Deutsche Bischöfe in Rom Der Papst schweigt zum Hostien-Streit

Eine zerstrittene deutsche Bischofsdelegation suchte ein klärendes Wort in Rom: Ob man konfessionell-gemischte Ehepaare gemeinsam zur Kommunion lassen dürfe. Papst Franziskus hat offenbar andere Sorgen.

Kardinäle Marx (l.) und Woelki (Archiv)
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Kardinäle Marx (l.) und Woelki (Archiv)


Die römisch-katholische Weltkirche hat große, größere und kleinere Probleme. In vielen Regionen der Welt werden Katholiken - wie auch andere Christen - verjagt, eingesperrt oder niedergemetzelt. 200 Millionen Christen gelten als "verfolgt". In Australien steht der suspendierte Finanzchef des Vatikans, Kurienkardinal George Pell, unter Missbrauchsverdacht vor Gericht. In Chile soll ein hoher Geistlicher Missbrauchsfälle jahrelang vertuscht haben. Der Papst wollte es lange nicht glauben.

Gemessen daran ist das, was der deutsche Klerus am späten Donnerstagnachmittag in Rom zur Klärung vortrug, ein ganz kleines Problem. Gleichwohl streiten katholische Bischöfe heftig darum: Ob nämlich der protestantische Ehepartner eines Katholiken einfach so mit diesem in die Kirche gehen, gemeinsam beten und gemeinsam die Hostie empfangen darf. Das machen viele zwar einfach so, in Deutschland wie überall auf der Welt. Sofern sie überhaupt noch in die Kirche gehen. Aber das geht natürlich in einer ordentlichen deutschen Gemeinde nicht.

Deshalb haben die fürs katholische Seelenheil Verantwortlichen erst daheim darüber gestritten, ob das "im Ausnahmefall" zulässig sein könne. Auch dann, wenn der Falsch-Gläubige nicht gerade vom Tode bedroht ist. Denn in dem Fall darf er schon lange die Hostie empfangen, aber auch nur dann.

Nun standen sie vor der römischen Glaubenskongregation, um vom Papst oder dessen Beauftragten, das letztlich klärende Wort zu empfangen: Die eine Seite unter Führung von Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Die andere Seite mit dem Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze.

Papst lässt grüßen: Einigt Euch

Doch Papst Franziskus hatte keine Zeit und seine zuständigen Mitarbeiter, der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer und der Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Koch, wollten sich offenbar auch nicht wirklich einmischen oder gar festlegen.

Man sprach zweieinhalb Stunden in deutscher Sprache und "in einer herzlichen und brüderlichen Atmosphäre", wie es hieß, über die Beziehung der strittigen Frage zum Glauben, zur Seelsorge, zur weltkirchlichen Relevanz und zu rechtlichen Dimensionen. Glaubenskongregationschef Ladaria gab für die gemeinsame Erklärung zu Protokoll, "dass Papst Franziskus das ökumenische Engagement der deutschen Bischöfe würdigt und sie ersucht, im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden".

Im unkirchlichen Klartext hieße das: Einigt Euch doch selber!

Geistlicher Hunger am Tisch des Herrn

Ausgangspunkt des Streits und der "Einladung" nach Rom war eine "Handreichung", die auf der Bischofskonferenz im Februar von 47 der 60 teilnehmenden Bischöfen abgesegnet wurde. Es sei eine "Orientierungshilfe für die Seelsorge", so Kardinal Marx, ob, wann und wie auch "der evangelische Ehepartner zum Tisch des Herrn" treten darf.

Nur dann nämlich, so Marx, wenn "der geistliche Hunger nach dem gemeinsamen Empfang der Kommunion so drängend" ist, dass es "eine Gefährdung der Ehe und des Glaubens der Ehepartner nach sich ziehen könnte, ihn nicht stillen zu dürfen". Und natürlich müsse der, beispielsweise evangelische, Partner dazu "den katholischen Eucharistieglauben bejahen". Alles das muss der Seelsorger vor der Zulassung des Nichtkatholiken ansprechen, klären und sicherstellen.

Das mag mancher schon für mittelalterlich, weltfremd und nicht praktikabel halten. Sieben Bischöfen, vor allem aus Bayern, aber eben auch dem Kölner Woelki, ging aber schon das viel zu weit. Sie schrieben einen Brief an die Katholiken-Leitstelle in Rom und fragten, ob die Deutsche Bischofskonferenz überhaupt die Kompetenz habe, dergleichen zu beschließen.

Ladaria, der Präfekt für Glaubensfragen, schrieb zurück - und natürlich ist dieser Brief im Wortlaut ebenso unbekannt, wie die "Handreichung" der Bischofskonferenz und der Beschwerdebrief von Woelki und Co. Das erleichterte es natürlich, die öffentliche Debatte mit Vermutungen und Gerüchten zu füllen.

Das Papier der Bischofs-Mehrheit sei vom Vatikan verworfen worden, frohlockten die Gegner schon, ehe sie nach Rom aufbrachen. Im Gegenteil, sagten die anderen, kleinere Nachbesserungen in den Formulierungen seien erbeten worden. Ansonsten habe der Vatikan grünes Licht für die Umsetzung gegeben.

"Heilsame Dezentralisierung"

Tatsächlich hat die höchste Stelle der römisch-katholischen Kirche, nach allem, was man bislang weiß, in der Sache nichts Neues kundgetan. Und warum auch? Schon in seinem Schreiben Amoris Laetitia hat der Papst die Grundprinzipien für den Kommunion-Empfang eines Nicht-Katholiken beschrieben: Man müsse die Sache in jedem Einzelfall entscheiden und dabei die katholischen Normen berücksichtigen - mithin: etwas kreativ sein.

Und dass die nationalen Bischofskonferenzen eigenständig Richtlinien für die Seelsorger vor Ort aufstellen dürfen, hat er im Schreiben "Evangelii gaudium" zumindest indirekt abgenickt. Von "heilsamer Dezentralisierung" ist da die Rede und dass er sich eine "gewisse authentische Lehrautorität" der Bischofskonferenzen wünsche. Und so gibt es denn ja inzwischen weltweit auch schon etwa 20 nationale Regeln zu dem Thema. Ohne großen Streit.

Doch im deutschen Streit gehe es auch gar nicht um einen mehr oder weniger praktikablen Zugang zur Hostie für konfessionsverschiedene Paare, argwöhnt der Magdeburger Bischof Gerhard Feig. "Die mühevolle Suche nach einer verantwortbaren seelsorglichen Lösung für Einzelne", interessiere die die Kritiker um Bischof Woelki kaum, so der Leiter der bischöflichen Ökumene-Kommission. Die wollten einfach jede geringfügige Änderung am wahrhaft Katholischen abwehren.

Was Papst Franziskus über den Streit denkt, hat er - durch die Blume, wie er es oft tut - dem frisch gekürten künftigen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer mit auf den Weg gegeben. Der war heute auf Antrittsbesuch beim Katholiken-Oberhaupt und Franziskus hatte offenbar zufällig ein bisschen Zeit. Was der Heilige Vater denn von ihm erwarte, fragte ihn der Ordenspriester. Der Papst lächelte und sagte, er wünsche sich einen "wirklichen Priester, einen Hirten, der den Menschen nahe und zugänglich" sei.

Schade, dass Kölns BIschof Woelki und seine Mitstreiter nicht dabei waren.

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