Langjähriger Chef der Bischofskonferenz Kardinal Karl Lehmann ist tot

Der frühere Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der 81-Jährige starb nach Angaben des Bistums am Sonntagmorgen in seinem Haus in Mainz. Er hatte im Herbst vergangenen Jahres einen Schlaganfall erlitten.

DPA

Er war 33 Jahre Mainzer Bischof und 21 Jahre Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: Kardinal Karl Lehmann ist tot. Der frühere Mainzer Bischof starb nach Angaben des Bistums in seinem Haus in Mainz. Der 81-Jährige hatte seit September vergangenen Jahres mit den Folgen eines Schlaganfalls und einer Hirnblutung gekämpft.

Zuletzt waren seine Kräfte deutlich geschwunden. Der frühere Bischof war einer der beliebtesten Katholiken Deutschlands und genoss weltweit Ansehen. Nach seinem Schlaganfall war Lehmann zunächst in einem Krankenhaus behandelt worden.

Seit Dezember vergangenen Jahres wurde Lehmann schließlich zu Hause in Mainz versorgt. Nach Angaben seines Nachfolgers im Amt des Bischofs, Peter Kohlgraf, hatte er zuletzt selbst signalisiert, dass er sich "auf den Weg macht".

Fotostrecke

7  Bilder
Tod von Kardinal Karl Lehmann: "Steht fest im Glauben"

In einem Brief an die Gemeinde und Mitarbeiter zur Bekanntgabe des Todes schreibt Bischof Kohlgraf: "Das Bistum Mainz trauert um einen weit über die Kirche hinaus hoch anerkannten Theologen und Seelsorger, einen leidenschaftlichen Brückenbauer zwischen den Konfessionen und einen Zeugen des Glaubens inmitten der Gesellschaft."

Der gebürtige Sigmaringer Lehmann war bis 2016 rund 33 Jahre lang Bischof der Diözese Mainz. Seine Bischofsweihe spendete ihm 1983 sein Vorgänger Kardinal Hermann Volk. Lehmanns Wahlspruch lautete: "State in fide" (Steht fest im Glauben).

Von 1987 bis 2008 leitete Lehmann die Deutsche Bischofskonferenz. Im Mai 2016 war er mit 80 Jahren in den Ruhestand gegangen. Zu seinem 75. Geburtstag 2011 hatte Lehmann bei Papst Benedikt XVI. ein Rücktrittsbesuch eingereicht. Erst Papst Franziskus gab der Bitte fünf Jahre später aus Altersgründen statt. Im August 2017 trat Kohlgraf seine Nachfolge als Bischof an. Dieser hatte bereits in den vergangenen Tagen die Gläubigen zum Gebet für Lehmann aufgerufen.

Engagement für Frauen und gegen die AfD

Der Mainzer Kardinal hatte in vielen Debatten klar Stellung bezogen - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Er setzte sich für einen Diakonat für Frauen ein. Während der Flüchtlingskrise warb er für Solidarität und Verständnis.

Lehmann zeigte sich beunruhigt über die AfD und hielt sie aus christlicher Sicht nicht für wählbar. Für seine Verdienste um die Verständigung zwischen den christlichen Kirchen ehrte ihn die Evangelische Kirche in Deutschland 2016 als ersten katholischen Träger mit der Martin-Luther-Medaille.

Der aktuelle Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, würdigte Lehmann als warmherzigen und menschlichen Bischof von großer Sprachkraft: "Die Kirche in Deutschland verneigt sich vor einer Persönlichkeit", sagte er.

Lehmann war auch Autor zahlreicher Bücher - und Ehrenmitglied des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05. Als einen der Höhepunkte in seiner Zeit als Mainzer Bischof bezeichnete er einmal den Katholikentag 1998 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt.

Tiefpunkte waren für ihn die Fälle sexuellen Missbrauchs - und die Auswirkungen der Affäre um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte rund 30 Millionen Euro in einen protzigen Bischofssitz verbaut und war im März 2014 unter anderem deswegen abberufen worden. Dieser Finanzskandal hatte viele Kirchenaustritte zur Folge.

asc/apr/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.