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Studie: Kinder aus armen Familien werden häufiger Opfer von Gewalt

Gewalt gegen Kinder: Jedes dritte Kind aus prekären Verhältnissen berichtet von Schlägen Zur Großansicht
Corbis

Gewalt gegen Kinder: Jedes dritte Kind aus prekären Verhältnissen berichtet von Schlägen

Je ärmer die Familie, desto häufiger wird der Nachwuchs Opfer von Gewalt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter 900 Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ein Viertel aller Kinder wird manchmal oder oft geschlagen.

Berlin - Gewalterfahrungen, geringere Wertschätzung, Mobbing: Kinder aus armer Herkunft machen diese negativen Erfahrungen häufiger als der Nachwuchs aus sozial bessergestellten Familien. Zu dem Schluss kommt eine Studie der Universität Bielefeld. Für die "Gewaltstudie 2013", die in Berlin vorgestellt wurde, haben die Wissenschaftler im Auftrag der Bepanthen-Kinderförderung 900 Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren befragt.

Das Ergebnis: Für ein Viertel aller Jugendlichen und Kinder in Deutschland gehört Gewalt zum Alltag. 32 Prozent der Befragten aus prekären Verhältnissen gaben an, oft oder manchmal geschlagen worden zu sein. Manche wurden so heftig verprügelt, dass sie blaue Flecken davontrugen (17 Prozent). Sozial besser und durchschnittlich gestellte Kinder seien hingegen deutlich seltener von Gewalt betroffen. 23 Prozent der Priviligierten geben an, schon einmal von Erwachsenen geschlagen worden zu sein.

Die befragten Kinder und Jugendlichen erleben der Studie zufolge häufig auch verbale Gewalt. Ein Viertel aller Befragten sei von Erwachsenen als "dumm" oder "faul" beschimpft worden. Arme Kinder berichten zudem deutlich häufiger als ihre bessergestellten Altersgenossen davon, dass ihnen Erwachsene das Gefühl geben, weniger wert zu sein.

Auch das Fairness-Empfinden in der Schule hängt demnach von den sozialen Verhältnissen ab. 45 Prozent der Kinder aus prekären Verhältnissen berichteten, Lehrer würden bestimmte Schüler besser behandeln. Bei den privilegierten Kindern empfinden das nur rund 23 Prozent so. Ein ähnliches soziales Gefälle zeige sich beim Mobbing unter Gleichaltrigen.

Der Status der Eltern werde von den Kindern selbst unmittelbar wahrgenommen: Mehr als ein Viertel der Heranwachsenden aus benachteiligten Verhältnissen habe zum Beispiel kein eigenes Zimmer. Jedem fünften dieser Kinder seien die beschränkten finanziellen Möglichkeiten der Familie bewusst.

vks/dpa

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