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Katholische Kirche: Diskret gegen Pegida

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Duisburger Pegida-Protest mit Kruzifix: Ausländerfeindlich im Namen Christi? Zur Großansicht
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Duisburger Pegida-Protest mit Kruzifix: Ausländerfeindlich im Namen Christi?

Was ist die Position der katholischen Kirche zu Pegida? Auch nach Predigtverboten für "Pegida-Pfarrer" und Mahnungen an Gemeinden fehlt ein klares Wort der Kirchenspitze. Immerhin: Sie zeigt Haltung.

Bisher gab es von Seiten der Kirche keinen Widerspruch gegen Felix Genn, Bischof von Münster, der einem seiner Pfarrer die Predigterlaubnis entzogen hat. Der Grund: Der im niederrheinischen Emmerich offenbar seit Längerem von Funktionen befreite und ruhiggestellte Paul Spätling war bei einer Pegida-Demonstration in Duisburg nicht nur mitgelaufen, sondern hatte dort in vollem Ornat auch flammende Reden geschwungen. Daraufhin verbot ihm der Bischof den Mund.

Laut Canon 764 des "Codex Iuris Canonici" ist es Spätling nun verboten, "innerhalb und außerhalb von Kirchen öffentlich im Namen der Kirche zu sprechen".

Salopp gesagt: Der Mann bekam einen Maulkorb, weil er dieses bei Pegida zu weit aufgerissen hatte. Und für das, was da geredet und gefordert werde, sei "in der katholischen Kirche kein Platz", so Genn.

So direkt hat sich bisher kaum ein kirchlicher Würdenträger von Pegida distanziert. Deutliche Worte fanden aber auch schon andere.

Katholische Kirche: Informelle Front gegen Pediga

Im Dezember sagte Heiner Koch, Bischof von Dresden, er erkenne in der Pegida-Bewegung einen "tiefen Ausdruck seelischer und religiöser Leere". Mitte Januar legte er nach: "Migranten haben hier (...) Platz und gehören zu uns. Von dieser Aussage können wir als Christen keinen Millimeter abweichen."

Damit stellte er sich hinter das Domkapitel Köln, das im Protest gegen eine Pegida-Demo die Beleuchtung der Kathedrale ausschalten ließ. Künftig will die Kirche mit einem Plakat an der Domwand Stellung beziehen: "Die Kirche verwirft jede Diskriminierung eines Menschen und jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht."

Geistliche, Ehrenamtliche und Angestellte der katholischen Kirche gehörten Anfang Januar zu den Mitveranstaltern der Demonstration "Münster gegen Pegida".

Das dortige Kolpingwerk ruft seine Mitglieder dazu auf, sich mit Flüchtlingen und Andersgläubigen zu solidarisieren: "Tut etwas für das friedliche Zusammenleben zwischen den Religionen bei euch zu Hause in den Städten und Gemeinden! Beteiligt Euch oder initiiert lokale Proteste, zeigt Flagge, ladet Menschen anderer Glaubensgemeinschaften zu euren Veranstaltungen ein."

Ende Dezember sagte Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK): "Wer wie Pegida Werte beschwört, aber gleichzeitig Menschen anderer religiöser Prägung ausgrenzt und abwertet, kann für Christen kein Partner sein."

Bischöfe und Geistliche, Angestellte aus Verwaltungsstrukturen, Ehrenamtliche aus Laienorganisationen - die Liste ließe sich fortführen: Es gibt jede Menge katholischen Widerstand gegen die Trends, für die Pegida steht. Und offensichtlich lässt man den Protest gegen die Fremdenfeindlichkeit auch gewähren.

Kein klares Wort von oben

Was fehlt, ist ein klares Wort aus der Spitze der Hierarchie: Offiziell hat die katholische Kirche nach wie vor nicht zu Pegida und Co. Stellung bezogen.

Genau das aber erwartet man von einer so ultra-hierarchischen Organisation. In Frage kommt da der Münchner Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der aber übt sich bisher in salbungsvoll-unbestimmt klingenden Stellungnahmen.

Anders als sein Chef in Rom. Papst Franziskus hatte in seinem programmatischen "Evangelium Gaudium" vorgegeben: "Wir Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen." Es ist eine Richtlinie, der auch Marx und seine Kollegen folgen.

