Japanischer Bart-Erlass U-Bahnfahrer verklagen Behörden wegen Rasier-Pflicht

Haariger Streit zwischen U-Bahnfahrern und ihrem Arbeitgeber: Die Verkehrsbetriebe von Osaka kürzen bärtigen Fahrern die Boni. Die wehren sich nun vor Gericht gegen den neuen Rasur-Erlass.

U-Bahn in Osaka: Bartfreier Arbeitsplatz
Getty Images / Bloomberg

U-Bahn in Osaka: Bartfreier Arbeitsplatz


Zwei U-Bahnfahrer haben die Stadtverwaltung von Osaka verklagt, nachdem ihre Boni gekürzt wurden, weil sie sich weigerten, ihre Bärte zu rasieren. Die beiden Fahrer verlangen einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge jeweils rund 2,2 Millionen Yen (mehr als 17.000 Euro) als Schadensersatz für den psychischen Schaden und Seelenqualen, die sie wegen der Vorschrift erlitten haben.

"Einen Bart zu tragen ist ein Teil der individuellen Freiheit, so wie Kleidung oder Frisuren", zitiert die "Japan Times" aus der vergangene Woche eingereichten Klage. Die städtischen Pflegestandards griffen in diese Freiheit ein, die durch die Verfassung geschützt sei.

Die beiden zwischen 50 und 60 Jahre alten Männer wenden sich gegen das vom früheren konservativen Bürgermeister Toru Hashimoto erst 2012 initiierte Verbot, das laut "Guardian" auch die in Japan gesellschaftlich seit Langem verpönten Tattoos verbietet. Mehr als zehn Jahre lang hätten die beiden Männer ihre Bärte bereits getragen.

"Ich habe meinen Bart stets gepflegt, und Fahrgäste haben sich nie beschwert", sagte einer der Männer der "Japan Times" zufolge. Doch von den Verkehrsbetrieben erhielten sie wegen des neuen Bart-Erlasses schlechtere Beurteilungen und ihre Bonuszahlungen wurden gekürzt.

Osakas aktueller Bürgermeister Hirofumi Yoshimura kommentierte die Klage laut dem Bericht mit den Worten: Der Bart-Erlass sei "nicht ausufernd" und "für die zahlenden Fahrgäste angenehm".

In Deutschland hatte zuletzt ein Sauerländer Firmenchef für Aufsehen gesorgt, der Schülern vor einer Tagung strenge Vorschriften machte: Piercings, bunte Haare, Hängehosen waren tabu. Lockerer zeigte sich dagegen in den Siebzigern ausgerechnet die Bundeswehr. Ein Haar-Erlass erlaubte Soldaten das Tragen von Bärten und langen Haaren, was der Truppe damals den spöttischen Namen German Hairforce einbrachte.

apr



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