Katholische Kirche: Skandalbuch enthüllt sexuelle Beziehungen

Kinder mit Geliebten, Sex mit Prostituierten, homosexuelle Handlungen: Die Details eines neuen Buches über sexuelle Beziehungen in der katholischen Kirche sind pikant. Der Vatikan schweigt - und Italiens Bischofskonferenz sagt, man "könne nicht jedes Buch kommentieren".

Skandalbuch: Die unbekannte Seite der Kirche Fotos
DPA

Rom - Gerade erst hatte sich der Vatikan empört über die sexuellen Eroberungen des Silvio Berlusconi geäußert - nun schildert ein Enthüllungsbuch pikante Details über angebliche sexuelle Beziehungen im Zentrum der katholischen Kirche. Tausende Priester würden unrechtmäßige Beziehungen mit Frauen und Männern führen - und damit gegen die Regeln des Zölibats verstoßen.

Das Buch "Sex und der Vatikan" des Journalisten Carmelo Abbate erschien am Mittwoch in Italien. Abbate dokumentiert nach eigenen Angaben eine "versteckte Welt", in der heterosexuelle katholische Priester Kinder mit Frauen haben, die sie nicht heiraten dürfen. Homosexuelle Priester aus vielen Ländern gehen demnach in Rom in Nachtclubs und bezahlten für Sex mit Prostituierten.

"Der Zweck des Buches ist nicht, den katholischen Klerus zu beschämen", zitiert der britische "Independent" den Autoren. Es gehe darum, die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Kirche zu zeigen, sagte Abbate dem "Daily Telegraph".

Viele von Priestern gezeugte Kinder hätten keinen Kontakt zu ihren Vätern, weil diese Angst davor hätten, ihre Beziehung werde entdeckt. Es herrsche eine Kultur des Schweigens, die Kirche gebe vor, von diesen Dingen nichts zu wissen. "Wenn die Behörden etwas herausfinden, vertuschen sie es, damit es keinen Skandal gibt", so Abbate.

Für seine Recherchen nutzte der Autor unter anderem versteckte Kameras. Dabei filmte er drei Priester an bekannten Schwulen-Treffpunkten in Rom. Auch sexuelle Handlungen sollen aufgezeichnet worden sein.

"Die Kirche bezeichnete dies als Einzelfall", so der Autor. "Ich wollte herausfinden, ob das stimmt. Dabei habe ich festgestellt, dass dieses Phänomen sehr weit verbreitet ist."

Priester zahlen ehemaligen Geliebten Schweigegeld

Abbate zitiert in seinem Buch Studien, wonach bis zu ein Drittel der katholischen Priester in den USA schwul sein sollen. Rund ein Viertel hätte Beziehungen mit Frauen. Ähnliche Werte gebe es für Deutschland und Österreich.

Einige der von Priestern geschwängerten Frauen würden gezwungen, abzutreiben oder die Kinder zur Adoption freizugeben. Manche Priester zahlten ihren ehemaligen Geliebten Geld, andere unterstützten ihre Kinder finanziell. "Für viele Priester sind die Lehren der Kirche zu sexuellen Beziehungen ein Gefängnis", sagt Abbate.

Der Vatikan gab den Berichten zufolge keinen Kommentar zu dem Buch ab. Die italienische Bischofskonferenz teilte lediglich mit, man könne nicht auf jedes Buch reagieren, das schlecht von der Kirche spreche.

Zuletzt hatte der Vatikan verbreiten lassen, die Kirche sei von den Vorfällen um Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi erschüttert. Gegen den Politiker läuft derzeit ein Verfahren wegen des angeglichen sexuellen Kontakts mit einer 17-Jährigen. Kardinal Tarcisio Bertone hatte erklärt, die Behörden sollten in diesem Fall ein Beispiel für eine "robuste Moral" liefern.

jok/ulz

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