Unklar ist hingegen die kirchliche Position gegenüber dem konkreten Phänomen Pegida, das die Kirche nicht als "Bewegung" verstehen will. Der "offizielle" Standpunkt bleibt undefiniert und unausgesprochen - Marx laviert, wenn eine Beurteilung gefragt ist.

Missverständliche Signale

So redet er nicht von Ausländerfeinden, wenn es um Pegida geht, sondern von "Verunsicherung, ja Verstörung". Er zeigt Verständnis, schickt aber stets Relativierendes hinterher: So werde leider mit "Vereinfachungen, Schuldzuweisungen, Verschwörungstheorien, politischen Ressentiments" über wichtige, die Menschen bewegende Themen gesprochen.

Marx' bisher deutlichstes Statement: Sein Bekenntnis zum interreligiösen Dialog. Der "Dialog der Liebe" im "ökumenischen Miteinander" könne verdeutlichen, wie man in einer offenen Gesellschaft miteinander umgehen könne. Andersgläubige dürften niemals der "Feind, den es zu verdrängen gilt", sein.

Das ist zumindest relativ konkret - aber vielleicht kann Marx auch gar nicht mehr liefern. Von Amts wegen ist er nicht Chef, sondern Sprecher einer Organisation, die nach eigener Auskunft "zum Studium und zur Förderung gemeinsamer pastoraler Aufgaben" dient.

Von einer Richtlinienkompetenz steht da nichts, und schon gar nicht durch den Vorsitzenden - "Entscheidungen" gibt es nur "gemeinsam". Und die gibt es bisher womöglich deshalb nicht, weil die Kirche versucht, Pegida nicht noch weiter aufzuwerten.

Also versucht Marx, mit Anstand zumindest die richtigen Signale zu geben. So versicherte er etwa Mitte Dezember, dass es "keine oberhirtliche Anweisung" gegen die Teilnahme an Pegida-Demonstrationen gebe. Es müsse aber jeder "überlegen, hinter welchen Transparenten er herläuft. Ich kann nur zu politischer Verantwortung aufrufen!"

Marx reagierte damit auf eine Predigt des Bamberger Bischofs Ludwig Schick. Der hatte am 18. Dezember beispiellos klar Position bezogen:

"Zurzeit gibt es in Deutschland ein Phänomen 'Pegida', das größere Demonstrationen zusammenbringt. Ohne Wenn und Aber lehne ich diese Bewegungen ab (...). Das ist alles nicht christlich. Jeder Christ muss ablehnen, was Spaltung in die Gesellschaft bringt und Ängste schürt."

Das, sagte Marx darauf, sei nicht mit ihm abgesprochen gewesen. Und ließ wieder ein Aber folgen: "Jeder Bischof kann für sich sprechen."

An den Taten sollt Ihr sie erkennen

Marx will den katholischen Widerspruch gegen Pegida und fremdenfeindliche Tendenzen nicht eindämmen, kann ihn aber auch nicht "anordnen". Und möglicherweise will er auch die Katholiken nicht vergrätzen, die dort mitmarschieren.

Denn natürlich gibt es auch in der katholischen Kirche eine rechtskonservative Strömung, die sich mit Begeisterung bei Pegida einbringt - Maulkorb-Pfarrer Spätling ist da nicht allein.

So berichtete auch der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff, nach dem Löschen der Dombeleuchtung als Zeichen gegen Pegida habe es wütende Proteste von Gläubigen gegeben und sogar Kirchenaustritte. Das aber, sagte er im Bistum-eigenen Radio, habe ihm gezeigt, "dass es richtig war, so zu handeln".

In Münster will man sich zurzeit weder zum aktuellen Fall noch generell weiter äußern. Von der Bischofskonferenz ist in dieser Sache kein Druck zu erwarten: "Die Jurisdiktion über Geistliche liegt immer beim Diözesenbischof und damit dem Bistum", heißt es dort auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Das hört sich nicht so an, als hätte da jemand etwas an Maulkörben für Pfarrer auszusetzen, die den falschen Demonstrationszügen hinterherlaufen.

