Kaliforniens Feuerkatastrophe In Asche

In Kalifornien wüten die schlimmsten Waldbrände in der Geschichte des US-Bundesstaates. Viele Menschen starben, 250.000 sind ohne Obdach. Wegen unberechenbarer Winde könnten sich die Feuer weiter ausbreiten.

AFP

Mehr als 8000 Feuerwehrleute kämpfen im Norden und Süden Kaliforniens gegen die verheerenden Waldbrände an, die bereits Tausende Häuser zerstört haben. Die US-Wetterbehörde warnt nun vor "sehr kritischen" Wetterbedingungen, welche die Lage weiter verschlimmern könnten.

Für die nächsten Tage erwartet die Behörde im Süden Kaliforniens starke Winde in den Bergregionen. Zusammen mit dem ausbleibenden Regen und der geringen Luftfeuchtigkeit könnten die sogenannten Santa-Ana-Winde dazu führen, dass sich die Feuer weiter ausbreiten. "Die existierenden Feuer sind nicht unsere einzige Sorge", sagte der Leiter der Feuerwehr von Ventura County der "New York Times".

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Kalifornien: Die Zerstörung in Paradise

Im Norden Kaliforniens würden die Winde laut der Wetterbehörde zwar abnehmen, die Trockenheit könne jedoch auch dort den Ausbruch von neuen Feuern begünstigen - die sich dann sehr schnell verbreiten könnten.

Der Chef der Feuerwehr des Landkreises Los Angeles, Daryl Osby, rechnet mit Hunderten weiteren zerstörten Häusern. Bisher seien 370 gezählt worden. Derzeit können etwa 250.000 Menschen nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. Die Feuerwehr hat Zehntausende Menschen aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. "Ihr Haus kann wieder aufgebaut werden, aber niemand kann Ihnen Ihr Leben zurückbringen", sagte Osby.

"Es wird noch viel schlimmer werden" - Kaliforniens Gouverneur im Video:

In Butte County wurden laut Feuerwehr bislang 42 Tote geborgen, die meisten in dem Ort Paradise. Viele der Leichen waren in ausgebrannten Autos oder Häusern gefunden worden. Allein in Paradise sollen 6700 Häuser abgebrannt sein. Das in der Gegend wütende "Camp Fire" ist dem örtlichen Sheriff zufolge inzwischen der Waldbrand mit den meisten Todesopfern in der Geschichte Kaliforniens.

Von einem Waldbrand betroffen ist auch der Küstenort Malibu. Dort wurden offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen tot aufgefunden. Zudem verloren zahlreiche Prominente ihre Anwesen - darunter Thomas Gottschalk, Gerard Butler und Miley Cyrus.

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Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wehrte sich unterdessen gegen einen Tweet von Donald Trump, in dem der US-Präsident den Behörden unvernünftiges Forstmanagement vorwarf. Zuvor hatte Trump nach harscher Kritik an einer ähnlichen Aussage den Feuerwehrleuten und Betroffenen noch sein Mitgefühl ausgesprochen. "Die Zerstörung ist katastrophal. Gott schütze alle", schrieb er. Auch Amtsvorgänger Barack Obama hatte sich geäußert: Er und seine Frau Michelle seien todunglücklich, schrieb Obama auf Twitter.

Kalifornien wird von den politischen Gegnern Trumps, den Demokraten, regiert. Gouverneur Brown widersprach Trumps Aussage zum Missmanagement und gab stattdessen dem Klimawandel schuld an den Bränden. "Katastrophen wie diese wird es in Zukunft öfter geben. Und das ist erst der Anfang. Es wird noch viel schlimmer werden", sagte Brown in einer Pressekonferenz.

Die Betroffenen der verheerenden Brände sollen finanzielle Unterstützung vom Bund bekommen. Das entschied Trump am Montag, wie das Weiße Haus am Abend mitteilte. Unter anderem können demnach Menschen, deren Häuser oder Geschäfte abgebrannt sind, finanzielle Hilfen des Bundes beantragen - etwa um eine vorübergehende Unterkunft oder Reparaturen zu bezahlen. Die Unterstützung solle Aufbauhilfen des Bundesstaates und Hilfen auf lokaler Ebene ergänzen, hieß es.

kko/AP



insgesamt 8 Beiträge
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alterknacker54 13.11.2018
1. Da es keinen Klimawandel gibt
haben auch diese apokalyptischen Brände mit Sicherheit nichts mit dem nicht vorhandenen Klimawandel zu tun. Globale Erwärmung? Gibt es auch nicht, Mr. Präsident. Amerika kann in aller Ruhe so weitermachen wie bisher und braucht sich um nichts weiter zu kümmern - Mutter Natur regelt das schon...
mborevi 13.11.2018
2. Wenn man ...
... hölzerne Häuser in Waldgebieten mit leicht entflammbaren Gehölzen verstreut, und das noch in einem sehr trockenen Klima, dann ist eine Katastrophe vorprogrammiert.
espet3 13.11.2018
3.
Saisonal werden die Waldbrände in Kalifornien in einem der trockensten Gebiet der USA bereits von den Medien erwartet. Jedes Jahr das gleiche Wehklagen, und man kann scheinbar nichts dagegen tun, so ähnlich, wie man auch gegen den leider ausfallenden Regen nicht in der Lage wäre, etwas zu unternehmen. Haben sich die Brände selbst entfacht oder wurden sie, wie schon anderweitig erfahren, bewusst gelegt? Dass der unsensible Polterer Trump nicht ganz zu Unrecht die Behörden anklagt, liegt auf der Hand, wenn man die Straßen als Fluchtwege betrachtet und diese rechts und links mit brennbaren Materialien ausstaffiert sieht. Nach der deutschen Bauordnung darf noch nicht einmal ein Handlauf in einem Fluchttreppenhaus aus brennbarem Material bestehen. Man fragt sich auch, weshalb kluge und reiche Leute z.B. in Malibu das nicht erkennen und sogar von Europa aus dort unbedingt siedeln müssen.
marialeidenberg 13.11.2018
4. Wenn es denn in Kalifornien 'unberechenbare Winde' gibt dann muss
eben dieses Faktum in die Risikobewertung Genehmigungspraxis der Bauordnungsämter (gibt es dort so etwas überhaupt?) eingehen. Die wunderbare Freiheit, sich weitgehend unbehelligt von Regeln und Normen genau dort sein Holzhäuschen bauen zu dürfen (unversichert, versteht sich), wo man es am schönsten findet, zeigt sich hier in ihrer ganzen Konsequenz. Deutsches Spruchgut: "Wer das eine will, muss das andere mögen".
BSC 13.11.2018
5. zu einfach
Der Klimawandel ist schuld, sagt die Behörde. So einfach ist das, denn dadurch trifft sie keine Schuld. in einer der reichsten Gegenden der Welt (in der Nähe, also leicht nördlich bei San Francisco haben Google, Apple und Facebook ihren Sitz, also die reichsten Firmen der westlichen Welt . Wenn man es dort nicht schafft, durch Forstwesen, künstlicher Bewässerung, Schneisen in den Wäldern, vorbeugendem Brandschutz, etc., die jährlichen Waldbrände in den Griff zu bekommen, wo dann? Es gibt leider auch in Kalifornien Misswirtschaft, Bürokratie, falsch verstandenen Naturschutz (alles muss so bleiben, auch das leicht entzündbare Unterholz am Wegesrand) und vieles mehr, was zu dieser Katastrophe geführt hat.
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