Tagung in Würzburg: Katholische Bischöfe fordern Verbot organisierter Sterbehilfe

Für die katholische Kirche ist klar: Das Leben jedes Menschen ist unbedingt zu schützen. Deshalb haben sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz entschieden gegen organisierte Sterbehilfe ausgesprochen.

Würzburg - Die katholischen Bischöfe in Deutschland machen sich für ein gesetzliches Verbot der organisierten Sterbehilfe stark. Das Leben eines jeden Menschen, gerade auch des hilfsbedürftigen, alten, kranken und verzweifelten, sei unbedingt zu schützen. Das teilte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz, der in Würzburg tagte, in einer Erklärung mit.

Die Sorge um eine menschenwürdige Sterbebegleitung habe aber eine hohe Bedeutung, heißt es in der Stellungnahme. Es sei wichtig, dass alte und kranke Menschen fürsorglich begleitet würden. Der Wunsch zu sterben entstehe oft erst in Einsamkeit und Verzweiflung. Der Ständige Rat dringt daher auf eine Ausweitung der Hospizangebote und eine Verbesserung der Palliativmedizin.

Die evangelische Kirche hatte bereits Ende vergangener Woche bekräftigt, sich weiter gegen Sterbehilfe auszusprechen. Aus christlicher Sicht sei eine Selbsttötung grundsätzlich abzulehnen, sagte der Chef der evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider. Insbesondere in Grenzsituationen sei die Kirche dem Schutz des menschlichen Lebens verpflichtet. Menschen in ausweglosen Situationen müsse die Kirche seelsorgerische Begleitung und Trost bieten.

Die Forderungen der Kirchen könnten bald Gesetz werden. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) plant, jede Form der organisierten Hilfe zur Selbsttötung zu verbieten. Eine repräsentative Umfrage hatte ergeben: Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland befürworten Sterbehilfe.

wit/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Wenn Heuchelei tödlich wäre, müsste man Pfaffen beim Sterben nicht helfen
cassandros 27.01.2014
Zitat von sysopDeshalb haben sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz entschieden gegen organisierte Sterbehilfe ausgesprochen.
Schon wieder eine ungerechtfertigte Einmischung dieser Filialleiter der römischen Geldwäscherei in Dinge, die sie nichts angehen. Ob ich oder sonstwer sich beim Sterben helfen lässt, geht einen Bischof einen Sch.... an. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich gegen organisierte Sterbehilfe ausgesprochen. Und sogar entschieden! Bravo! Und zur gleichen Zeit lungern in den Bundeswehrkasernen und in Afghanistan "Feldgeistliche" herum, die die Berufstotschläger bei ihrem blutigen Tagwerk segnen. Schweigt, ihr Psychotiker!
2. Grund?
mczeljk 27.01.2014
Ich sehe immer noch keine Begründung dafür, dass man jeden am Leben erhalten müsse! Warum sollte man ein Leiden möglichst verlängern? Wenn ein Todkranker den Wunsch auf ein würdevolles Sterben äußert, warum sollte man ihm diesen Wunsch verwehren? Ich lese von den Herren "Geistlichen" wieder nur Forderungen ohne Begründung
3. O.k.
nimue11 27.01.2014
Zitat von sysopFür die katholische Kirche ist klar: Das Leben jedes Menschen ist unbedingt zu schützen. Deshalb haben sich Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz entschieden gegen organisierte Sterbehilfe ausgesprochen. Katholische Kirche: Bischöfe fordern Verbot organisierter Sterbehilfe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-bischoefe-fordern-verbot-organisierter-sterbehilfe-a-945804.html)
Ich unterstütze den Antrag, weil diese Organisationen einfach zu teuer sind und damit nur für 'Betuchte' in Frage kommen, die überhaupt wissen, wie man so etwas handhabt. Allerdings bestehe ich im Gegenzug darauf, dass Pentobarbital o.Ä. an erwachsene alte und kranke Menschen auf Wunsch ausgegeben wird. Die Kirchen werden das, was sie wünschenswert finden, nämlich nicht einrichten. Liebevolle Fürsorge wird ein Ausnahmezustand bleiben, fürchte ich. Und selbst wenn - was unerträglich ist, kann allein der Betroffene entscheiden.
4. Gott hat Sterbehilfe möglich gemacht
BettyB. 27.01.2014
Wieso wollen die Talarträger es verbieten? Haben die Angst, dass jemand vorzeitig aus der Kirchensteuer ausscheidet? Und Nichtkirchenmitgliedern wollen sie doch wohl hoffentlich nichts verbieten wollen, oder?
5. Foltern?
fin2010 27.01.2014
Zitat: Menschen in ausweglosen Situationen müsse die Kirche seelsorgerische Begleitung und Trost bieten. Schön soweit. Kann aber auch bedeuten: zum Leiden zwingen. Sowas nennt man wohl auch Folter. Na ja, hat ja Tradition bei den Christen ... Inquisition.
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Arten der Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe nennt man Maßnahmen, die gezielt den Tod des Patienten herbeiführen sollen. Meist geschieht dies durch die Verabreichung eines tödlichen Medikaments, zum Beispiel einer Überdosis von Schmerz- oder Beruhigungsmitteln. Aktive Sterbehilfe ist nur in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg legal. Voraussetzung ist die tatsächliche oder mutmaßliche Einwilligung des Patienten. Liegt sie nicht vor, kann die tödliche Maßnahme als Totschlag oder Mord gewertet werden.
Passive Sterbehilfe
Unter passiver Sterbehilfe versteht man das Unterlassen oder Beenden lebensverlängernder Maßnahmen. Wird zum Beispiel ein Patient nur mit Hilfe einer künstlichen Lunge am Leben gehalten und schaltet der Arzt diese ab, begeht er passive Sterbehilfe. Entscheidend ist dabei der Wunsch des Patienten.
Indirekte Sterbehilfe
Als indirekte Sterbehilfe gilt, wenn ein Arzt den vorgezogenen Tod eines Patienten in Kauf nimmt - etwa als Nebenwirkung von Medikamenten. Ein Beispiel ist die regelmäßige Gabe von Morphin als Schmerztherapie im Endstadium einer Krebserkrankung. Die Grenze zur aktiven Sterbehilfe verschwimmt hier allerdings.
Beihilfe zum Suizid
Die Beihilfe zur Selbsttötung ist in Deutschland straflos. Sie liegt etwa vor, wenn ein Arzt einem Patienten, der sein Leben beenden will, eine tödliche Dosis eines Medikaments verschreibt. Ein anwesender Sterbehelfer wäre allerdings zur Rettung des Patienten verpflichtet.

