Fukushima: Japan lockert Bestimmungen für Evakuierungszone

Es ist ein kleiner Schritt zurück in Richtung Normalität. Drei Gemeinden am Rand der Sperrzone von Fukushima werden teilweise wieder freigegeben. Bis zu 16.000 Menschen dürfen in ihre Heimat zurückkehren - dort aber noch nicht übernachten.  

Zerstörtes Haus in Minamisoma: Im April dürfen erste Einwohner zurück in ihre Gemeinde Zur Großansicht
Haluka Maier-Borst

Zerstörtes Haus in Minamisoma: Im April dürfen erste Einwohner zurück in ihre Gemeinde

Tokio - Zum ersten Mal seit der Sperrung der Evakuierungszone rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima vor mehr als einem Jahr hat die japanische Regierung drei Gemeinden am Rand der 20-Kilometer-Zone teilweise wieder freigegeben. "Wir haben beschlossen, die Zugangsverbote in den evakuierten Gebieten zu überarbeiten", sagte Ministerpräsident Yoshihiko Noda am Freitag in Tokio.

Der Schritt sei "die Grundlage für den Wiederaufbau der betroffenen Städte", sagte Wirtschafts- und Handelsminister Yukio Edano am Freitagabend. Bis zu 16.000 der 100.000 aus der Evakuierungszone vertriebenen Menschen können ohne Sondergenehmigung nach Hause zurückkehren - dürfen dort allerdings nicht übernachten. Bürger aus der Stadt Kawauchi müssen dort in bestimmten Gebieten Schutzbekleidung tragen.

Die Städte in den am wenigsten mit Radioaktivität belasteten Bereichen der Zone werden in drei Kategorien eingeteilt. Für die beiden Orte Kawauchi und Tamura treten die neuen Bestimmungen am Sonntag in Kraft, für Minamisoma Mitte April. Teile der Städte werden allerdings weiter wegen hoher Strahlenbelastung gesperrt bleiben. Für acht weitere weniger belastete Gemeinden steht eine Entscheidung noch aus.

Für eine dauerhafte Rückkehr müssen die Gebiete allerdings erst komplett dekontaminiert werden. In den Teilen der Städte mit der höchsten Strahlenkonzentration sei frühestens in fünf Jahren der Zugang wieder erlaubt.

Japan hatte nach dem Unglück von Fukushima im Umkreis von 20 Kilometern eine Evakuierungszone um das Atomkraftwerk eingerichtet. Insgesamt mussten 80.000 Menschen aus elf Städten das Gebiet verlassen.

Am 11. März 2012 jährte sich das Unglück von Fukushima zum ersten Mal, überall in Japan gedachten die Menschen der Opfer.

