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Katholische Kirche: Erzbischof stellt Priester-Zölibat in Frage

Kritik am Zölibat aus höchsten Kirchenkreisen: Der Bamberger Erzbischof Schick fordert im Gespräch mit dem SPIEGEL eine Diskussion über das Ende der Enthaltsamkeit für Priester. Unterdessen steht die Ablösung des Augsburger Bischofs Walter Mixa von seinem Amt offenbar unmittelbar bevor.

Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: "Die Kirche insgesamt muss offener werden" Zur Großansicht
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Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: "Die Kirche insgesamt muss offener werden"

Augsburg/München - In der Debatte um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche kommt immer wieder auch der Zölibat ins Spiel: Ist die verordnete Enthaltsamkeit für Priester einer der Gründe für die in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Fälle? Jetzt fordert ein hoher Würdenträger eine Diskussion über den Zölibat: "Ich wäre dafür, dass man darüber nachdenkt", sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick im Gespräch mit dem SPIEGEL. Sein Vorschlag: Nur Bischöfe, Ordensleute und Domkapitulare sollten sich zur Ehelosigkeit verpflichten.

Als Lehre aus dem Missbrauchskandal verlangt Schick generell einen Kurswechsel im Klerus: "Die Kirche insgesamt muss offener werden." Dazu gehöre mehr Verantwortung für die Laien. "Sie müssen von den Amtsträgern mehr einbezogen und gehört werden. Und sie müssen mehr in Entscheidungsgremien mitwirken", sagt Schick, "da muss in den Bistumsleitungen und sicherlich auch auf Weltkirchenebene mehr geschehen." Auch sollten "Frauen mehr in der Kirche mitwirken, und zwar in der Pastorale als Gemeindereferentinnen und Pastoralreferentinnen - aber auch in unseren Leitungsgremien".

Schick, der sich als katholischer 68er versteht, rät besonders seinen konservativen Amtsbrüdern zum Kurswechsel. "Es hat in der Kirche auch Rückschritte gegeben. Es gab Verfestigungen und Verkrustungen, Angst vor der bösen Welt." Konservativen und Liberalen in der Kirche sei es "in den letzten Jahren nicht gelungen, gut im Dialog zu sein. Den Dialog müssen wir wiederaufnehmen".

Entscheidung des Vatikans über Mixa steht bevor

Unterdessen wird mit Spannung das weitere Vorgehen des Vatikans im Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa erwartet. Nach Medienberichten hat Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsangebot angenommen, das Mixa am 21. April eingereicht hatte. Eine Bestätigung aus Rom gab es dafür zunächst nicht. Den Berichten zufolge will der Vatikan die Entscheidung am Samstagmittag bekanntgeben. Mixa hatte nach wochenlanger Kritik um eine Prügel- und Finanzaffäre seinen Rücktritt angeboten. Am Freitag waren zusätzlich Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den Augsburger Oberhirten bekannt geworden.

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Ausgburger Bischof: Die Verfehlungen des Walter Mixa
Unmittelbar nach einer Annahme des Rücktritts muss das Augsburger Domkapitel zusammentreten und einen sogenannten Diözesan-Administrator aus seinen Reihen wählen, der das Bistum bis zur Ernennung eines neuen Bischofs leitet. Als aussichtsreicher Kandidat wird Weihbischof Anton Losinger gehandelt. Gleichzeitig verlieren dann nach dem Kirchenrecht der Priesterrat und Generalvikar Karlheinz Knebel automatisch ihre Funktionen, da sie unmittelbar dem Bischof unterstellt sind. Erfahrungsgemäß dauert die Neubesetzung eines Bischofsstuhls rund ein Jahr.

Die Ingolstädter Staatsanwaltschaft hatte Vorermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen gegen Mixa aufgenommen. Inzwischen sind weitere belastende Details bekannt geworden. Nach Informationen des SPIEGEL soll der 69-Jährige in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt häufig junge Seminaristen des Priesterseminars "Collegium Willibaldinum" mit in seine Privaträume im Bischofshaus eingeladen und mit ihnen gemeinsame Saunabesuche unternommen haben.

Mixa, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war und über seinen Augsburger Anwalt die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurückweisen ließ, soll, so heißt es in Kirchenkreisen, homosexuelle Neigungen gehabt haben. In der Szene wurde über seinen Spitznamen "Monsi" - abgeleitet von Monsignore - gespottet.

Schon seit längerem hatte im Kirchenmilieu darüber Verwunderung geherrscht, wie es Mixa gelang, auffallend viele junge Männer in seine Priesterseminare zu locken, selbst solche, die in anderen Bistümern als ungeeignet abgelehnt worden waren. Mixa, von 1996 bis 2005 Bischof in Eichstätt, hatte in öffentlichen Appellen jungen Seminaristen geraten, "auf sexuelle Kontakte, sei es mit Andersgeschlechtlichen oder Gleichgeschlechtlichen, zu verzichten".

