Gemeinsames Abendmahl Katholische Bischöfe geben ein bisschen nach

Im Zwist über ein gemeinsames Abendmahl haben sich katholische Bischöfe zu einer Mini-Reform durchgerungen: Die Eucharistiefeier soll künftig für Ehepartner verschiedener Konfessionen möglich sein - in Ausnahmefällen.

Reinhard Marx
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Die Teilnahme am Abendmahl ist Katholiken vorbehalten: An diesem Grundsatz haben die katholischen Bistümer in Deutschland nun mit großer Mehrheit gerüttelt - zumindest ein wenig. Im Einzelfall soll es Priestern künftig möglich sein, Ehepartnern unterschiedlicher Konfession ein gemeinsames Abendmahl zu ermöglichen. Das beschlossen die Bischöfe auf ihrer Vollversammlung in Ingolstadt.

Die jeweiligen Fälle müssten in den Kirchen vor Ort entschieden werden, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Mit dem Beschluss gehe keine generelle oder dogmatische Änderung einher.

Hintergrund des Beschlusses ist laut Marx "der hohe Anteil konfessionsverschiedener Ehen und Familien in Deutschland, bei denen wir eine herausfordernde und dringende pastorale Aufgabe erkennen". Fakt ist: Die Diskussion über ein gemeinsames Abendmahl ist seit Jahrzehnten ein Streitpunkt zwischen Katholiken und Protestanten.

"Wichtiger Schritt auf dem Weg der Ökumene"

Der Streit geht auf ein unterschiedliches Verständnis von Protestanten und Katholiken über das Abendmahl zurück, das Katholiken mit dem Fest Fronleichnam besonders feiern.

Viele konfessionsverschiedene Ehepaare hatten seit Langem eine Öffnung der katholischen Kirche gefordert. In einigen Pfarreien konnten Protestanten bereits unter der Hand am Abendmahl teilnehmen. Die verabschiedete Orientierungshilfe gibt dieser Praxis nun einen Rahmen - und lässt sie in Einzelfällen zu.

In den kommenden Wochen werde die detaillierte Handreichung für die Seelsorger und konfessionsverschiedene Eheleute veröffentlicht, kündigte Marx an. Für Nichtkatholiken in diesen Ehen ist laut den Bischöfen nun nach Genehmigung auch die Kommunion möglich - solch eine Ausnahme sei durch das Kirchenrecht gedeckt.

Von protestantischer Seite wurde der Beschluss der katholischen Bischöfe begrüßt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sprach von einem "wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene". Der rheinische Präses Manfred Rekowski sagte laut dem Portal evangelisch.de: "Es wäre ein ermutigendes Zeichen, wenn es den konfessionsverbindenden Paaren auf diesem Weg erleichtert wird, den Glauben gemeinsam zu leben."

Der reformorientierte Laienorganisation "Wir sind Kirche" geht der Beschluss dagegen nicht weit genug. Die Auflagen verwässerten den Ökumene-Gedanken, sagte der Sprecher des Bündnisses, Christian Weisner. Er kritisierte auch, dass es einzelne Gegenstimmen gegeben habe - Ermutigungsversuche in Sachen Ökumene von Papst Franziskus zum Trotz.

apr/dpa



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