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Katholische Kirche: "Mord wird verziehen, eine zweite Ehe nicht"

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Mehr als 180 Priester und Diakone fordern, wiederverheirateten Geschiedenen das Abendmahl zu gewähren. Unter katholischen Geistlichen wächst die Zustimmung, Bischof Zollitsch hat die Gruppe nun zu einem Treffen eingeladen. Ein Gespräch mit Mitinitiator Konrad Irslinger.

Papst Benedikt XVI, wiederverheirateter Seehofer: Streitfrage Kommunion Zur Großansicht
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Papst Benedikt XVI, wiederverheirateter Seehofer: Streitfrage Kommunion

Berlin - Der Ungehorsam unter katholischen Priestern greift weiter um sich. Im Erzbistum Köln hat jetzt ebenso wie in Freiburg eine Gruppe Geistlicher, darunter der ehemalige Caritas-Direktor, Forderungen nach grundlegenden Reformen erhoben. Auch in Bistümern wie Würzburg und Stuttgart-Rottenburg haben sich Priestergruppen als Unterstützer geoutet.

Die Kölner Priester schickten ihren Brief direkt an Kardinal Joachim Meisner. Der musste nun lesen, dass seine Untergebenen den österreichischen "Aufruf zum Ungehorsam" voll und ganz unterstützen. Eine Reaktion Meisners steht noch aus.

In Freiburg hatten sich 177 Priester und Diakone offen zum Ungehorsam bekannt. Ihnen geht es vor allem darum, dass Katholiken, die nach einer Scheidung erneut geheiratet haben, das Abendmahl empfangen dürfen. An diesem Donnerstag hat der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck die Initiatoren der Erklärung zu einem Gespräch eingeladen, an dem auch Erzbischof Robert Zollitsch teilnehmen wird.

Konservative Geistliche vom "Netzwerk katholischer Priester" übten heftige Kritik an der Initiative: "Ein derartiges Vorgehen verdunkelt das Eintreten der Kirche für die sakramentale und unauflösliche Ehe, es trägt Verwirrung und Spaltung in die Pfarreien und ist ein schwerwiegender Angriff gegen jene Ehegatten, die sich nach einer schmerzlichen Trennungserfahrung um ein Leben nach den Weisungen der Kirche bemühen."

Es gebe sehr viel Zustimmung, aber auch einige Belehrungen aus anderen Bistümern, sagt Pfarrer Konrad Irslinger, 63, einer der Initiatoren des Freiburger Aufrufs. Im Interview spricht er über den schwierigen Umgang mit der verbotenen Kommunion.

SPIEGEL ONLINE: Erzbischof Robert Zollitsch hat in einem Brief Sie und alle Unterzeichner der Freiburger Erklärung zum Gehorsam aufgerufen. Werden Sie wieder gehorchen?

Pfarrer Irslinger: Das Wort Gehorsam ist ein schwieriges Wort. Aber unabhängig vom Gehorsam gegenüber dem Bischof gibt es auch einen Gehorsam gegenüber dem Evangelium.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie auf den Druck von oben etwa nicht reagieren?

Irslinger: Der Brief erfordert keine Reaktion von uns. Nur: Jeder soll jetzt entscheiden, ob er seine Unterschrift zurückzieht. Die Überzeugung, dass wir als Pfarrer unserem Gewissen zu folgen haben, ist aber bei den nunmehr schon fast 200 Unterzeichnern größer als der äußere Gehorsam zum formalen Kirchenrecht. Es sind also noch mehr Unterzeichner geworden.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Pfarrer aus anderen Bistümern auf ihre Initiative?

Irslinger: Sehr viele sagen, Gott sei Dank wird das, was uns Pfarrern seit Jahrzehnten unter den Nägeln brennt, endlich öffentlich. Es gibt sehr viel Zustimmung und Anfragen, ob sie bei uns mitmachen können. Wir sagen dann: Fangt doch bitte in eurem Bistum selber an! Wir bekommen natürlich auch einige Belehrungen, wir seien auf dem falschen Weg.

SPIEGEL ONLINE: Papst Benedikt XVI. sagte kürzlich, die Kirche habe keine Patentrezepte für das Problem der wiederverheirateten Geschiedenen.

Irslinger: Der römische Gedanke ist folgender: Die Ehe ist ein Sakrament und damit unauflöslich. Will jemand eine zweite Ehe schließen, dann zerbricht diese Bindung in der Realität. Aber das Sakrament der Ehe kann man nach Ansicht der Kirche nicht zerbrechen, weil sie unauflöslich ist. Das heißt, er oder sie geht eine neue Beziehung ein und lebt damit in Sünde. Ausnahme: Wenn Sie versprechen, dass die neue Ehe sexuell enthaltsam, das heißt ohne Kinder, bleibt. Nur das erlaubt das Kirchenrecht. Dann lebt man nicht in Sünde.

