Nach Tod eines Neunjährigen: Kirche verbietet BVB-Grabstein

Bevor er an einem Hirntumor starb, wünschte sich der neunjährige Jens Pascal einen Grabstein mit dem Logo seines Lieblingsclubs Borussia Dortmund. Seine Eltern ließen ein Grabmal anfertigen, doch der zuständige Kirchenvorstand lehnte den Entwurf ab. Nun gibt es massiven Protest im Internet.

Fahne mit BVB-Logo: "Dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen" Zur Großansicht
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Fahne mit BVB-Logo: "Dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen"

Dortmund - Ein halbes Jahr vor seinem Tod traf Jens Pascal seine Idole persönlich: Die Fußballprofis von Borussia Dortmund besuchten im Dezember die Dortmunder Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Verteidiger Marcel Schmelzer, Torwart Roman Weidenfeller und Kapitän Sebastian Kehl waren dabei, Trainer Jürgen Klopp trug ein Weihnachtsmannkostüm. Im Mai starb Jens Pascal im Alter von neun Jahren an einem Hirntumor.

Der Junge war ein glühender Fan von Borussia Dortmund. "Wenn ich gestorben bin, dann möchte ich einen Grabstein mit dem Club-Logo haben", sagte er seiner Mutter Nicole Schmidt zufolge. So erzählte es die 35-Jährige der "Bild der Frau".

Die Eltern ließen einen Grabstein entwerfen und beantragten die Aufstellung Anfang Juli bei der katholischen Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung in Dortmund Bodelschwingh, auf deren Friedhof Jens Pascal begraben liegt. Der Kirchenvorstand lehnte den Grabstein jedoch ab, weil man der Auffassung sei, "dass der Entwurf dem Ort eines katholischen Friedhofs nicht angemessen ist."

Das Objekt des Streits ist ein schmaler Grabstein, darauf das BVB-Logo nebst dem Spruch "Echte Liebe" - ein Slogan, den Borussia Dortmund auch selbst verwendet. Obendrauf soll noch ein Fußball liegen.

Die Familie will dafür kämpfen, dass einer der letzten Wünsche von Jens Pascal erfüllt wird. Auf Facebook wurde eine Unterstützergruppe gegründet, der sich fast 50.000 Menschen angeschlossen haben. Darunter auch zahlreiche Schalke-Fans, denen der Wunsch der Familie wichtiger ist als die sportliche Rivalität.

Die Kirche jedoch bleibt bei ihrer Haltung und beruft sich auf die Friedhofsordnung. Demnach sind "Inschriften und Darstellungen, welche der christlichen Religion nicht entsprechen" auf Grabmälern verboten. Ein Gesprächsangebot an die Familie bestehe aber weiterhin, sagt Michael Bodin von der katholischen Pressestelle in Dortmund.

Nachtrag: Die Kirchengemeinde Mariä Heimsuchung hat am Dienstag eine Erklärung veröffentlicht und bekräftigt, dass sie an einer einvernehmlichen Lösung mit den Angehörigen interessiert ist. Die Mitteilung finden Sie hier.

hut

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