Vor Missbrauchsgipfel im Vatikan "Dem Monster ins Auge schauen"

Ab Donnerstag treffen sich im Vatikan hochrangige Würdenträger, um den Missbrauch in der katholischen Kirche aufzuarbeiten. Einige Kardinäle äußerten sich schon vor Beginn der Konferenz.

Pressekonferenz vor dem Missbrauchsgipfel im Vatikan
AP

Pressekonferenz vor dem Missbrauchsgipfel im Vatikan


Der am Donnerstag im Vatikan beginnende Gipfel zum Missbrauch in der katholischen Kirche wird vor dem offiziellen Beginn von großen Erwartungen begleitet. Schon zum Wochenbeginn formulierten mehrere Kardinäle ihre Erwartungen an das Treffen im Kirchenstaat.

Denn die sogenannte Missbrauchskonferenz soll nach Angaben der Organisatoren eine "richtige Wende" in der seit Jahrzehnten anhaltenden Krise bringen. Es sei nun endlich Zeit, dem "Monster" Missbrauch ins Gesicht zu schauen, sagte Vatikansprecher Alessandro Gisotti. Dafür brauche es das "Engagement aller".

"Die katholische Welt muss verstehen, dass Bischöfe weltweit Verantwortung tragen für das, was getan wurde", sagte der US-Kardinal Blase Cupich, der zum Vorbereitungskomitee des Vatikans gehört.

Der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn sprach sich für Strukturreformen aus. "Wir brauchen einen Reformschritt in Richtung Gewaltenteilung", sagte Schönborn der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Macht der Bischöfe und Pfarrer brauche mehr Kontrolle, so der Geistliche, der die Österreichische Bischofskonferenz in Rom vertritt.

Eine andere Tonart schlug dagegen der deutsche Kardinal Ludwig Müller an. Im SPIEGEL-Interview kritisierte er die Amtsführung des Papstes. Zudem verwies er auf einen angeblichen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Missbrauch. "Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären oder nachpubertären Alter", sagte Müller.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass Priester und andere Geistliche rund um den Globus Kinder misshandelt haben. In Deutschland kam der Skandal vor rund zehn Jahren ans Licht. Auch weltweit treten immer neue Fälle zutage, in denen sich katholische Amtsträger zumeist an Schutzbefohlenen vergangen haben sollen. Zuletzt räumte Papst Franziskus ein, dass es in der katholischen Kirche auch weitreichende Missbrauchsfälle an Nonnen und Ordensschwestern gegeben habe.

Bei dem Spitzentreffen von Donnerstag bis Sonntag sollen die Themen Verantwortung, Rechenschaft und Transparenz im Zentrum stehen. Bei der Konferenz sind rund 190 Teilnehmer dabei, darunter der Papst, die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen der Welt, Vertreter der römischen Kurie und andere Geistliche.

Kritisiert wurde im Vorfeld, dass nur etwa zehn Frauen zu dem Treffen geladen worden waren. Vor der Konferenz sollen die Organisatoren hinter verschlossenen Türen auch Opfer treffen. Mit einer eigenen Website will die katholische Kirche über die Ergebnisse des Gipfels und zukünftige Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch informieren.

fek/dpa



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