Umgang mit Protestanten in der katholischen Kirche Marx macht mobil

Ein Brandbrief deutscher Bischöfe an den Papst hat gezeigt: Die katholische Kirche ist in Sachen Ökumene gespalten. Kardinal Marx muss sich in Rom verantworten - die Kirchenbasis ist irritiert.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Archivbild)
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Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (Archivbild)

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Am 22. März schrieben sieben katholische Bischöfe aus Deutschland einen Brief an ihren Oberhirten in Rom, genauer an den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurienkardinal Kurt Koch. Darin bitten sie um die "saubere Klärung" eines Sachverhalts.

Im Kern geht es um einen Beschluss der deutschen Bischofskonferenz vom Februar, wonach es protestantischen Ehepartnern katholischer Christen prinzipiell erlaubt sein sollte, die Kommunion zu empfangen.

Mehr als drei Viertel der Bischofskonferenz hatten bei 13 Gegenstimmen für die sogenannte Handreichung zur Eucharistie gestimmt. Doch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wollte sich offenbar vergewissern, ob denn da alles mit rechten Dingen zugegangen ist - und ob sich der Chef der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit seinem liberalen Vorstoß ohne das Placet Roms nicht mächtig verhoben hat.

"Persönlich halten wir die (...) Abstimmung für nicht rechtens, da es sich in unseren Augen (…) nicht um eine pastorale Fragestellung, sondern um eine Frage des Glaubens und der Einheit der Kirche handelt, die sich einer Abstimmung entzieht", schrieben die Unterzeichner. Ob es einer nationalen Bischofskonferenz überhaupt erlaubt sei, eine solche Entscheidung zu treffen?, hakten sie nach.

Ein wenig fühlt man sich an Szenen aus der Schulzeit erinnert. "Darf der das?", fragte der petzende Klassenbeste gern scheinheilig den Lehrer. "Das ist doch verboten, oder?"

Neben Woelki unterschrieben der Erzbischof von Bamberg sowie die Bischöfe von Augsburg, Eichstätt, Passau und Regensburg den Brief an Franziskus - ausgerechnet die süddeutschen Kirchenführer, was einen Affront gegen den Münchner Erzbischof Marx darstellt. Marx äußerste sich denn auch befremdet über die Tatsache, dass der Brief über seinen Kopf hinweg in den Vatikan geschickt wurde. Kardinal Woelki und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wiesen den Vorwurf zurück, Fronten eröffnen und die Kirche spalten zu wollen.

Kardinal Rainer Maria Woelki
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Kardinal Rainer Maria Woelki

Am Montag trafen sich die 27 deutschen Ortsbischöfe in Würzburg, um über den Streit zu reden und "Aussprache" zu halten. Der Vorsitzende Reinhard Marx informierte über Änderungen, die auf Wunsch einzelner Bischöfe noch in das Dokument eingearbeitet wurden. Welcher Art diese Änderungen waren, teilte die Kirche nicht mit.

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" kritisierte in einem "offenen Mahnbrief" die sieben Bischöfe. "Warum lassen Sie sich nicht auf erste zaghafte Schritte ein, die Sie in der Bischofskonferenz sicher ausführlich diskutiert und abgewogen haben?", fragten sie. Die Schritte seien für viele Kirchenmitglieder längst überfällig und vor Ort bereits eine lang geübte Praxis.

Tatsächlich ziehen Pfarrer während des Abendmahls wohl eher selten Erkundigungen darüber ein, ob die ihnen entgegengestreckte Zunge möglicherweise protestantisch sein könnte. Katholisch-evangelische Paare halten es meist so: Sie gehen gemeinsam zum Abendmahl und reden nicht weiter darüber. Die Realität hat den kirchenrechtlichen Rahmen wie so oft längst überholt.

Deshalb ist der Streit akademischer, aber vor allem auch machtpolitischer Art. Der Chef der Bischofskonferenz Marx soll geschädigt werden, das scheint offensichtlich. Auch gibt es Gerüchte, der abgesetzte Chef der Glaubenskongregation, der erzkonservative Kardinal Gerhard Ludwig Müller, solle hinter der Aktion stecken.

Die Vereinigung "Wir sind Kirche" fragt unverhohlen, "ob im Hintergrund nicht letztlich die Frage von Macht, Einfluss und Amtsverständnis" das zentrale Problem sei. Die Versuchung sei groß, "Herren über den Glauben, das Denken und das Gewissen der Menschen sein zu wollen statt Dienende der Gemeinschaft".

Papst Franziskus
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Papst Franziskus

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, einer der sieben Verfasser des Briefes an den Papst, verteidigte das Vorgehen. Entscheidend sei, in dieser Frage im Einklang mit den anderen Bischofskonferenzen der Weltkirche zu handeln. "In einer so wichtigen, den Glauben betreffenden Frage wollen wir keinen Alleingang machen."

Die Haltung des Papstes zu dem Sachverhalt ist nicht ganz klar. Fest steht, dass Kardinal Marx sich in Kürze zu einem "vertiefenden und klärenden" Gespräch im Vatikan einfinden muss. Er begrüßte die Einladung.

Mit Material von dpa



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