Rekordwert Jugendämter nehmen so viele Kinder in Obhut wie nie

Die Zahl der Inobhutnahmen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht: Im vergangenen Jahr stuften Jugendämter mehr als 42.000 Kinder und Jugendliche als akut gefährdet ein. Oft sind die Eltern überfordert.


Wiesbaden - Die Jugendämter in Deutschland haben noch nie so viele Kinder und Jugendliche zu deren Schutz in Obhut genommen wie 2013. Häufigster Anlass war mit 40 Prozent die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils. Allerdings: Der Anstieg zum Vorjahr ist fast ausschließlich auf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten zurückzuführen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

So nahmen die Behörden 2013 insgesamt etwa 42.100 Mädchen und Jungen in Obhut, weil sie in einer Lage steckten, die als akut gefährdet eingeschätzt wurde. Das ist die höchste Zahl seit Beginn der Statistik 1995. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 1896 junge Menschen mehr. Im Fünf-Jahres-Vergleich beträgt das Plus 9870 Fälle. Damit wurden von 10.000 Kindern und Jugendlichen 2013 statistisch 32 in Obhut genommen. Fünf Jahre zuvor waren es nur 23.

Unter den in Obhut genommenen Kindern und Jugendlichen befanden sich 6584 Flüchtlinge, die 2013 allein aus dem Ausland eingereist waren. Das waren 1817 mehr als 2012 - und 5485 mehr als 2008. Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge (69 Prozent) waren bereits 16 oder 17 Jahre alt. Die meisten der Ankömmlinge aus dem Ausland (89 Prozent) waren Jungen. Insgesamt machten Jungen knapp 53 Prozent der Fälle aus.

Die Jugendämter nehmen Kinder und Jugendliche in Obhut, wenn sie aufgrund von Gewalt, Sucht, Verwahrlosung, psychischen Erkrankungen oder Unterernährung in Gefahr sind. Auch Ausreißer und Flüchtlinge gehören dazu. Zur Inobhutnahme kann es auf Wunsch der Kinder und Jugendlichen selbst oder aufgrund begründeter Hinweise von Polizei, Schule, Erziehern, Ärzten und Bekannten der Familie kommen.

wit/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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DonCarlos 25.07.2014
1.
Da gibt es noch weitere Ursachen für eine Inobhutnahme: frei Plätze in einer nahegelegenen Einrichtung, die gefüllt werden müssen.
Yodarth 25.07.2014
2. @DonCarlos
Die Einrichtungen entscheiden nicht über die Belegung. Die Jugendämter wären froh, wenn die Zahlen sinken würden, da die Gelder nicht mehr werden. Zudrm ist es zumindest in unserer Region so, dass die Einrichtungen eher voll sind und das Jugendamt Schwierigkeiten hat, Plätze zu finden.
wegholz 25.07.2014
3. kosten
Inobhutnahmen werden garantiert nicht forciert um Einrichtungen zu befüllen. Die Kommunen leiden unter den hohen jedoch zumeist notwendigen kosten der Jugendhilfe. Steigende Zahlen bei den Inobhutnahmen deuten auch auf eine gestiegene gesellschaftliche Sensibilität für das Kindeswohl.
schneeeflöckchen 25.07.2014
4. Aus eigener Erfahrung
Die meisten Pflegeeltern warten Jahre bis sie einem Kind ein Zuhause geben können, die meisten bekommen auch nach Jahren, trotz Seminaren, Psychologischentests etc.., keines. Was läuft da falsch?
hermannheester 26.07.2014
5. Gegenfrage erlaubt?
Zitat von sysopDPADie Zahl der Inobhutnahmen in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht: Im vergangenen Jahr stuften Jugendämter mehr als 42.000 Kinder und Jugendliche als akut gefährdet ein. Oft sind die Eltern überfordert. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/jugendaemter-nehmen-so-viele-kinder-in-obhut-wie-nie-a-982881.html
Die Zahl der unzumutbaren Zustände in Familien mit Kindern galoppieren davon. Wie aber sieht es mit den Missständen in PFLEGEFAMILIEN aus? Metadonfamilien haben nun wohl noch bessere Aussichten, auch als "Pflegefamilie" dazu zu verdienen?
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