Auch Fragen darüber, was man den Geistlichen zum Umgang mit Pegida sage, verweist die Bischofskonferenz an die einzelnen Bistümer. Aus denen dringen ja genügend klare Ansagen. Dompropst Feldhoff beendete seine Radio-Botschaft an die Katholiken im Bistum so: "Folgen Sie denen nicht!"

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
Indigo76 23.01.2015
Die Kirche reagiert genau richtig auf Pegida. Wenn diese "Bewegung" in den Medien nicht so eine große Bühne bekäme, wäre sie doch längst im Sande verlaufen. Die vielen Tausend Teilnehmer in Dresden laufen nur da mit, weil sie glauben, an etwas Großem teilzunehmen. Groß ist Pegida aber nicht durch eigene Kraft, sondern weil sie durch ihre Gegenbewegungen groß gemacht wurde. Die Kirche beteiligt sich nicht daran. Sie verhindert Schlimmeres in den eigenen Reihen, wie im münsteraner Fall, und verweist ansonsten nur auf die allgemeine Anordnung aus Rom, muslimische Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen. Das ist eine ganz klare Stellungnahme gegen Pegida, ohne Pegida auch nur zu erwähnen - perfekt!
2. Erst denken, dann schreiben, dann nochmal lesen, dann nochmal denken
ThomasS 23.01.2015
Im Grunde beantwortet sich Herr Patalong seine Frage schon selber. Ja die Katholische Kirche ich sehr hierarchisch aber formell gibt es keine nationale Ebene, die über den Bischöfen steht. Es kann auch gemeinsame Statements der Bischofskonferenz geben, aber dafür müssen die zusammenkommen und ein gemeinsames Statement beschließen. Steht im Grunde alles im Artikel, hätte man sich die Verwunderung sparen können....
3. Spaltung?
Thagdal 23.01.2015
Zitat: "Jeder Christ muss ablehnen, was Spaltung in die Gesellschaft bringt und Ängste schürt." Der größte Spalter in einer Gesellschaft ist immer noch Religion. Die Pegida-Typen locken die Leute doch genau damit an: Gegen die Islamisierung, Verteidigung christlicher Werte. Konservative, religiöse Motive. In Religionen geht es ja um die Abgrenzung zu Andersgläubigen. Dass diese Abgrenzung aufgehoben wird, ist der Säkularisierung zu verdanken. Humanitäre Werte gilt es zu verteidigen. Die Kirchen passen sich da erst an, wenn sie fürchten, deshalb an Einfluss zu verlieren. Weil es eben noch viele Katholiken gibt, die wie Pegida denken, hält sich der Vorstand des Vereins etwas zurück.
4.
C. Goldbeck 23.01.2015
Paul Spätling ist nicht als Privatperson aufgetreten, sondern als katholischer Priester, ohne Absprache mit seinem Vorgesetzten und hat in diesem Zusammenhang auch noch eine Rede gehalten, die nicht im Einklang mit den Vorstellungen seines Arbeitgebers stand. Da liegt das Problem. Jeder andere hätte dafür suspendiert werden können. Insofern war die Entscheidung der Kirche völlig korrekt und sogar milde. Das hat nichts mit einem Maulkorb zu tun. Spätling hätte einfach als Privatmann demonstrieren müssen. So einfach ist das.
5.
bonngoldbaer 23.01.2015
1. Der Genitiv von Evangelium ist Evangelii. Und "Evangelii Gudiium" ist auch der Titel von Bertoglios erster Enzyklika. 2. Die Weisung "Wir Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen." ist klar und eindeutig. Und sie stammt vom Oberhaupt der röm.-kath. Kirche selbst. Den Bischöfen bleibt nur noch - wie in Münster geschehen - das disziplinarische Vorgehen gegen Priester und andere kirchliche Mitarbeiter, die sich nicht daran halten. 3. Ich bedaure sehr, dass der Papst in diesem Zusammenhang nicht auch auf die Pflicht der Christen zur Mission hingewiesen hat. Den Einwanderern Aufenthaltsrecht und Arbeit zu geben und ihnen dabei das beste, was wir haben, vorzuenthalten, ist das Gegenteil von Nächstenliebe.
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