SPIEGEL ONLINE: Nun kann ja jedem Sünder vergeben werden...

Irslinger: Das ist das Schwierige. Sogar für Mord gibt es Absolution. Eine zweite Ehe kann dagegen nicht bereut und nicht vergeben werden, das ist unlösbar. Wiederverheiratete Katholiken leben so bis an ihr Lebensende in Sünde und wir Pfarrer sollen ihnen alle Sakramente verwehren.

SPIEGEL ONLINE: Und das nehmen die Gläubigen hin?

Irslinger: Die einen sagen, dann rutscht mir doch den Buckel runter, dann habe ich nichts mehr mit dieser Kirche zu tun. Andere leiden darunter und sagen: Wenn die offizielle Kirche das so will, dann ist das recht, aber ich habe mit meinem Pfarrer gesprochen und der sieht das anders. So erteilen viele Kollegen verbotenerweise die Kommunion. Manche entscheiden das für sich alleine und gehen einfach ohne, dass man es als Pfarrer weiß, zur Kommunion.

SPIEGEL ONLINE: Klingt ziemlich verfahren.

Irslinger: Mir hat dabei die ganze Zeit über folgendes geholfen: Während meines Studiums gab es einen jungen Professor namens Ratzinger, der schon vor 40 Jahren einen Lösungsversuch hatte. Ratzinger, der heute Papst ist, erinnerte daran, dass jede Ehe, die außerhalb der katholischen Kirche geschlossen wird, zwar kein Sakrament sei. Aber sie ist ein Sacrum, etwas Heiliges und müsse als solches anerkannt werden. Diese Ratzinger-Aussage hat vielen Menschen geholfen. Ich verstehe nicht, warum er diesen Gedanken als Papst nicht weiter entwickelt hat.

Epilog: Als Benedikt XVI. noch Joseph Ratzinger hieß, schrieb er 1972 in einem Aufsatz zum Sakramentenempfang für wiederverheiratete Geschiedene die rhetorische Frage:

"Wird das Anders-Können hier nicht zur Pflicht der Barmherzigkeit, des recht verstandenen 'Evangeliums'? Wo eine erste Ehe seit langem und in einer für beide Seiten irreparablen Weise zerbrochen ist; wo umgekehrt eine zweite Ehe sich über einen längeren Zeitraum hin als sittliche Realität bewährt hat und mit dem Geist des Glaubens, besonders auch in der Erziehung der Kinder, erfüllt worden ist (so dass die Zerstörung dieser zweiten Ehe eine sittliche Größe zerstören und moralischen Schaden anrichten würde), da sollte auf einem außergerichtlichen Weg auf das Zeugnis des Pfarrers und von Gemeindemitgliedern hin die Zulassung der in einer solchen zweiten Ehe Lebenden zur Kommunion gewährt werden."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 184 Beiträge
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1. Fruehstueck und Lunch...
fxe1200 14.06.2012
...reicht mir voellig. Ich komme auch ohne Abendmahl aus.
2.
TodAllenFanatikern 14.06.2012
Zitat von fxe1200...reicht mir voellig. Ich komme auch ohne Abendmahl aus.
Zumal ein Schluck Traubensaft und ein Keks auch nicht wirklich satt machen
3.
loncaros 14.06.2012
Ich würde mir persönlich nicht mal eine erste Ehe verzeihen.
4. Komisch
RagabAbdelaty 14.06.2012
und wieso heiraten geschiedene Menschen nicht? Das widerspricht den Menschenrechten und gefährdet die Familien.
5. Ich frage mich...
hendrikschroeder 14.06.2012
Wieso schweigen die Medien den pikanten Teil der Vatileaks Dokumente tod? In der Vergangenheit waren SPON und andere Medien immer sehr aktiv wenn es z.B. um die Recherche der Wikileaks Dokumente ging. Nun haben wir es mit Informationen zu tun die das gesamte christliche Weltbild der letzten 2000 Jahre anders ausschauen lassen und die Medien (mit ganz wenigen ausnahmen) schweigen es Tod. Ich selbst habe mir die Zeit genommen einige der online verfügbaren Dokumente durchzusehen. Hier geht es nicht nur um Korruption oder Machtkämpfe innerhalb des Vatikan, sondern z.B. auch darum wann und warum diverse Teile der Bibel geschrieben wurde. Sind es nun die christlichen Parteien, die Kirchensteuer oder die Kirche selbst die eine freie Berichterstattung zu diesem Thema verhindern? Das Foto mit Herrn Seehofer und der letzte Papstbesuch im Bundestag sind hier sicherlich die Antwort :)
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