Überdies hatte Mixa wiederholt die Lesben- und Schwulenparade "Christopher Street Day" und Lebensgemeinschaften von Schwulen und Lesben kritisiert. Mixas mögliche sexuelle Verfehlungen sollen vorvergangene Woche bereits beim Gespräch zwischen dem Papst und drei ranghohen deutschen Kirchenvertretern in Rom eine Rolle gespielt haben, da man innerhalb der Augsburger Kirche offenbar schon länger darüber Bescheid wusste.

mbe/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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1. Und in der Praxis?
micwil 08.05.2010
Zitat von sysopKritik am Zölibat aus höchsten Kirchenkreisen: Der Bamberger Erzbischof Schick fordert im Gespräch mit dem SPIEGEL eine Diskussion über das Ende der Enthaltsamkeit für Priester. Unterdessen steht die Ablösung des Augsburger Bischofs Walter Mixa von seinem Amt offenbar unmittelbar bevor. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,693743,00.html
Heißt das, ein Priester, der z. B. zum Bischof befördert werden will, muss sich vorher scheiden lassen?
2. ...
Fassungsloser 08.05.2010
Zitat von sysopKritik am Zölibat aus höchsten Kirchenkreisen: Der Bamberger Erzbischof Schick fordert im Gespräch mit dem SPIEGEL eine Diskussion über das Ende der Enthaltsamkeit für Priester. Unterdessen steht die Ablösung des Augsburger Bischofs Walter Mixa von seinem Amt offenbar unmittelbar bevor. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,693743,00.html
Äh ja. Liest der Herr Erzbischof eigentlich auch gelegentlich mal Zeitung oder schaut fern? Diese Diskussion läuft doch längst. Seit Jahren schon. Von einem Bischof würde ich mir auch etwas andere Töne wünschen. Eine Beschränkung der Ehelosigkeit auf Bischöfe und Ordensleute ist ja noch einem Vorbild zu entnehmen, beispielsweise dem der Orthodoxen. Wieso aber auch Domkapitulare? Was unterscheidet einen Domkapitular von einem Pfarrer? Das ist völlig unlogisch und offenbar von anderen - sachfremden - Überlegungen geleitet. Das System ist abzulehnen: Eine Karriere sollte nicht davon abhängen, dass der Betreffende ehelos geblieben ist. In der Kirche gibt es viele Baustellen, Kirchenaustritte, kaum noch spirituelles Leben, kaum noch Gottesdienstbesuch, da fragt man sich wirklich, warum Bischöfe auf solche Aktionen setzen. Ein Ende des Zölibats nutzt der Kirche überhaupt nichts. Keiner wird in die Kirche zurückkehren, nur weil Priester heiraten dürfen. Kümmern Sie sich lieber um die echten Probleme, Herr Erzbischof.
3. WofÜr
Bluecharly 08.05.2010
brauchen wir überhaupt die Kirche. Egal welche? Je mehr ich über Zustände in den Kirchen höre und lese, umso mehr stellt sich mir die Frage, wofür wir die Kirche (n) brauchen. Oh ja, ich sehe jetzt schon die Schreiber, die mit Nächstenliebe und Hilfe für die Schwachen kommen. Brauche ich für Nächstenliebe eine Kirche? Nein!!! Wie oft wurden Starke durch die Kirche zu Schwachen gemacht. Immer dann wenn auf Teufel komm raus missioniert wurde. Wir sollten die Notwendigkeiot der Kirchen diskutieren und nicht mehr einzelne Veränderungen, die sowieso Jahre dauern bis zur Umsetzung.
4. Seelendoktor
toskana2 08.05.2010
Zitat von sysopKritik am Zölibat aus höchsten Kirchenkreisen: Der Bamberger Erzbischof Schick fordert im Gespräch mit dem SPIEGEL eine Diskussion über das Ende der Enthaltsamkeit für Priester. Unterdessen steht die Ablösung des Augsburger Bischofs Walter Mixa von seinem Amt offenbar unmittelbar bevor. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,693743,00.html
Wer glaubt, die Aufhebung des Zölibats würde die Probleme der Kirche mit Päderasten und sonstigen Perverslingen lösen, der suche einen Seelendoktor auf! Es sei erinnert an das Eliteinternat Odenwaldschule. Mit ihren "Sex-Diensten" brachten es die dortigen Pädagogen noch weiter als die Katholen - ohne Zölibatzwang!
5. ...
Fassungsloser 08.05.2010
Zitat von Bluecharlybrauchen wir überhaupt die Kirche. Egal welche? Je mehr ich über Zustände in den Kirchen höre und lese, umso mehr stellt sich mir die Frage, wofür wir die Kirche (n) brauchen. Oh ja, ich sehe jetzt schon die Schreiber, die mit Nächstenliebe und Hilfe für die Schwachen kommen. Brauche ich für Nächstenliebe eine Kirche? Nein!!! Wie oft wurden Starke durch die Kirche zu Schwachen gemacht. Immer dann wenn auf Teufel komm raus missioniert wurde. Wir sollten die Notwendigkeiot der Kirchen diskutieren und nicht mehr einzelne Veränderungen, die sowieso Jahre dauern bis zur Umsetzung.
Warum wollen Sie bestimmen, was ich brauche oder nicht brauche? Wenn Sie keine Kirche brauchen, ist das Ihr gutes Recht. Mein Recht ist es, das für mich anders zu sehen. Sie wiederum haben kein Recht, mir das zu bestreiten.
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Mixas Ausfälle
Rechter Rhetoriker
Walter Mixa , der Regensburger Bischof Gerhard Müller und der Kölner Kardinal Joachim Meisner bilden die Hardliner-Fraktion in der Deutschen Bischofskonferenz . Mixa spielte seit Jahren die Rolle des Enfant Terrible. mehr...

