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Katholische Sekte Engelwerk: "Die haben unsere Tochter kaputtgemacht"

Von , München

Eine katholische Sekte sorgt für Aufsehen: Das Engelwerk predigte eine obskure Erlösungslehre, verteufelte schwarze Katzen und Kinder mit bösem Blick. In Zeiten des Mitgliederschwunds nähert sich der Vatikan dem Geheimbund an - erschreckend, wenn man die Schicksale von Betroffenen erfährt.

Screenshot der Homepage des Engelwerks: Umstrittene Vereinigung Zur Großansicht

Screenshot der Homepage des Engelwerks: Umstrittene Vereinigung

Marianne Poppenwimmer sitzt an einem Couchtisch in ihrer Etagenwohnung irgendwo in München. Durch das Fenster sind in der Ferne die Umrisse der Berge zu erkennen. Das gediegene Umfeld ist die Schaltzentrale für Marianne Poppenwimmers Feldzug. Seit 26 Jahren kämpft die pensionierte Krankenschwester gegen die Machenschaften des Engelwerks, eine Sekte mit großer Nähe zur katholischen Kirche.

1984 hat Poppenwimmer ihre Tochter an das sogenannte Opus Angelorum (OA) verloren. Die damals 18-Jährige besuchte Exerzitien des Engelwerks - nach ihrer Rückkehr, so sagen die Eltern, sei sie ein anderer Mensch gewesen. Sie habe sich von Tag zu Tag immer mehr verändert. Irgendwann war die Tochter wie eine Fremde in der elterlichen Wohnung. Ihr Leben hatte sie den Engeln gewidmet, der Welt war sie entrückt.

In ihrem Zimmer errichtete die junge Frau einen Altar, sie war wie erfüllt vom Gedanken an ihre eigene Schlechtigkeit. Die Eltern konnten diesem Glauben nichts entgegensetzen. Zweimal täglich ging sie in die Messe, ständig in die Beichte, betete oft stundenlang bis tief in die Nacht. Ihr Leben richtete sie zunehmend auf die Engel aus, rund 400 von ihnen kennt das OA. Sie versprechen Heilung, Erlösung - wenn man sein Leben ganz auf sie konzentriert. Das tat die Tochter der Poppenwimmers, immer stärker kapselte sie sich von ihren Eltern ab.

Das Verhältnis ist noch immer schwierig. Geblieben sind Marianne Poppenwimmer nur Erinnerungen an eine Zeit, in der das Leben ihrer Familie noch unbeschwert war und der unermüdliche Kampf gegen eine Gemeinschaft, die ihrer Erfahrung zufolge als Geheimbund agiert, ihre Mitglieder von der Außenwelt abschottet und zweifelhafte Lehren propagiert.

Auf der einen Seite stehen Auserwählte - auf der anderen Seite der Teufel

Im Jahr 1990 hat Poppenwimmer die "Initiative engelwerkgeschädigter Familien" gegründet. Sie hat Informationen gesammelt über eine Vereinigung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Verbindung von Engeln und Menschen zu fördern - und von der kaum Informationen an die Außenwelt dringen.

Die Lehren des OA (siehe Kasten in der linken Spalte) gehen auf die gebürtige Wienerin Gabriele Bitterlich zurück. Die 1978 verstorbene Hausfrau will bereits im Alter von vier Jahren in einer Privatoffenbarung einen Schutzengel gesehen haben. Auf Zehntausenden Seiten soll sie ihre Erscheinungen dokumentiert haben, die Rede ist dort von einem endzeitlichen Kampf zwischen Engeln und Dämonen.

Kinder, die den Pfarrer nicht ansehen können, sind demnach ebenso von Dämonen besessen wie junge Frauen, die eine Fehlgeburt haben oder auch schwarze Katzen. Die Lehre ist geknüpft an ein Heilsversprechen: Nur durch die Verehrung der Engel kann man sich vor den Dämonen schützen.

Nur weil die Angst gepredigt wird, kann die Heilung propagiert werden.

Das OA ist zwar nicht so bekannt wie das Opus Dei, aber ebenso umstritten - und ebenso bemüht, seine Ziele im Verborgenen zu erreichen. Der Hauptvorwurf, den Poppenwimmer und Sektenbeauftragte gegen die Gemeinschaft richten: Durch die Abschottung von der Außenwelt und die Indoktrination der bizarren Lehren und Heilsversprechen mache das Engelwerk viele Anhänger auf Dauer psychisch krank. Poppenwimmer will viele solcher Menschen erlebt haben. Kirchenrechtler halten die Geheimlehre für abstrus und gefährlich.

