Kein Trinkgeld für angeblich lesbische Kellnerin Bon des Anstoßes

In einem Restaurant im amerikanischen New Jersey verweigerte eine Frau der Kellnerin Dayna Morales das Trinkgeld. Auf die Rechnung schrieb sie den Grund: Sie sei mit dem Lebensstil der Bedienung nicht einverstanden. Morales hat kurze Haare, die Frau hielt sie für lesbisch.

Kassenbon-Foto: "Sorry, aber ich kann Ihnen kein Trinkgeld geben"

Kassenbon-Foto: "Sorry, aber ich kann Ihnen kein Trinkgeld geben"


New Jersey - Eigentlich wollte Dayna Morales nur ihren Job machen: In einem asiatischen Restaurant in New Jersey Bestellungen aufnehmen, servieren und hinterher abkassieren. Diesmal aber passierte etwas. Als die kurzhaarige Frau sich einem Ehepaar mit zwei Kindern mit ihrem Namen vorstellte, erwiderte die Frau am Tisch: "Oh, ich dachte, Sie sagen jetzt, Ihr Name sei Dan. Sie haben uns wirklich überrascht!" Der Gast spielte offenbar auf das Aussehen der Kellnerin an. So beschreibt es Morales auf der Facebookseite "Have a gay day". Auf der Plattform für Homosexuelle erzählte sie ihre Geschichte.

Dann kam es noch härter. Als die Familie die Rechnung in Höhe von 93,55 Dollar begleichen sollte, verweigerten sie Morales das Trinkgeld. Die Erklärung, warum sie nicht auf 100 Dollar aufrundeten, notierten sie direkt auf der Rechnung: "Entschuldigen Sie, ich kann Ihnen kein Trinkgeld geben, weil ich nicht mit Ihrem Lebensstil und Ihrem Leben einverstanden bin."

Ein Foto der Rechnung kreist nun im Internet, die Netzgemeinde empört sich und postete Hunderte Kommentare, die Morales in Schutz nehmen.

Morales, die einst in der Marine diente, beschreibt ihre Reaktion auf den unverschämten Bon so: "Niemals in einer Million Jahren hätte ich gedacht, dass so etwas passieren kann. Ich bin gründlich beleidigt und wahnsinnig sauer, dass es das ist, was sie ihren beiden Kindern mitgeben, und dass ich in der Marine gedient habe, um solche ignoranten Leute zu beschützen."

Das Restaurant hat den Vorfall bestätigt. Dutzende Internetnutzer hatten sich auf der Facebookseite des "Gallop Asian Bistro" nach Morales erkundigt. Sie wollten wissen, wie es ihr gehe, ob der Vorfall stimme und wie das Management dazu stehe. Geschäftsführer Byron Lapola stellt sich hinter Morales: "Dayna ist eine unserer absolut besten Servicekräfte. Das ganze Team ist tief getroffen von der Geschichte. Ich habe dafür gesorgt, dass Dayna für das fehlende Trinkgeld entschädigt wird. Leute wie diese Frau, die Dayna beleidigte, sind bei uns nicht willkommen, und ich versichere, dass ich sie rauswerfen werde, wenn sie noch einmal bei uns essen wollen."

Der Vorfall löste einen Sturm der Entrüstung in diversen Homosexuellen-Communitys und in sozialen Netzwerken aus. Ein User schreibt auf Facebook: "Ich gebe immer Trinkgeld, egal wer mich bedient. Was der Kellner nach Feierabend tut, ist nicht meine Sache." Ein anderer Nutzer schrieb: "Mit dem Trinkgeld wird der Service honoriert, nicht die Lebensentscheidung."

Der Vorfall dürfte für das Restaurant allerdings auch einen Vorteil haben: Viele User versicherten, mit ihren Freunden in den nächsten Tagen das Bistro zu besuchen und so ihre Unterstützung zu zeigen.

Morales hinterließ bei Facebook dann noch eine Nachricht an die Frau: "Ich bin mit Ihrem Lebensstil auch nicht einverstanden und auch nicht damit, wie Sie Ihre Kinder erziehen. Trotzdem habe ich es Ihnen nicht ins Gesicht gesagt und Sie schlecht bedient. Halten Sie Ihren blöden Mund, und beten Sie, dass sich unsere Wege nie wieder kreuzen."

kbl

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Benko 15.11.2013
1. Korrektur
Dritter Absatz von unten: "der Vorfall löste EINEN Sturm der Entrüstung aus. Seit Hr Sick nicht mehr im Haus ist kriegt ihr es nicht hin, oder?
inah. 15.11.2013
2. Lohn
Man sollte beim Lesen dieser Geschichte noch wissen, dass Bedienungen etc. in den USA einen sehr geringen Lohn im unteren einstelligen Dollarbereich bekommen, und auf diese Trinkgelder tatsächlich angewiesen sind. Bevor hier gleich der erste Kommentar kommt, dass Trinkgelder schliesslich freiwillig (ja, absolut) und ein Schmankerl (in den USA eben eher nicht) sind.
kumi-ori 15.11.2013
3. optional
Es ist jedermanns Recht Trinkgeld zu geben oder nicht, aber solche Bemerkungen kann man sich sparen.
cassandros 15.11.2013
4. I feel Sick
Zitat von BenkoDritter Absatz von unten: "der Vorfall löste EINEN Sturm der Entrüstung aus. Seit Hr Sick nicht mehr im Haus ist kriegt ihr es nicht hin, oder?
Der besagte Hr lässt Sie recht herzlich grüßen und weiterhin ausrichten, daß, wenn er im Hause wäre, er hinter "ist" ein Komma gesetzt hätte.
spon-facebook-10000099815 15.11.2013
5. optional
dass diese frau die kellnerin für eine lesbe gehalten hat, ist hier doch überhaupt nicht ersichtlich. vielleicht war sie nur pazifistin und hat die kellnerin korrekterweise für eine us-marine gehalten.
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