Flüchtlingsjunge im Koffer Vater muss 92 Euro Strafe zahlen

Schmuggler wollten einen Jungen in einem Koffer nach Europa bringen, doch er wurde entdeckt. Sein Vater musste sich vor einem spanischen Gericht verantworten - und entging nun einer Haftstrafe.

Bild des Scanners am Flughafen in Marokko (2015)
AFP/SPANISH GUARDIA CIVIL

Bild des Scanners am Flughafen in Marokko (2015)


Ein Gericht in der spanischen Exklave Ceuta in Marokko hat einen Mann aus der Elfenbeinküste zu einer Geldstrafe von 92 Euro verurteilt, dessen achtjähriger Sohn 2015 in einem Koffer über die Grenze nach Europa geschmuggelt werden sollte. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft drei Jahre Haft für den 45-jährigen Ali Ouattara gefordert und dies unter anderem mit dem lebensgefährlichen Transport in einem Gepäckstück ohne Luftzufuhr begründet.

Doch in seinem Schlussplädoyer forderte der Staatsanwalt nur noch ein Bußgeld von 224 Euro: Es sei nicht bewiesen, dass der Angeklagte gewusst habe, auf welche Weise sein Sohn nach Spanien gelangen sollte, sagte er zur Begründung. Die Richter verhängten schließlich eine deutlich geringere Strafzahlung - Ouattara habe bereits einen Monat in Untersuchungshaft verbracht.

Der mittlerweile zehn Jahre alte Adou Ouattara hatte zuvor geschildert, "ein marokkanisches Mädchen" habe ihn in den Koffer verfrachtet, in dem er nur schlecht habe atmen können. Seinen Vater sprach er von jeglicher Schuld frei. Dieser habe nie von einem Koffer gesprochen und ihm stattdessen gesagt, dass er ihn "im Auto" abholen werde.

Die Guardia Civil hatte den jungen Adou am 7. Mai 2015 bei einer Kontrolle in Ceuta in dem Koffer entdeckt. Noch am selben Tag nahm die Polizei den Vater fest, als dieser den gleichen Grenzübergang überqueren wollte. Nach der marokkanischen Kofferträgerin wird weiter gefahndet. Die Staatsanwaltschaft forderte für sie eine sechsjährige Haftstrafe.

Die Geschichte hinter dem Foto

Adous Vater hatte damals bereits mit seiner Ehefrau und seiner Tochter in Spanien gelebt. Er gab an, einem Schleppernetzwerk 5000 Euro für die Familienzusammenführung mit seinem Sohn gezahlt zu haben. Ihm sei gesagt worden, dass Adou mit dem Flugzeug aus Abidjan in Madrid eintreffen werde - ausgestattet mit einem provisorischen Einreisevisum.

Ali Ouattara hatte in Abidjan als Philosophie- und Französischlehrer gearbeitet. Er verließ die Elfenbeinküste inmitten einer politisch-militärischen Krise und kam 2006 nach Spanien. Bis er eine Aufenthaltsgenehmigung, einen festen Job und eine Wohnung hatte, vergingen Jahre. Seine Ehefrau und seine Tochter konnte er legal nachkommen lassen. Seinen Angaben zufolge lehnten die spanischen Einwanderungsbehörden den Nachzug seines Sohnes aber mit der Begründung ab, das Monatseinkommen reiche nicht zum Unterhalt einer vierköpfigen Familie.

Ouattara zeigte sich nach dem Urteil erleichtert. "Wir werden anfangen, wieder zu leben", sagte der Familienvater. "Alle zusammen, meine Frau, meine Tochter, mein Sohn und ich."

cop/AFP



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