Protest in Münster Tumulte bei Katholikentagsdebatte mit AfD-Politiker

Der Katholikentag lud AfD-Mann Volker Münz zum Gespräch. Die Podiumsdiskussion mit dem umstrittenen Gast hat unter lautem Protest stattgefunden - und lief teilweise aus dem Ruder.

Protest während der Podiumsdiskussion
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Protest während der Podiumsdiskussion


Bereits bei der Vorstellung des Bundestagsabgeordneten Volker Münz rannten Aktivisten in der Messehalle nach vorn - und hielten ein Plakat mit der Aufschrift "Suche Frieden - nicht die AfD - für eine antifaschistische Kirche" hoch. Auf dem Katholikentag hat die Podiumsdiskussion mit dem AfD-Politiker heftigen Protest ausgelöst. Es gab Wortgefechte und laute Zwischenrufe.

Der Moderator rief die Demonstranten dazu auf, den Raum zu verlassen oder die Veranstaltung auf ihren Plätzen zu verfolgen. Erst wenig später konnte die Diskussion fortgesetzt werden. Insgesamt herrschte bei der schon vorher umstrittenen Veranstaltung - der einzigen offiziellen mit einem AfD-Politiker beim 101. Katholikentag - eine äußerst angespannte Atmosphäre.

Immer wieder wurden einzelne Politiker oder Moderator Thomas Arnold aus Dresden auf der Bühne von Zwischenrufen unterbrochen. Der Theologe hatte die Diskussion zuvor mit den Worten verteidigt: "Ich rede nicht mit Rechtspopulisten, sondern mit Menschen."

Mit umstrittenen Aussagen erfuhr Münz dabei nun sowohl lautstarke Ablehnung als auch Zustimmung aus Teilen des Publikums. Vertreter von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP griffen ihn bei der Diskussionsrunde "Kirche und Religion in Staat und Gesellschaft" scharf an.

Münz sagte, er wolle sich nicht alle Aussagen der AfD-Rechtsaußen Björn Höcke oder André Poggenburg zu eigen machen. Er könne nicht "für alle Menschen in meiner Partei den Kopf hinhalten". Die AfD vertrete ein christliches Menschenbild. Zum Umgang mit Flüchtlingen sagte Münz: "Wenn es darum geht, Menschen zu helfen, dann müssen wir verantwortungsethisch handeln und nicht gesinnungsethisch."

Münz macht etablierte Parteien für Anschläge verantwortlich

Poggenburg hatte in einer Rede die in Deutschland lebenden Türken unter anderem pauschal als "Kameltreiber" verunglimpft. Höcke hatte im Vorjahr bei weiten Teilen der Bevölkerung für Empörung gesorgt, als er unter anderem mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem "Denkmal der Schande" sprach.

Demonstranten auf dem Katholikentag
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Demonstranten auf dem Katholikentag

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz beklagte eine "gesellschaftliche Rechtsentwicklung" in Deutschland, die auch mit der AfD zu tun habe. Die AfD dulde Rechtsausleger wie Höcke und Poggenburg in ihren Reihen. "Es ist absolut absurd, sich als der Wolf im Schafspelz hier hinzustellen, als wenn Sie mit all dem nichts zu tun hätten."

Hunderte demonstrieren gegen AfD-Auftritt

Münz warf den anderen Parteien vor, "für Anschläge, Messerstechereien und Vergewaltigungen" mitverantwortlich zu sein, die von Flüchtlingen begangen worden seien. Union, SPD, Grüne, Linke und FDP hätten alle "in irgendeiner Form" in Regierungsverantwortung in den Bundesländern und im Bund. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Hirte entgegnete, es sei "unchristlich", alle pauschal abzuwerten. Die SPD-Politikerin Kerstin Griese warf der AfD vor, Probleme immer nur zu beschreiben, zu schüren oder zu verschärfen, anstatt über Lösungen zu reden.

Um die Mittagzeit hatten Hunderte Menschen in Münster gegen die Teilnahme der AfD am Katholikentag protestiert. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hatte die Diskussion im Vorfeld verteidigt. Eine Ausladung "böte der Partei nur die Chance, sich als Märtyrer zu inszenieren".

apr/dpa



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