Kenia Neun Männer sterben nach Verzehr von illegalem Schnaps

"Kill me quick" heißt der illegal hergestellte Schnaps, der vor allem in kenianischen Armenvierteln beliebt ist. Er ist billig, leicht zu bekommen - und hat fatale Folgen: Um den Gärprozess zu beschleunigen, mischen die Brenner Methanol bei. Nun starben neun Menschen.


Nairobi - Nach dem Verzehr von illegal hergestelltem Schnaps sind in Kenia neun Menschen gestorben. Sieben Männer seien in einem Slum in Nyahururu, etwa 180 Kilometer nördlich von Nairobi, Opfer des gefährlichen Drinks geworden. Zwei weitere wurden in dem nahe liegenden Ort Ol-Kalou tot aufgefunden, wie der kenianische Radiosender "Capital FM" berichtete. Die Männer waren zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Die Polizei leitete Ermittlungen ein und startete eine groß angelegte Operation gegen Bars und Kneipen in der Region, die ohne Lizenz Getränke verkaufen. Mehrere Verdächtige seien zu einer Polizeistation gebracht worden.

In den kenianischen Armenvierteln gibt es viele illegale Schnapsfabriken, die mit verdreckten Destillier-Anlagen arbeiten und gefährliche Zusatzstoffe - wie Kerosin - zugeben. Eigentlich muss der Schnaps mehrere Tage lang gären, bevor er destilliert wird. Um den Prozess zu beschleunigen, mischen die Brenner jedoch Methanol zu. Oft mit fatalen Folgen.

Der günstige Schnaps ist gefragt in den Elendsvierteln Kenias. Was für die Mittelschicht das ordentlich gebraute "Tusker"-Bier, ist für die Armen Chang'aa, in einschlägigen Kreisen auch als "Kill me quick" bekannt. Die Nachfrage ist hoch - was mit der Wirkung, vor allem aber mit dem Preis zu tun hat. Ein Glas Chang'aa kostet in Nairobi zwischen 30 und 50 Kenia-Schilling, höchstens 35 Cent.

Dass das Komatrinken nicht immer gut ausgeht, zeigt neben dem aktuellen Fall auch ein Blick in die Vergangenheit: Im Mai 2010 starben in einem Slum im Osten der Hauptstadt Kenias sieben Menschen nach dem Genuss von Chang'aa, zehn wurden blind. Kurz danach kamen in Banana Hills im Norden der Stadt zwölf Menschen ums Leben.

aar/dpa

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