Prominente würdigen verstorbenen Kardinal Lehmann "Moralischer Kompass"

Nach dem Tod des früheren Mainzer Bischofs Lehman hat Kanzlerin Merkel den Kardinal als Mittler gelobt. EU-Kommissionspräsident Juncker zeigte sich betroffen - und auch ein Fußballverein trauert. Die Reaktionen.

Kardinal Karl Lehmann 2014
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Kardinal Karl Lehmann 2014


Die Trauer über den Tod des früheren Mainzer Bischofs Kardinal Karl Lehmann ist unter vielen Katholiken und Prominenten groß. "Als moralischer Kompass hat er uns den Weg gewiesen und an die Werte erinnert, die Europa zu etwas Besonderem machen", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Der Christdemokrat zeigte sich "sehr betrübt" über den Tod des langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Er habe viel dazu beigetragen, Ost und West zusammenzubringen - auch im Dialog mit Polen. In der Flüchtlingsfrage habe Lehmann dazu aufgerufen, "sich auf die europäische Kraft des Gemeinsamen zu besinnen und im Sinne der Menschlichkeit zu reagieren".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte Lehmann einen "begnadeten Vermittler" zwischen den deutschen Katholiken und Rom sowie zwischen den christlichen Kirchen. "Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude", sagte sie.

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Kardinal Lehmann: "Ein kluger Kopf unter Schafen"

In einem Kondolenzschreiben an Lehmanns Nachfolger auf dem Mainzer Bischofsstuhl, Peter Kohlgraf, äußerte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankbar für die Begegnungen mit Lehmann. "Jedes Gespräch mit ihm war eine Bereicherung, sein Rat für mich von besonderem Wert", schrieb der SPD-Politiker.

Peter Kohlgraf, der die Diözese seit 2017 leitet, sagte, das Bistum trauere um einen hoch anerkannten Theologen und Seelsorger. Lehmann sei ein "leidenschaftlicher Brückenbauer zwischen den Konfessionen" gewesen - und ein "Zeuge des Glaubens inmitten der Gesellschaft", sagte Kohlgraf. "Mit Kardinal Karl Lehmann verlieren wir einen großen und liebenswürdigen Menschen."

Von vielen Gläubigen des Bistums war Lehmann liebevoll "unser Karl" genannt worden. Die Diözese gedachte am Sonntag mit einem halbstündigen Geläut der größten Domglocke des Verstorbenen. In seiner Sterbestunde sei der Kardinal nicht allein gewesen, sagte Kohlgraf. Die Ordensschwestern im Haus und Mitarbeiter des Katholischen Klinikums Mainz hätten ihn bis zuletzt begleitet.

Kardinal Lehmann war am Morgen im Alter von 81 Jahren gestorben. Er hatte von 1987 bis 2008 die Deutsche Bischofskonferenz geleitet. 33 Jahre lang war er Bischof der Diözese Mainz. Dabei bezog er auch in politischen Debatten immer wieder klar Stellung - zum Beispiel mit seinem gemäßigt liberalen Kurs bei der Schwangeren-Konfliktberatung und bei wiederverheirateten geschiedenen Katholiken. Lesen Sie hier den Nachruf: Der Brückenbauer.

Mit "großer Betroffenheit und Trauer" reagierte auch der jetzige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx: "Ein großer Theologe, Bischof und Menschenfreund geht von uns", sagte er. "Mit seinem Tod verlieren wir einen warmherzigen und menschlichen Bischof, den eine große Sprachkraft auszeichnete."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hob die Annäherung an die protestantischen Kirchen hervor: "Durch seine herausragende theologische Kompetenz, gepaart mit einem weiten Herzen, hat er die Ökumene entscheidend vorangebracht."

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Tod von Kardinal Karl Lehmann: "Steht fest im Glauben"

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble nannte Lehmann "ein ermutigendes Beispiel für ein weltoffenes, lebensbejahendes Christentum im Zeichen des Zweiten Vaticanums." Der CDU-Politiker schrieb: "Wir haben ihm viel zu verdanken." Die rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobte Lehmann mit den Worten: "Er hat die Konflikte in Kirche und Gesellschaft benannt und die weltweiten Herausforderungen erkannt."

Auch beim Fußball-Bundesligisten Mainz 05 ist die Trauer um den Kardinal groß. "Wir trauern mit allen Katholiken und den Mainzer Bürgern um eine große Persönlichkeit unserer Stadt", sagte Klubchef Stefan Hofmann: "Er hat Mainz als Bischof mit seiner Klarheit, Aufrichtigkeit und menschlichen Wärme über viele Jahre mit geprägt. Dem Sport und Mainz 05 war er sehr eng verbunden." Lehmann war Ehrenmitglied des Fußballklubs.

Der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagte: "In einer Zeit, in der so viele nicht mehr offen sind, in der sich viele gar nicht mehr bemühen, einander zu verstehen, in der die Schranken nicht nur an die Grenzen, sondern auch in manche Köpfe zurückkehren, werden wir diese Eigenschaft wohl mit am meisten vermissen." Der designierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier twitterte: "Kardinal Lehmann war großartige Leitfigur für eine menschlich gerechte Gesellschaft."


Kardinal Karl Lehmann soll am 21. März nach einem Requiem in der Bischofsgruft des Mainzer Doms beigesetzt werden. Zuvor soll Lehmann ab kommendem Dienstag in der Seminarkirche des Mainzer Priesterseminars aufgebahrt werden, sodass Menschen von ihm Abschied nehmen könnten.

apr/dpa

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