Porträtserie über Blumenverkäufer So staubig, so schön

Himbeerroter Hibiskus, orangefarbene Ringelblumen und lilablühender Amarant strahlen auf Indiens größtem Blumenmarkt. Ein Bildband zeigt die Männer hinter den Blütenblättern.

Ken Hermann/ Kehrer Verlag

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Es ist laut, schmutzig und stickig, aber gleichzeitig auch wunderschön auf dem Malik Ghat Blumenmarkt in Kolkata - dem wohl größten seiner Art in Asien. Händler mit großen Säcken voller Blüten quetschen sich auf dem Platz; Verkäufer mit Blumen um den Hals, in den Händen und auf dem Kopf drängeln sich durch die schmalen Gassen und bieten Gladiolen, Lotusblumen und Geranien feil. Für seinen Bildband "Flower Men" hat der dänische Fotograf Ken Hermann die Männer mit ihrer farbenfrohen Ware porträtiert.

Ein Besuch des Marktes löste bei Hermann die Idee für die Serie aus. Er war fasziniert davon, welche Weichheit die Pflanzen den stoischen Männern verleihen: "Die Blumenverkäufer sind alle sehr maskulin, aber die Art und Weise, wie sie mit den Blumen umgehen, ist sehr weiblich, sie behandeln sie mit so viel Sorgfalt, Sanftmut und Respekt." Frauen verkaufen auch auf dem Markt, doch bei Hermanns Projekt wollten sie nicht mitmachen - die Gründe sind dem Fotografen unbekannt.

Auch manche der Pflanzen durfte Hermann nicht ablichten, weil sie als heilig gelten und dem Glauben der Menschen zufolge durch Fotografien ihre Macht verlieren könnten. Blumen spielen in der Kultur Indiens eine bedeutende Rolle, bei Tempelritualen ebenso wie bei Festivals und anderen Feierlichkeiten.

Für die Shootings hatte Hermann jeweils nur knapp eine halbe Stunde Zeit, denn mit jeder Minute abseits des Marktes entging den Verkäufern Geld. Doch das sei nicht die größte Herausforderung gewesen, sondern die Hitze am Mittag: "Ich war kurz vor dem Monsun da, und es war jeden Tag 45 Grad heiß. Nach zwei Fotosessions war meine Kleidung immer total schweißgebadet."

Fotostrecke

11  Bilder
Hibiskus, Geranien und Rosen: Die Blumenverkäufer von Kolkata

Die Fotos der Blumenhändler sind von Herrmann alle sehr einheitlich gehalten: Im Vordergrund posiert ein Mann, blickt stolz in staubiger, teils schweißgetränkter Kleidung, mit einer bunten Vielfalt an Blumen am Körper in die Kamera. Daneben blass der Fluss Hugli, ein Nebenarm des Ganges. "Ich wollte die Porträts auf einem schlichten und einfachen Hintergrund machen, damit die Blumenverkäufer herausstechen", sagt der Fotograf.

Hermann kombinierte die natürliche Sonneneinstrahlung mit Studiolicht, was zu einem beinahe surrealen Effekt führt und die Porträtierten noch stärker in Kontrast zum Hintergrund stellt. Nur ab und zu lenkt ein vorbeifliegender Vogel, ein Boot oder ein Hund von den Männern ab.

Insgesamt 40 Porträts zeigt Hermann in seinem Bildband. Eines Tages will er den Markt erneut besuchen, um je nach Saison auch andere Blumen zu fotografieren - und um dann jedem der Verkäufer ein Exemplar des Buches schenken zu können.

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Ken Hermann:
Flower Men

Kehrer Heidelberg; 96 Seiten; 25,- Euro (gebunden)



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