehen geblieben, haben geschaut, sich vielleicht sogar hingesetzt. Das war der Moment, in dem ich gefragt habe, ob ich ein Foto machen darf.

SPIEGEL ONLINE: Die Menschen auf den Fotos schauen allerdings nicht in die Landschaft, sondern direkt in die Kamera.

Füllbier: Den Menschen in einer Landschaft zu porträtieren, ist immer ein Eingriff. Ich wollte eine Gesprächssituation im Bild herstellen. Der Porträtierte kommuniziert im Endeffekt mit dem Betrachter.

SPIEGEL ONLINE: Im Sommer nach Ihrer Reise zu Fuß sind Sie den Jakobsweg noch mal mit dem VW-Bus abgefahren. Warum?

Füllbier: Um weiter an der Serie zu arbeiten, nur dieses Mal mit mehr Equipment. Zu Fuß hatte ich 28 Kilo Gepäck dabei. Neben Isomatte, Schlafsack und Klamotten schleppte ich zwei analoge Kameras mit und einen ganzen Schuhkarton voller Filme. Ich habe so oft wie möglich draußen geschlafen, auf Bänken, im Wald, in Höhlen, und gegessen, was am Wegesrand wächst. Die Art der Fortbewegung spielt für mich aber keine große Rolle. Ich bin einfach gerne unterwegs - egal, ob zu Fuß oder im Bus.

Das Interview führte Kathrin Fromm für das Fotoportal Seen.by.



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Spamdeich 18.09.2017
1. Wechselwirkung Mensch Natur...
... scheint mir bei diesen Fotos weit hergeholt.
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