Bohrloch-Unglück von Totálan "Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie"

In rund 70 Metern Tiefe haben Helfer im spanischen Totalán die Leiche des verschollenen Julen geborgen. Anscheinend war der Junge "im freien und schnellen Fall" in den Brunnenschacht gestürzt.

Gegend um Totalán
REUTERS

Gegend um Totalán


Mitten in der Nacht gab es keine Hoffnung mehr: Um 2.21 Uhr am frühen Samstagmorgen ist die amtliche Mitteilung veröffentlicht worden, dass der kleine Julen nur tot geborgen werden konnte. 13 Tage zuvor war der Zweijährige im südspanischen Totalán in ein mehr als 100 Meter tiefes Loch gefallen.

Laut den jüngsten Einschätzungen der Behörden stürzte Julen "im freien und schnellen Fall" durch das enge Loch rund 71 Meter tief. "Darauf deutet die Stellung des Körpers hin", sagte Alfonso Rodríguez Gómez de Celis, Delegierter der Zentralregierung in Andalusien. Eine Autopsie soll helfen, die genauen Todesumstände zu ermitteln. Die Justiz hatte schon vor Tagen eine Untersuchung eingeleitet.

"Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie", schrieb Ministerpräsident Pedro Sánchez auf Twitter. Er dankte den Helfern für ihren Einsatz.

Das Königshaus von Monarch Felipe VI. sprach von "tiefstem Schmerz" und richtete der Familie sein Beileid aus. Die Stadt Málaga verkündete eine dreitägige Trauer, vor dem Rathaus der Küstenstadt versammelten sich Hunderte zu einer Trauerkundgebung und einer Schweigeminute. Auch die italienische Sängerin Laura Pausini, Hollywoodstar Antonio Banderas und der spanische Fußballverband sprachen Julens Eltern in den sozialen Netzwerken Trost zu. 2017 hatte das Paar bereits einen Sohn verloren: Julens älterer Bruder Oliver starb bei einem Strandspaziergang mit drei Jahren an Herzversagen.

Viele hatten bis zuletzt auf ein "Wunder von Totalán" gehofft. Im Málaga-Vorort El Palo, dem Wohnort der Familie, formten Menschen noch Freitagnacht mit weißen und roten Kerzen ein großes Herz. In vielen Kirchen wurde seit Tagen für Julen gebetet.

Mehr als 300 Einsatzkräfte hatten daran gearbeitet, den Zweijährigen auf dem schwer zugänglichen Hügel Cerro de la Corona zu finden. Zuerst entdeckten sie mit Kameraaufnahmen im Schacht eine Tüte mit Süßigkeiten, die Julen bei sich hatte; später fanden sie Haare des Jungen.

So wurde der Rettungsschacht in die Tiefe getrieben
SPIEGEL ONLINE

So wurde der Rettungsschacht in die Tiefe getrieben

Lebenszeichen gab es allerdings keine. Zudem war unklar, in welcher Tiefe des Lochs sich der Junge befand. (Lesen Sie hier mehr zu illegalen Brunnen-Bohrungen in Spanien.)

Ingenieure, Polizisten und Bergbauexperten waren rund um die Uhr im Einsatz, um den Jungen zu retten. Experten hatten bis zuletzt versichert, es sei nicht ausgeschlossen, das Kind lebend zu finden.

Die Hoffnungen auf ein glückliches Ende schrumpften jedoch mit jedem Tag weiter. Besonders bei der Bohrung eines Parallel-Tunnels war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen. Experten zufolge ist für eine solche Aktion, bei der mehr als 80.000 Tonnen Erde abgetragen wurden, deutlich mehr Zeit nötig. Einen vergleichbaren Notfall in einer solchen Tiefe habe es weltweit noch nie gegeben.

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Julen gefunden: Nacht der Gewissheit

Seit Donnerstagabend hatten erfahrene Bergarbeiter aus der nordspanischen Kohleregion Asturien unter schwierigsten Bedingungen vom Grund des Parallelschachts aus einen vier Meter langen horizontalen Tunnel gegraben, um zu Julen vorzudringen. Sie konnten dabei 36 Stunden lang nur kniend oder liegend in Zweierteams arbeiten und kämpften sich mit Spitzhacken und Presslufthämmern durch den Felsen. Mehrmals waren Mikrosprengungen nötig, so noch am späten Freitagabend, als die Männer nur noch wenige Zentimeter von Julen trennten.

Kurz darauf gab es dann die traurige Gewissheit, wie Regierungsvertreter Rodríguez Gómez de Celis schrieb: "Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert."

Im Video: Das Ende der Suche nach Julen

DANIEL PEREZ/EPA-EFE/REX

cop/dpa/AFP

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