Karfreitagspredigten zum Missbrauchsskandal "Die Täter verraten das Evangelium"

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche beherrschte die Predigten am Karfreitag. Bischof Kardinal Lehmann warf den Tätern Verrat vor, sein Kollege Zollitsch rügte die langjährige Untätigkeit der Kleriker: Man habe Opfern zu wenig geholfen - "aus falsch verstandener Sorge ums Ansehen".

Kardinal Karl Lehmann (Archiv): "Von der Treulosigkeit unter Menschen"
dpa

Kardinal Karl Lehmann (Archiv): "Von der Treulosigkeit unter Menschen"


Mainz - Am Karfreitag haben katholische Priester klare Worte hinsichtlich des Missbrauchsskandals gefunden. Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann verurteilte die Täter in seiner Predigt scharf: "Sie schwächen und verraten das Evangelium Jesu Christi, der gerade die Kinder in die Mitte stellte", sagte er laut eines vorab verbreiteten Manuskripts.

Es gebe Verrat aber nicht nur in der Kirche, sondern in allen Bereichen des Lebens, so Lehmann: "Von der Treulosigkeit unter Menschen bis zur Wirtschaftskriminalität". Darum sei es nicht zu weit hergeholt, wenn man die Täter schwerer Vergehen benenne. "Ich denke dabei nicht nur an diejenigen, die sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, aber sie gehören dazu."

Bischof Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, forderte eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien. "Wenn es einen Missbrauchsfall gibt, muss ein forensisches Gutachten über den Täter erstellt werden, egal, ob der Fall verjährt ist oder nicht. Das müssen wir unbedingt in die Leitlinien der Bischofskonferenz aufnehmen", sagte er dem "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe).

Zurückhaltender äußerte sich Ackermann zu der Frage, ob in jedem Fall eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft gehen müsse. Er selbst rate zur Vorsicht. Ein Prozess könne zu belastend für die Opfer werden. Um deren Interessen aber müsse es jetzt vor allem gehen. Gleichzeitig betonte der Trierer Bischof, die Kirche beanspruche keinen Rechtsraum für sich, "der mit der staatlichen Rechtsprechung konkurrieren würde."

Er widersprach der Auffassung, der freiere Umgang mit der Sexualität nach 1968 sei für den Missbrauch verantwortlich. Dies hatte der Augsburger Bischof Walter Mixa behauptet. Ackermann sagte dagegen, die ans Licht gekommenen Taten reichten bis in die fünfziger Jahre zurück: "Für den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen können wir die sexuelle Revolution nicht verantwortlich machen. Verantwortlich sind die Täter", sagte Ackermann.

"Die Wunden derer, die sexuell misshandelt wurden"

Der Trierer Bischof stellte das Thema seelische Wunden in den Mittelpunkt seiner Karfreitagspredigt. "Wie viele Wunden dieser Art wurden uns, der Kirche und der ganzen Gesellschaft, in den letzten Wochen gezeigt", sagte er laut der vorab verbreiteten Predigt. Wunden, von denen die Betroffenen gedacht hätten, sie seien nach Jahrzehnten, wenn nicht wirklich geheilt, so doch wenigstens vernarbt. "Sie mussten schmerzlich feststellen, dass sie nur allzu leicht wieder aufbrechen: die Wunden derer, die sexuell misshandelt wurden."

Am Freitagmorgen hatte bereits der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Fehler der katholischen Kirche beim Umgang mit Missbrauchsopfern eingeräumt: "Durch die Enttäuschung über das schmerzliche Versagen der Täter und aus falsch verstandener Sorge um das Ansehen der Kirche" sei "der helfende Blick für die Opfer" in der Vergangenheit nicht genügend gegeben gewesen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. "Das ist eine leidvolle Realität, der wir uns stellen müssen", hieß es in einer Mitteilung Zollitschs, die das Erzbistum am Freitagmorgen veröffentlichte.

Papst Benedikt XVI. ging in seinen Osteransprachen dagegen zunächst nicht auf die Krise wegen der Missbrauchsfälle ein. Er rief jedoch die Priester am Gründonnerstag auf, "in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Menschen des Friedens zu sein, der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen".

Die katholische Kirche in Deutschland wird derzeit von einem Skandal über Misshandlungs- und Missbrauchsfälle in ihren Kinder- und Jugendeinrichtungen erschüttert, die meist über Jahrzehnte verschwiegen worden waren. Zuletzt erhoben sechs ehemalige Heimkinder Prügelvorwürfe gegen Bischof Mixa. Dieser wies die Anschuldigungen zurück, bot den ehemaligen Zöglingen des Kinderheims St. Josef in Schrobenhausen aber ein Gespräch an. Zwei von ihnen lehnten bereits ab - Mixa solle erst seine Schuld eingestehen.

In den Karfreitagsgottesdiensten sollte in vielen Bistümern eine besondere Fürbitte für die Missbrauchsopfer gesprochen werden. Den Text hatte Ackermann vorgeschlagen. Darin wird unter anderem für die Kinder und Jugendlichen gebetet, denen "in der Gemeinschaft der Kirche großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden".

hut/dpa/ddp/AFP

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Seite 1
Güllu, 01.04.2010
1.
Entschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Markus Heid, 01.04.2010
2.
Zitat von GülluEntschuldigen und was dann? Ratzinger wußte als Präfekt der Glaubenskommission über alle Fälle, die ihm gemeldet werden mussten, bestens Bescheid. Und es passierte nichts. Nicht umsonst droht ihm eine Klage in den USA. Das könnte zur Folge haben, dass er die USA nicht mehr betreten kann. Es könnte eine Festnahme drohen.
Jupp, und die Anwälte des Vatikans haben sich schon eine Verteidigungsstrategie zurechtgelegt: Der Papst genießt als Staatsoberhaupt (eines diktatorischen Theokratie) natürlich Immunität. Und US-Bischöfe sind in Wahrheit keine Angestellte der katholischen Kirche. Was mich aber mehr verwundert, ist, dass der Papst überhaupt Anwälte notwendig hat. Der hat doch angeblich so einen guten Draht nach oben und Anwälte werden doch generell eher mit dem Ewigen Widersacher in Verbindung gebracht.
kyon 01.04.2010
3. Nanoeffekt
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Zu abgehoben, zu entrueckt! Sich fuer unfehlbar haltende Leute halten Vorwuerfe aus der normal-menschlichen Zeit wahrscheinlich fuer eine Zumutung,die an ihnen abperlen wie bei einem Nanoeffekt! Also keine Chance!
Fassungsloser 01.04.2010
4. Jaja
Der Papst sollte barfuß nach Hamburg reisen und sich dort in den Staub werfen... Nächste Frage: Sollten Journalisten lernen, zwischen Religion und Politik unterscheiden zu lernen?
Klo, 01.04.2010
5. Unahltbar
Zitat von sysopIm Zuge der Missbrauchs-Debatte gerät auch Papst Benedikt XVI. verstärkt in die Kritik. Sein Umgang mit den Vorwürfen ist dabei heftig umstritten. Sollte der Papst nach den schweren Vorwürfen zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen?
Wenn er noch einen Funken Ehre besitzt, dann entschuldigt er sich für alle Taten im Namen der Kirche und tritt dann von seinem Amt zurück, um sich in eine Einsiedelei in den Abruzzen zurückzuziehen. Alles andere ist nicht zielführend. Als Papst ist er nicht mehr haltbar.
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