Katholische Kirche Erzbistum Freiburg ermittelt 185 Missbrauchsopfer

Das Erzbistum Freiburg hat eine Aufarbeitung über die Missbrauchsfälle in der Erzdiözese vorgelegt. Laut einer externen Studie gab es seit 1942 mehr als 180 Opfer. In den meisten Fällen kamen die Täter ungestraft davon.

Sie arbeitete im Auftrag des Bistums Freiburg die Missbrauchsvorwürfe auf: Rechtsanwältin Angelika Musella
DPA

Sie arbeitete im Auftrag des Bistums Freiburg die Missbrauchsvorwürfe auf: Rechtsanwältin Angelika Musella


Freiburg - Nach jahrelanger Debatte um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche hat die Diözese Freiburg konkrete Opferzahlen veröffentlicht. Für die Zeit von 1942 bis zum vergangenen Jahr seien 185 Opfer ermittelt worden, teilte das Erzbistum mit. Darunter seien 72 Heimkinder, die in kirchlichen Einrichtungen lebten. Ein Großteil der Übergriffe habe sich von 1960 bis 1990 ereignet. In 38 Fällen seien die Täter strafrechtlich verurteilt worden. Rund 130 Opfer habe die Kirche mittlerweile finanziell entschädigt.

Bei den Opfern handelt es sich laut einer vom Bistum in Auftrag gegebenen Studie oft um Kommunionkinder, Ministranten sowie Kinder aus "gut katholischen Elternhäusern". Die Vorfälle reichen demnach von verbalen, sexuell gefärbten Angriffen bis hin zu Vergewaltigungen. Die Opfer litten bis heute unter den Übergriffen, die Folge seien zum Beispiel Depressionen, Schlaf- und Beziehungsstörungen.

Von den insgesamt 119 Beschuldigten seien 23 mehrfach als Täter genannt worden, heißt es. Die meisten Fälle endeten jedoch ohne eine Verurteilung, weil sie verjährt oder nach Auffassung der zuständigen Staatsanwaltschaften nicht strafrechtlich relevant waren.

"Die meisten Opfer meldeten sich bei uns im Zuge der Diskussion um sexuellen Missbrauch im kirchlichen Raum ab dem Jahr 2010", sagte die Missbrauchsbeauftragte, Rechtsanwältin Angelika Musella, laut "Domradio.de". "Zugleich bin ich leider sicher, dass die Dunkelziffer erheblich höher liegt. In alten Personalakten gibt es nur selten Hinweise auf Missbrauchstaten durch Priester, ein Umdenken zu Transparenz und klarer Sanktionierung setzte erst 2002 ein, als die katholische Kirche einheitliche Leitlinien zum Umgang mit Missbrauch beschloss."

Inzwischen lässt die Deutsche Bischofskonferenz den 2010 publik gewordenen Missbrauchskandal bundesweit wissenschaftlich aufarbeiten.

hut/dpa



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