"Hölle", "Strafe Gottes", "Dämon"

Poppenwimmer will zahlreiche Fälle kennen, in denen Familien auseinandergerissen wurden, nachdem ein Mitglied in die Fänge des Engelwerks geraten war: Ehen zerbrachen, Kinder mieden und verteufelten ihre Eltern, ehemals Vertraute entfremdeten sich, aus guten Beziehungen wurden totale Zerwürfnisse.

"Die Gefahr ist die Manipulation der Leute", sagt Poppenwimmer, die Dutzende Betroffene begleitet hat. Das Engelwerk fußt auf einer simplen Zweiteilung: Auf der einen Seite stehen die Auserwählten, die Gläubigen, die Anhänger der Gemeinschaft - auf der anderen Seite steht der Teufel. Engel gegen Dämonen, Mitglieder gegen Andersgläubige, es ist ein ewiger Kampf. Etwas Halbes duldet das Engelwerk nicht. "Du bist ein schwerer, sündiger Mensch, du bist verloren in alle Ewigkeit - aber wir können dich retten", das sei die Botschaft des OA, sagt Poppenwimmer. Kontakt zur Außenwelt, Medienkonsum, Sprechen über das, was sich im Engelwerk ereignet, all das sei tabu und gelte als Werk des Teufels. Überhaupt mutet die Sprache des Engelwerks seltsam an, Wörter wie "Hölle", "Strafe Gottes", "Dämon" fallen häufig.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Dem alten Ratzinger sei Dank!
walterli 14.10.2010
Es ist mir unverständlich, welchen Schmarren manche Leute glauben, sich dabei verkleiden, verstümmeln und ihr Leben und das ihrer Lieben zerstören. Das schreckliche an der Sache ist, dass der alte Ratzinger den Dreck dieser Wiener Dampfnudel nun auch noch hoffähig macht. Pfui!
2. Dem alten Ratzinger sei Dank!
walterli 14.10.2010
Es ist mir unverständlich, welchen Schmarren manche Leute glauben, sich dabei verkleiden, verstümmeln und ihr Leben und das ihrer Lieben zerstören. Das schreckliche an der Sache ist, dass der alte Ratzinger den Dreck dieser Wiener Dampfnudel nun auch noch hoffähig macht. Pfui!
3. Irrsinn
audidaudi 14.10.2010
Es ist schon ein Irrsinn, mitanzuschauen, was der Mensch sich alles einbilden kann. Klar, man kann zur Entschuldigung sagen, das sei alles genetisch hinterlegt: vor vielen tausend Jahren war es einfach ein Vorteil, wenn man geglaubt hat, was einem die Älteren sagten (Vorsicht vor dem Säbelzahntiger!), man hatte höhere Überlebenschancen. So hat das "Leichtgläubigkeitsgen" sich durchgesetzt. Und klar, wir können für unsere Art des Glaubens nichts: wenn es einem zu heiß auf den Schädel brennt und man zuwenig trinkt (naher Osten), bekommt man Haluzinationen (brennende Büsche, Stimmen von irgendwo, Engel, ...). Wenn es dagegen Essen und alles im Überfluß gibt, man jedoch vor der Naturgewalt Angst bekommt, entsteht ein Vielgötter-Glaube, der Opfergaben erzeugt (Südamerika). Somit läßt sich jede Glaubensrichtung erklären, also wissenschaftlich begründen. Aber einen abergläubischen Irrglauben in die (immerhin auf einem real existiert habenden Jesus basierende) christliche Kirche zu integrieren ist einfach Blödsinn. Ich bin mit ziemlich sicher, daß die radikalsten Atheisten im Vatikan leben. Sie müssen sich einfach das Maximum an Macht erhalten und kalkulieren dafür eiskalt. Jedem sein Glaube, aber bitteschön im Stillen und ohne andere in Mitleidenschaft zu bringen!
4. Sehr schön!
audidaudi 14.10.2010
Zitat von walterliEs ist mir unverständlich, welchen Schmarren manche Leute glauben, sich dabei verkleiden, verstümmeln und ihr Leben und das ihrer Lieben zerstören. Das schreckliche an der Sache ist, dass der alte Ratzinger den Dreck dieser Wiener Dampfnudel nun auch noch hoffähig macht. Pfui!
Sehr schön formuliert! :-)
5. Schlimmer als der Islam
erdbeerhase 14.10.2010
Zitat von sysopEine katholische Sekte sorgt für Aufsehen: Das Engelwerk predigt eine obskure Erlösungslehre, verteufelte schwarze Katzen und Kinder mit bösem Blick. In Zeiten des Mitgliederschwunds nähert sich der Vatikan dem Geheimbund an - erschreckend, wenn man die Schicksale von Betroffenen erfährt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,722591,00.html
Na, endlich was gefunden. Die eigentlich Bösen sind doch die Christen.
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