bos/dapd/Reuters

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1. Normalität
m a x l i 31.03.2012
Die japanische Regierung scheint wirklich sehr verzweifelt auf der Suche nach guten Nachrichten zu sein. Bevor hier jemand mit Leseschwäche verkündet: "Seht Ihr, die Bewohner kehren zurück, die Evakuierungszone wird aufgehoben!", lohnt es sich genau hinzugucken: •Es wird ein Zugang zu *drei Gemeinden am Rand der 20-km-Zone* erlaubt. •Von diesen drei Gemeinden sind Teile zugänglich, andere *Teile immer noch gesperrt*. •*Übernachten* ist *nicht erlaubt*. •Das Tragen von *Schutzkleidung* ist (teilweise) erforderlich. Verwundert rätsele ich: Zu welchem Zweck soll ich dort als ehemaliger Bewohner in erlaubten Abschnitten meines Dorfs wie ein Gespenst in Schutzkleidung herumschleichen und mich immer noch vorhandener radioaktiver Gesundheitsgefährdung aussetzen, um täglich bei Anbruch der Dunkelheit wieder das Weite zu suchen. Normalität sieht anders aus. Na ja, Hauptsache der Strom war in der Vergangenheit "billig". Und dann immer der unerschütterliche Glaube an die große Dekontamination, die irgendwann kommen wird. Dreck kann man nur an einer Stelle wegmachen und an anderer Stelle wieder hinmachen. Er ist dann immer noch da. Bei so einem großen Gebiet scheitert es schon am Wegmachen. Zum Glück kann das alles bei uns nicht passieren, oder kann es?
2. Neudefinition Evakuierungszonen falsch
futaba 31.03.2012
Zitat von m a x l iDie japanische Regierung scheint wirklich sehr verzweifelt auf der Suche nach guten Nachrichten zu sein. Bevor hier jemand mit Leseschwäche verkündet: "Seht Ihr, die Bewohner kehren zurück, die Evakuierungszone wird aufgehoben!", lohnt es sich genau hinzugucken: •Es wird ein Zugang zu *drei Gemeinden am Rand der 20-km-Zone* erlaubt. •Von diesen drei Gemeinden sind Teile zugänglich, andere *Teile immer noch gesperrt*. •*Übernachten* ist *nicht erlaubt*. •Das Tragen von *Schutzkleidung* ist (teilweise) erforderlich. Verwundert rätsele ich: Zu welchem Zweck soll ich dort als ehemaliger Bewohner in erlaubten Abschnitten meines Dorfs wie ein Gespenst in Schutzkleidung herumschleichen und mich immer noch vorhandener radioaktiver Gesundheitsgefährdung aussetzen, um täglich bei Anbruch der Dunkelheit wieder das Weite zu suchen. Normalität sieht anders aus. Na ja, Hauptsache der Strom war in der Vergangenheit "billig". Und dann immer der unerschütterliche Glaube an die große Dekontamination, die irgendwann kommen wird. Dreck kann man nur an einer Stelle wegmachen und an anderer Stelle wieder hinmachen. Er ist dann immer noch da. Bei so einem großen Gebiet scheitert es schon am Wegmachen. Zum Glück kann das alles bei uns nicht passieren, oder kann es?
Verzweifelt ist wohl eher die Lage derjenigen, die behauptet haben, die kontaminierte Zone sei für die Ewigkeit unbewohnbar und die nun mit jeder Reduzierung der Zonen händeringend nach Argumenten suchen, diese zu relativieren. Das war abzusehen und lässt mich kalt. Im übrigen strotzt der Artikel mal wieder vor Ungenauigkeiten und Fehlern. So haben in der 20-km-Radius-Zone keine 100 000 Menschen gelebt, sondern 85 000 . Und die genannten Gemeinden Kawauchi, Tamura und Minamisoma liegen - bis auf kleine Teile - auch nicht in der 20-km-Zone. Damit stimmen auch die ganzen Angaben über 16000 Personen nicht, die "vertrieben" wurden und jetzt zurückkehren können. Gemeint ist wohl die Aufhebung der "Emergency Evacuation Preparation Zone" und nicht die "No Entry Zone." In der EEPZ durfte man aber sowieso bleiben, wenn man wollte. Wie die Zahl 16 000 zustande kommt, weiß wahrscheinlich nicht einmal der Verfasser des Artikels. Vielleicht ist das die Zahl der Personen, die diese Zone - vor allem Minamisoma Kernstadt - von sich aus verlassen hat. Zur Info: Die Gemeinden, die ganz oder überwiegend in der 20-km-Zone liegen, heißen von Süd nach Nord entlang der Küste: Naraha, Tomioka, Okuma, Futaba, Namie und Minamisoma-Odaka. Die Einteilung in drei neue Klassen von Zonen bezieht sich nicht, wie der Artikel schreibt, auf die am wenigsten kontaminierten Bereiche, sondern auf alle im Bereich der No-Entry-Zone und der Expanded evacuation zone (hauptsächlich der Ort Iitate). Und diese Neu-Einteilung steht noch aus und hat wenig bis nichts mit den drei genannten Städten zu tun.
