Putin über Brand in Einkaufszentrum "Kriminelle Nachlässigkeit"

Nach dem Feuer mit Dutzenden Toten in einem Shoppingcenter hat der russische Präsident Putin Verletzte besucht. Etliche Bürger haben in der sibirischen Stadt Kemerowo gegen die Behörden demonstriert.

Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach dem verheerenden Feuer in einem Einkaufszentrum in der sibirischen Stadt Kemerowo "kriminelle Nachlässigkeit und Schlamperei" für das Unglück verantwortlich gemacht. "So viele Menschen sterben. Warum?", fragte Putin laut Kreml bei einem Besuch am Unglücksort.

"Was sich hier bei uns ereignet, sind keine Kampfhandlungen, keine plötzlichen Methangasexplosionen in einem Schacht", sagte Putin unter Hinweis auf die möglichen Ursachen der Katastrophe. Menschen seien in das Zentrum gekommen, um sich zu entspannen.

Bei dem Brand waren am Sonntag laut Behörden mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen, darunter etwa 40 Kinder. Putin war am Morgen überraschend in die sibirische Stadt gekommen und hatte an einer Mauer des Einkaufszentrums einen Strauß Rosen zum Gedenken an die Opfer abgelegt.

Wachmann schaltete Alarm aus

Vor dem Rathaus in Kemerowo versammelten sich am Morgen zahlreiche Menschen, die von den Behörden Aufklärung über die Brandursache forderten. Die Einwohner der Stadt gehen davon aus, dass die Zahl der Todesopfer höher liegen könnte als von den Behörden angegeben. Auch über die Zahl der Demonstranten gibt es unterschiedliche Angaben. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete von Dutzenden, die Nachrichtenagentur AP von Tausenden.

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Kemerowo: Russen demonstrieren nach Brandkatastrophe

Ermittlungen zufolge war das Feuer am Nachmittag in einem Kinosaal in der obersten Etage ausgebrochen. Es erfasste in der Folge mehr als tausend Quadratmeter des Einkaufszentrums "Zimnjaja Wischnja" (übersetzt: Winterkirsche).

Überlebende berichteten von dramatischen Szenen. Die im Kino eingeschlossenen Menschen riefen Medienberichten zufolge Angehörige an, im Glauben, es handle sich um eine Geiselnahme oder einen Terrorangriff. Menschen sprangen in Panik aus dem Fenster. Ein Elfjähriger habe schwer verletzt überlebt, seine Eltern und die jüngere Schwester starben. Angehörige hätten selbst nach ihren Kindern gesucht und hilflos zusehen müssen, wie diese starben.

Die Brandursache ist bislang nicht eindeutig geklärt. Ersten Ermittlungen zufolge soll ein defektes Kabel das Feuer ausgelöst haben. Es gibt auch Augenzeugenberichte, wonach Jugendliche mit einem Feuerzeug gespielt und Schaumstoffwürfel angezündet haben sollen. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen sich Hunderte Menschen in dem Kaufhaus aufgehalten haben.

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Russland: Brandkatastrophe im Shoppingcenter

Russische Ermittler leiteten eine strafrechtliche Untersuchung ein und stellten "schwerwiegende Verstöße" gegen Bau- und Nutzungsvorschriften fest. Mehrere Verdächtige sollen demnach bereits festgenommen worden sein, unter ihnen der Pächter der Räumlichkeiten, in denen das Feuer ausbrach. Auch der Chef der Shoppingmall wurde den Angaben zufolge festgenommen.

Die Polizeibehörden bestätigten, dass ein Wachmann den Alarm nach Beginn des Brandes ausgeschaltet habe. Warum er das tat, war zunächst nicht bekannt. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten sich kaum an der Rettung beteiligt, die Notausgänge waren blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Kemerowo liegt in Westsibirien, rund 3000 Kilometer von der russischen Hauptstadt entfernt. Mehr als 500.000 Menschen leben in der Industriestadt, die im Kusbass liegt, Russlands größtem Kohlerevier.

Video: Tote bei Brand in Einkaufszentrum in Sibirien

REUTERS

apr/AFP/AP/dpa



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