Missbrauchsvorwürfe gegen James Levine Metropolitan Opera suspendiert Stardirigent

Die weltberühmte Metropolitan Opera in New York hat die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Dirigenten und künstlerischen Leiter vorerst beendet: James Levine soll über Jahre hinweg einen Jugendlichen missbraucht haben.

James Levine (Juli 2006)
AP

James Levine (Juli 2006)


Die Metropolitan Opera in New York (Met) hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs vorerst ausgesetzt: James Levine werde bei keinen Aktivitäten der Met dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.

Die "New York Times" und die "New York Post" hatten berichtet, der heute 74-jährige Levine habe einen Jugendlichen ab 1985 jahrelang sexuell missbraucht. Der Missbrauch habe bis 1993 angedauert und den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben. Am Sonntagabend veröffentlichte die "New York Times" einen Bericht, in dem drei weitere Musiker ähnliche Erfahrungen mit Levine schilderten.

"Angesichts dieser Berichte hat sich die Met entschieden, jetzt zu handeln", hieß es in der Erklärung von Generaldirektor Peter Gelb. "Das ist für jeden Betroffenen eine Tragödie."

Die Vorwürfe tauchten bereits in einem Bericht der Polizei von Illinois vom vergangenen Jahr auf; laut einer früheren Erklärung der Met hatte Levine die Vorwürfe als falsch zurückgewiesen. Dem Dirigenten droht in diesen Fällen keine Strafverfolgung, da sie inzwischen verjährt sind.

Levine gilt als einer der größten Orchesterleiter der Gegenwart. Er war von 1971 bis 2016 Dirigent an der Met und lange Zeit auch künstlerischer Leiter. 2016 ging er wegen seiner Parkinson-Erkrankung in Rente, arbeitet aber weiterhin an der Met. Erst am Samstag stand er als Dirigent bei Verdis "Requiem" auf der Bühne. Eigentlich sollte er demnächst auch Puccinis "Tosca" dirigieren. Er gastierte auch bei den Festspielen in Salzburg und Bayreuth und war von 1999 bis 2004 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.

Mit diesem Fall hat die Welle von Veröffentlichungen zu sexuellen Übergriffen, die mit dem Sturz des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein begonnen hatte, nun auch die Welt der klassischen Musik erreicht.

aar/dpa/AFP



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