SPIEGEL ONLINE dokumentiert seine umstrittensten Thesen:
Sexuelle Revolution und Missbrauch
Im Februar gab Mixa der sexuellen Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig." Und weiter: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt." mehr zu diesem Fall...
Nazis und Atheismus
In seiner Osterpredigt 2009 stellte Mixa die Massenmorde des Nationalsozialismus und Kommunismus in Beziehung zum Atheismus. Eine Gesellschaft ohne Gott sei "die Hölle auf Erden", sagte er. Und weiter: "Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen." mehr zu diesem Fall...
Holocaust und Abtreibung
Zum Aschermittwoch 2009 soll Mixa einem Zeitungsbericht zufolge gesagt haben: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten." Der Augsburger Bischof habe zur geschätzten Zahl von Abtreibungsfällen gesagt: "Diese neun Millionen fehlen uns." mehr zu diesem Fall...
Bibelkunde im Biounterricht
Im Sommer 2007 forderte Mixa indirekt Bibelkunde im Biologieunterricht. In den Schulen sei bisher eine "Fixierung auf die Evolutionstheorie" üblich. Sich auf eine einzige Erklärung festzulegen, habe aber "etwas Totalitäres und ist auch und gerade aus der Sicht der Wissenschaft unvernünftig". Es gebe keinen Absolutheitsanspruch der Evolutionstheorie. mehr zu diesem Fall...
Mütter als Gebärmaschinen
Das Leitbild, dass Frauen ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf zurückkehren sollten, bezeichnete Mixa 2007 als inhuman und "gegen die Würde der Frau". Mütter würden so zu "Gebärmaschinen" degradiert. mehr zu diesem Fall...

