Waldbrände in Kalifornien Verzweifelte Suche nach Angehörigen, Freunden und Nachbarn

Es ist das schlimmste Feuer seit Beginn der Aufzeichnungen in Kalifornien: Die Zahl der Todesopfer steigt, viele Menschen werden vermisst. Die Lage könnte sich jedoch erneut verschärfen.

AP

Eine Tafel vor einer Notunterkunft ist gefüllt mit Namen und Fotos von Vermissten. "Ich hoffe, dir geht es gut", steht handschriftlich auf einem Zettel geschrieben. Ein anderer zeigt ein Foto von einem Mann: "Falls ihr ihn seht, lasst ihn bitte telefonieren." In dieser einen von vielen Notunterkünften in Kalifornien sind Menschen untergekommen, die es geschafft haben, vor den verheerenden Waldbränden zu fliehen.

Wie viele Menschen derzeit tatsächlich noch vermisst werden, haben die Behörden nicht veröffentlicht. Anfang der Woche waren es mehr als 200.

Die Zahl der Todesopfer ist derweil gestiegen: Mindestens 50 Menschen sind bei den Bränden ums Leben gekommen. Bei Sucharbeiten im Ort Paradise am Fuße der Sierra Nevada, wo das "Camp Fire" wütet, seien sterbliche Überreste von sechs weiteren Menschen entdeckt worden, sagte Sheriff Kory Honea. Damit steigt die Zahl der Todesopfer allein im Ort Paradise auf 48. Zwei weitere Menschen wurden beim "Woolsey Fire" nördlich von Los Angeles getötet.

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Brände in Kalifornien: Rauch und Feuer

Paradise gleicht "giftiger Ödnis"

Die sechs Toten in Paradise seien alle in den Ruinen niedergebrannter Häuser entdeckt worden, sagte Honea bei einer Pressekonferenz. Die Stadträtin Melissa Schuster sagte im Fernsehsender ABC, die Gerichtsmediziner müssten "von Haus zu Haus und von Fahrzeug zu Fahrzeug gehen". Ganz Paradise gleiche einer "giftigen Ödnis". Die Zahl der Todesopfer dürfte wegen der hohen Vermisstenzahl noch weiter steigen. Schon jetzt sind es mehr Opfer durch ein Feuer als je zuvor in Kalifornien.

Paradise glich unterdessen einer Geisterstadt, wie eine Reporterin der dpa berichtet. Bewohner wurden noch nicht wieder in den Ort zurückgelassen, während die Such- und Aufräumarbeiten voranschritten. Der Ort sei massiv zerstört, an vielen Stellen qualme es noch. Die Luft sei komplett verraucht, es rieche beißend, alle Menschen trügen Schutzmasken. Die Notschutzunterkünfte rund um den Ort herum seien voller Bedürftiger, massenhaft würden Spenden abgegeben.

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Vermisstensuche in Kalifornien: "Ich hoffe, dir geht es gut"

Tausende Häuser bereits zerstört

Einsatzkräfte gingen davon aus, dass starke Winde und die extrem trockene Landschaft, in die sich die Feuer zunehmend fressen, die Lage verschärfen dürften.

Die Brände, die vorigen Donnerstag im Norden und im Süden des Staates ausgebrochen waren, zerstörten bereits Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser. Hunderttausende Menschen mussten sich in Sicherheit bringen. Mehrere Tausend Feuerwehrleute sind im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen.

Auch die Villen mehrerer Stars in der hügeligen Gegend um Malibu brannten ab - darunter die Häuser von Moderator Thomas Gottschalk, Popstar Miley Cyrus und Schauspieler Gerard Butler.

US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag von verheerenden Bränden, wie es sie noch nicht gegeben habe. "Wir trauern um jene, die ihr Leben verloren haben", sagte er im Weißen Haus in Washington. "Wir beten für die Opfer." Trump dankte Feuerwehrleuten, Katastrophenschützern und Rettungskräften für ihren Einsatz in Kalifornien. Man werde alles Erdenkliche tun, um die Betroffenen in der Region zu schützen. "Es ist eine sehr schwierige Situation."

cop/AP/dpa

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