Die Regelungen zur Sterbehilfe in Deutschland
Indirekte aktive Sterbehilfe
Beim Thema Sterbehilfe wird generell zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe sowie Beihilfe zur Selbsttötung unterschieden. Eine direkte, aktive Tötung, etwa mit einer Giftspritze, ist auch auf Verlangen strafbar. Erlaubt ist allerdings eine indirekte aktive Sterbehilfe: etwa der Einsatz von Medikamenten, deren Nebenwirkungen die Lebensdauer herabsetzen können. Die aktive Lebensverkürzung wird dabei als ungewollte, aber unvermeidbare Nebenwirkung billigend in Kauf genommen.
Passive Sterbehilfe
Unter passiver Sterbehilfe verstehen Juristen das "Zulassen des natürlichen Sterbens": Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Beatmung oder künstliche Ernährung unterlassen oder beendet. Auch eine Sterbebegleitung in Form von Beistand, Seelsorge und schmerzstillender Palliativmedizin gilt als passive Sterbehilfe.
Patientenwille
Wichtig ist es bei der passiven wie auch der indirekten aktiven Sterbehilfe, den Willen des Patienten zu kennen. Denn - vereinfacht gesagt - ist hier fast alles erlaubt, wenn es dem Willen des Patienten dient. Umgekehrt kann das passive Sterbenlassen eines Hundertjährigen eine Tötung sein, wenn dieser leben will.
Patientenverfügungen
Die neue gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung (Drittes Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts) wurde im Juni 2009 nach sechsjähriger Debatte vom Bundestag verabschiedet. Danach sind schriftliche Patientenverfügungen für Ärzte und Angehörige verbindlich, unabhängig vom Krankheitsstadium. Das heißt, dass die Verfügung auch befolgt werden muss, wenn der Kranke noch nicht die Sterbephase erreicht hat. Fordert der Patient die Einstellung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen, muss der Arzt dies umsetzen.
Beihilfe zum Suizid
Problematisch wird es bei der Beihilfe zur Selbsttötung. Das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht gibt jedem das Recht, aber nicht die Pflicht zu leben. Da somit in Deutschland eine Selbsttötung straffrei ist, ist auch die Beihilfe zur Selbsttötung straffrei, wenn sie vor der Tötung stattfindet - also ein Helfer dem Sterbewilligen etwa ein Glas mit Gift hinstellt, das dieser dann selbständig austrinkt.

Im Gegensatz zum Strafrecht verbietet das Standesrecht den Ärzten in Deutschland jedoch die Beihilfe zum Suizid. So dürfen die dafür geeigneten Wirkstoffe für diesen Zweck nicht verordnet werden, es handelt sich deshalb unter Umständen um einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Bundesärztekammer hatte außerdem bereits vor einiger Zeit erklärt, dass es sich bei einem ärztlich assistierten Suizid aus ihrer Sicht um Tötung auf Verlangen handele. Diese wird laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren geahndet (Paragraf 216, StGB).