Neuer Bischofsvorsitzender Marx "Ich habe noch keinen Masterplan"

Die deutschen Bischöfe haben Reinhard Max zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Im Interview spricht der Münchner Kardinal über Kontaktfreude, den Einfluss des Vatikans und die Verunsicherung in der Kirche.

Reinhard Kardinal Marx in Münster: "Gelte nicht gerade als kontaktscheuer Mensch"
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Reinhard Kardinal Marx in Münster: "Gelte nicht gerade als kontaktscheuer Mensch"


SPIEGEL ONLINE: Herr Marx, Sie sind neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Privileg oder Strafe?

Kardinal Marx: Ein Amt bedeutet immer auch die Verantwortung, etwas zu bewegen. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist niemand, der nur Sitzungstermine plant. Er muss Moderator sein, Sprecher, aber auch Gestalter, der Inhalte gewichtet und Prioritäten setzt. Er muss Beschlüsse interpretieren und der Öffentlichkeit vermitteln können, Initiativen anregen und den Kontakt zu Rom halten.

SPIEGEL ONLINE: Für letzteres sind Sie durch Ihre Arbeit in Reform-Kommissionen des Vatikans prädestiniert. Ist Papst Franziskus ein Vorbild für Sie?

Kardinal Marx: In einem bestimmten Alter ist es schwer, sich neue Vorbilder zuzulegen. Selbstverständlich habe ich mich gefragt, was ich von Franziskus lernen kann. Er ist authentisch, den Menschen zugewandt, er lebt das Evangelium. Das ist ein Impuls, auch für andere, aber es wäre nicht gut, ihn kopieren zu wollen.

SPIEGEL ONLINE: Der Papst sucht intensiv die Nähe zu den Menschen, was seine Sicherheitsbeamten regelmäßig zur Verzweiflung bringt. Sind Sie jemand, der direkt auf andere zugeht?

Kardinal Marx: Das müssen Sie andere fragen. Ich gelte nicht gerade als kontaktscheuer Mensch. Aber das ist auch situationsbedingt, es gibt auch Momente, wo man traurig, abgelenkt oder sehr beschäftigt ist. Das macht jeder auf seine Art.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie im neuen Amt konkret angehen?

Marx: Ich habe noch keinen Masterplan. Aber wir werden auf jeden Fall das Dialogprojekt fortführen und für ein stärkeres Miteinander und eine bessere Diskussionskultur sorgen.

SPIEGEL ONLINE: Kritiker bemängeln, Basis und Führung der Kirche seien durch die großen Skandale der vergangenen Jahre massiv gespalten.

Marx: Basis und Spitze allein ist nicht korrekt. Es gibt ja auch innerhalb der Basis und Führung sehr viele verschiedenen Positionen. Die Leitung, die Familie oder die Jugend existieren ja schon lange nicht mehr - und so mancher leidet an dieser Pluralität und reagiert mit Verunsicherung. Es ist die Aufgabe aller Bischöfe, hier Brücken des Vertrauens zu bauen und Gemeinsamkeiten herauszustellen.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Blick aus Rom auf die Querelen daheim eine heilsame Relativierung?

Kardinal Marx: Beide Orte sind spannend und ich freue mich jedes Mal, in meine wunderschöne Erzdiözese München zurückzukehren. Es macht Freude, das große Flair der Weltkirche mitzuerleben, auf einer Ebene zu diskutieren, die Erfahrungen aus der ganzen Welt mitzuteilen. Es gibt kaum eine Organisation, die weltweit so verflochten ist wie die katholische Kirche - und das bis in die Graswurzel hinein, bis in die kleinste Pfarrei in Hongkong, New York oder München-Pasing. Das ist unvergleichlich.

SPIEGEL ONLINE: Braucht die katholische Kirche in Deutschland ein starkes Rom?

Marx: Rom sollte nicht geschwächt werden, wie es der eine oder andere in Deutschland fordert. Natürlich müssen wir klären, was der Vatikan macht und was die Ortskirchen tun. Aber in einer globalisierten Welt und einer Kirche, die universal aufgestellt ist, brauchen wir eine starke, sichtbare Zentrale. Und wie toll ist es, dass wir einen Mann an der Spitze haben, mit dem sich viele identifizieren können?

Die Fragen stellte Annette Langer



insgesamt 3 Beiträge
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günter1934 12.03.2014
1. Masterplan
Ich denke, ein Wort zum Limburger Problem würde wenigstens mal die Richtung zeigen!
udo46 12.03.2014
2. joviale Fassade
Das ist auch so einer, der hinter seiner jovialen Fassade den innerlichen hardliner vergessen lassen soll.
tatsache2011 14.03.2014
3. Ursachen ?
Zitat von sysopDPADie deutschen Bischöfe haben Reinhard Max zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Im Interview spricht der Münchner Kardinal über Kontaktfreude, den Einfluss des Vatikans und die Verunsicherung in der Kirche. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/kardinal-marx-ich-habe-noch-keinen-masterplan-a-958341.html
Woher kommt die Verunsicherung? Wer hat sie verursacht? > ... nach 2000 Jahren ?
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