Chronik
31. März 2010
Mixa soll vor mehr als 30 Jahren als Stadtpfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen in einem Kinderheim Mädchen und Jungen geschlagen haben. Fünf ehemalige Heimkinder behaupteten in eidesstattlichen Erklärungen, Mixa habe sie als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 70er und 80er Jahren mehrmals geschlagen. Das Bistum Augsburg dementierte die Vorwürfe und beteuerte, Mixa habe zu "keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder oder Jugendliche angewendet". Mixa weist die Vorwürfe zurück.
1. April 2010
Mixa bietet den ehemaligen Zöglingen des Heimes ein Gespräch an und erklärt: "Ich versichere nochmals, dass ich zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt habe." Die Laienorganisation "Wir sind Kirche" fordert ihn auf, sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen.
2. April 2010
Die Betroffenen erklären, sie wollten nicht mit dem Bischof reden, solange dieser Prügel-Attacken abstreite.
4. April 2010
Mixa versichert in einem Interview der "Welt am Sonntag", er habe "ein reines Herz". Gewalt und Priestertum seien mit dem Glauben unvereinbar.
7. April 2010
Das Kuratorium der Waisenhausstiftung in Schrobenhausen setzt einen Rechtsanwalt als Sonderermittler ein.
10. April 2010
Die "Augsburger Allgemeine" berichtet über angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Kinderheim in Schrobenhausen: Mixa solle Geld der Waisenhausstiftung Schrobenhausen wiederholt "nicht zweckmäßig" verwendet haben.
12. April 2010
Mixa räumt Versäumnisse im Umgang mit Geld der Waisenhausstiftung ein. Als Seelsorger habe er sich "nicht akribisch um finanztechnische Fragen gekümmert" und dies immer anderen überlassen, die mehr davon verstünden. Das sei "wahrscheinlich ein Fehler" gewesen, den er einräume "und im Nachhinein auch bedauere". Die "Unklarheiten" seien aber im Jahr 2000 bereinigt worden.
16. April 2010
Bischof Mixa räumt überraschend mögliche Ohrfeigen gegen Kinder ein: "Die ein oder andere Watschen kann ich nicht ausschließen." Schwere körperliche Züchtigungen bestreitet er aber weiterhin.
17. April 2010
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, fordert von Mixa eine Aufklärung der Vorwürfe.
19. April 2010
Mixa bedauert eigenes Fehlverhalten: "Es tut mir im Herzen weh und leid, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung", sagt er bei einer Sitzung des Priesterrats seiner Diözese. Das Gremium fordert eine lückenlose Aufklärung, eine Solidaritätserklärung mit ihrem Bischof geben die Priester nicht ab.
21. April 2010
Die Deutsche Bischofskonferenz rät Mixa öffentlich zu einer Amtspause. Zollitsch sagt, er habe wie auch der Münchner Erzbischof Reinhard Marx zusammen mit Mixa überlegt, ob "eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könnte". Noch am selben Abend unterzeichnet Mixa überraschend sein Rücktrittsgesuch an den Papst.
22. April 2010
Die Diözese bestätigt Mixas Rücktrittsgesuch offiziell und kündigt an, der Bischof werde sich bis zur Entscheidung des Papstes aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
29. April 2010
Benedikt XVI. empfängt im Vatikan Zollitsch, Marx und den Augsburger Weihbischof Anton Losinger zu einer Audienz. Im Mittelpunkt steht Mixas Rücktrittsgesuch.
7. Mai 2010
Nach Angaben des bayerischen Justizministeriums hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen gegen Mixa wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Es soll dabei um einen Fall aus Mixas Zeit als Bischof von Eichstätt 1996 bis 2005 gehen
8. Mai 2010
Walter Mixa verliert sein Bischofsamt. Papst Bendikt XVI. nimmt in Rom den Rücktritt Mixas an. Schwammige Begründung nach kanonischem Recht: Mixa muss wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" in den Ruhestand. Mixa ist damit auch nicht länger Militärbischof der Bundeswehr.
12. Juni 2010
Walter Mixa bezieht seine Wohnung im Augsburger Bischofspalais wieder, was in Augsburger Kirchenkreisen als Anmaßung empfunden wird. Als emeritierter Bischof hat Mixa kein Hausrecht mehr und muss sich die Erlaubnis des Diözesanadministrators Weihbischof Josef Grünwald einholen. Ob dies bereits erfolgte, ist unklar.
16. Juni 2010
Walter Mixa betont in einem Interview mit der "Welt", er habe seine Rücktrittserklärung vom April 2010 nicht selbst geschrieben. "Der Druck, unter dem ich die vorgefertigte Resignation unterschrieben habe, war wie ein Fegefeuer. Drei Tage später habe ich sie in einem Schreiben an den Papst widerrufen. Ich wusste in den Tagen weder ein noch aus."
20./21. Juni 2010
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und die "Süddeutsche Zeitung" berichten von einem rund drei Dutzend Seiten langen geheimen Dossier, das der päpstliche Nuntius in Berlin, Jean-Claude Perisset, am 27. April dem Vatikan übergeben haben soll. In der Akte werden schwere Vorwürfe gegen Walter Mixa erhoben. Zeugen sprechen darin offenbar von einem schweren Alkoholproblem des Klerikers und von sexuellen Übergriffen.
23. Juni 2010
Mixa verzichtet nun doch auf eine Rückkehr in sein Amt und stellt seinen Rücktritt nicht mehr in Frage. Er nimmt seine zuvor geäußerten Vorwürfe zurück, durch eine Intrige zum Amtsverzicht gedrängt worden zu sein. Außerdem verlässt Mixa seine Wohnung im Bischofshaus. Das Bistum Augsburg sucht ihm eine "vorübergehende" Unterkunft
22. Juli 2010
Das Augsburger Ordinariat bestätigt, dass Walter Mixa seinen Ruhestand im Franziskanerinnen-Kloster der Maria-Stern-Schwestern im Landkreis Donau-Ries verbringen wird. Als Ruhestandsgeld stehen ihm mehr als 5000 Euro brutto zur Verfügung. Mixa steht es frei, Aushilfen in der Seelsorge anzunehmen und Sakramente wie Firmungen zu spenden.

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