3.
no-panic 31.03.2012
Zitat von m a x l iDie japanische Regierung scheint wirklich sehr verzweifelt auf der Suche nach guten Nachrichten zu sein. Bevor hier jemand mit Leseschwäche verkündet: "Seht Ihr, die Bewohner kehren zurück, die Evakuierungszone wird aufgehoben!", lohnt es sich genau hinzugucken: •Es wird ein Zugang zu *drei Gemeinden am Rand der 20-km-Zone* erlaubt. •Von diesen drei Gemeinden sind Teile zugänglich, andere *Teile immer noch gesperrt*. •*Übernachten* ist *nicht erlaubt*. •Das Tragen von *Schutzkleidung* ist (teilweise) erforderlich. Verwundert rätsele ich: Zu welchem Zweck soll ich dort als ehemaliger Bewohner in erlaubten Abschnitten meines Dorfs wie ein Gespenst in Schutzkleidung herumschleichen und mich immer noch vorhandener radioaktiver Gesundheitsgefährdung aussetzen, um täglich bei Anbruch der Dunkelheit wieder das Weite zu suchen. Normalität sieht anders aus. Na ja, Hauptsache der Strom war in der Vergangenheit "billig". Und dann immer der unerschütterliche Glaube an die große Dekontamination, die irgendwann kommen wird. Dreck kann man nur an einer Stelle wegmachen und an anderer Stelle wieder hinmachen. Er ist dann immer noch da. Bei so einem großen Gebiet scheitert es schon am Wegmachen. Zum Glück kann das alles bei uns nicht passieren, oder kann es?
Ich frage mich, warum man Nachts nicht dort bleiben darf.... Handelt es sich um Wercaesium und Werjod, völlig harmlose FE Atome, die sich Nachts in krebserzeugende Caesium- und Jod Atome verwandeln? Kann man die also vernichten, indem man ihnen einen Eichenpflock ins Herz rammt? Weichen die vor Weihwasser und gesegneten Silberkreuzen zurück? Da bieten sich doch interessante Ansätze zur Dekontamination.....
4.
futaba 31.03.2012
Zitat von no-panicIch frage mich, warum man Nachts nicht dort bleiben darf....
Die Lösung dürfte wie üblich darin bestehen, dass es eine Fehlmeldung ist. Vermutlich dürfen nur einige der 16 000 Einwohner nicht übernachten, deren Häuser zwar in den genannten Gemeinden liegen, aber nicht in der Emergency Evacuation Preparation Zone , sondern in der No-Entry- bzw. Expanded Evacuation Zone. Es ist sinnlos, aus einem einzelnen Artikel zu viel herauslesen zu wollen.
5. Die Sperrzone um Fukushima
tangarra 31.03.2012
Zitat von sysopEs ist ein kleiner Schritt zurück in Richtung Normalität. Drei Gemeinden am Rand der Sperrzone von Fukushima werden teilweise wieder freigegeben. Bis zu 16.000 Menschen dürfen in ihre Heimat zurückkehren - dort aber noch nicht übernachten. Fukushima: Japan lockert Bestimmungen für Evakuierungszone - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,824923,00.html)
Die 20 km Sperrzone um Fukushima dient drei Zwecken: 1) Verhinderung von Verschleppung von Radioaktivität in weniger kontaminierte Gebiete. 2) Schutz der Bevölkerung vor eventuellen neuen Freisetzug von Radioaktivität - die Reaktoren sind ja Ruinen und keine intakten Atomkraftwerke mehr. 3) Reduzierung der Strahlenbelastung für Bewohner. Die Verteilung der Radioaktivität hat sich natürlich nicht an kreisförmigen Zonen um die Anlage gehalten. Es gibt außerhalb der 20 km Sperrzone stark kontaminierte Gebiete während einige Gebiete innerhalb der Sperrzone fast unbelastet sind. Gegen die dauerhafte Rückkehr der Bevölkerung in diese Gebiete spricht vor allem der Punkt 2. Die ehemaligen Anwohner von Fukushima, die sich nicht - wie die jungen und mobileren - woanders ein neues (und schöneres) Zuhause gesucht haben, sind vor allem alte Leute, die noch in Ersatzunterkünften wohnen und dort von der Rückkehr in ihre alte Heimat träumen. Der Plan der Regierung ist es, sie mit immer neuen Ankündigungen, dass die Rückkehr bald möglich ist, bei Laune zu halten, bis sich das Problem der Rückkehr der alten Leute von selber gelöst hat. Deshalb werden in regelmäßiegen Abstände irgendwelche Aktionen angekündigt. Passieren tut dann in der Regel nichts. Vielleicht mal eine kurze Bustour ins alte Dorf zu den Gräbern der Ahnen oder so.
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