Kinder unter Leistungsdruck: "Das Schlimmste sind die Eltern"

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Krippenkinder sollen Englisch lernen, Eltern lauern Lehrern auf, um über Noten zu diskutieren: Wenn es um das vermeintliche Wohl ihrer Sprösslinge geht, sind Mama und Papa manchmal nicht zu stoppen. Pädagoginnen berichten vom Alltagswahnsinn an Schulen und in Kitas.

Hamburg - Sie wollen nur das Beste für ihre Kinder - und schießen häufiger übers Ziel hinaus: Bei der Bildung ihrer Sprösslinge geben sich viele Eltern kompromisslos. David und Marie sollen schließlich optimal gefördert werden. Dafür verlangen Eltern viel von Kindertagesstätten und Schulen.

Wenn sich die Kleinen dann langsamer als gewünscht entwickeln oder ihre Leistungen nicht den Erwartungen von Mama und Papa entsprechen, wächst der Druck. Jedes vermeintliche Defizit ist ein potentieller Grund für Hysterie, jede schlechte Note ein Drama.

Unter dem Druck leiden die Kinder ebenso wie das Klima in Kitas und Schulen. Und Eltern nehmen auch Personen, die den Kleinen bei ihrer Entwicklung helfen sollen, ins Visier. Dann müssen sich Erzieher rechtfertigen, warum Anderthalbjährige noch Windeln tragen und Lehrer werden wegen vermeintlich zu harter Zensuren in die Zange genommen.

SPIEGEL ONLINE hat Personen gefragt, die bei ihrer Arbeit an Schulen und in einer Kindertagesstätte mit allzu ehrgeizigen Eltern konfrontiert sind - und protokolliert, welchen Druck Mama und Papa ausüben.

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Forum - Überfordern wir unsere Kinder?
insgesamt 924 Beiträge
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1.
Peter-Freimann 15.10.2011
Die verkürzte Gymnasialzeit ist eine Katastrophe: 1.) Deutschland ist nichts, das Ausland ist alles. Wenn die Portugiesen es mit 8 Jahren schaffen, dann sollten wir deren Methode übernehmen, damit wir hier den Bildungsstand Portugals erreichen. 2.) Das Lernergebnis ist nur in einem kurzen Intervall proportional zur Anzahl der Wochenstunden. Ist eine gewisse Anzahl Wochenstunden jedoch überschritten, dann verhält sich das Lernergebnis umgekehrt proportional zur Anzahl der Stunden. Ergebnis: Kinder werden für ideologischen Blödsinn (Selbstaufgabe der Bildungsautonomie unseres Landes) mißbraucht, geplagt und zugleich verdummt.
2.
Berg 15.10.2011
Zitat von sysopKürzere Schulzeit, mehr Unterrichtsstunden, dazu teils anstrengende Freizeitaktivitäten von Sport bis Kultur: Es gibt Kinder, die ein managergleiches Tagespensum zu absolvieren haben. Lehrer und Eltern handeln natürlich aus besten Absichten, schließlich soll dem Nachwuchs ein förderndes Angebot unterbreitet werden. Aber überfordern wir mit diesen Pflichten und Möglichkeiten unsere Kinder nicht zu sehr?
Eltern- und Lehrerschaft haben bereits erkannt, dass nicht alle Möglichkeiten von allen genutzt werden können. Und diese Erkenntnis sollte auch den Kindern beigebracht werden. - Und besonders vielseitig Begabte müssen auch lernen, Rangfolgen über Wichtigkeit und Bedeutung zu erkennen und Prioritäten zu setzen.
3.
deus_ex_machina 15.10.2011
Zitat von Peter-FreimannDie verkürzte Gymnasialzeit ist eine Katastrophe[...]
Da muss ich ihnen Recht geben; die kausalen Zusammenhänge zwischen Problem und Antwort, die die Bildungspolitik zu erkennen glaubt, bewegen sich weit jenseits der Grenze zum Absurden, und können so wohl nur deutschen "Spitzen"politikern schlüssig erscheinen: 1.) Die Erkenntnis, Bildung sei der wichtigste Rohstoff Deutschlands, führt zur Einführung eines verkürzten Not- und Kriegsabiturs. 2.) Die Erkenntnis, dass die Bildungsgerechtigkeit in keinem anderen Industrieland so miserabel ist wie in Deutschland, wird mit der Einführung von Studiengebühren beantwortet. 3.) Der Wunsch nach größerer, wissenschaftlicher Kompetenz der Unis führt zur Drittmittelorientierung, mit der die Universitäten endgültig zu einer Ausbildungsabteilung für "Nieten in Nadelstreifen" degradiert werden. Doch wenn wir das andauernde Totalversagen der Bildungspolitik einmal Beiseite lassen: haben unsere Eltern von uns früher wirklich gar nichts verlangt? Haben wir früher neben der Schule keine Sportvereine besucht und musiziert? Haben wir in der Schule früher keine Noten bekommen? Kann es nicht vielmehr sein, dass die Bedingungen sich weit weniger geändert haben als die Erwartungshaltung? Dass die jetzige Elterngeneration eine unsägliche Tandenz zum Jammern und Klagen potenziert auf ihre Kinder übertragen hat? Liebe Eltern: wenn ihr Kind es _nicht_ in die Hochbegabtenförderung schafft, liegt das nicht zwangsläufig an der Schule - vielleicht ist ihr Kind einfach nicht hochbegabt. Wenn ihr Kind beim Sport keine olympiareifen Leistungen erbringt, ist das kein Zeichen von schlechtem Training; und wenn ihr Kind nicht mit 10 Jahren Etüden von Chopin in Konzertqualität abliefert, liegt das weder am schlechten Klavierlehrer noch an mangelnder, ritalinwürdiger Konzentrationsschwäche. Auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren: der weitaus größte Teil der Menschen wird immer duchschnittlich sein, weil eine herausragende Begabung - nun ja - eben herausragend und damit selten ist.
4.
Peter-Freimann 15.10.2011
Zitat von deus_ex_machina2.) Die Erkenntnis, dass die Bildungsgerechtigkeit in keinem anderen Industrieland so miserabel ist wie in Deutschland, wird mit der Einführung von Studiengebühren beantwortet.
"Bildungsgerechtigkeit" kann es niemals geben. Wie soll das denn gehen? Kinder, die gewollt wurden, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht haben, die nicht kurz nach der Geburt gleich in Staatsverwahrung gegeben werden, weil sie unserem Ideal der totalen Arbeit im Wege stehen, deren Eltern sich nicht gleich wegen dem erstbesten Nerv scheiden lassen, haben zwangsläufig viel mehr Chancen als andere. Die "Erkenntnis" gibt es gar nicht. Die PISA-Studie zeigt, daß zum Beispiel in Finnland die Einwanderer im Vergleich zu den Nichteinwanderern schlechter abschneiden als das in Deutschland der Fall ist. England hat astronomische Studiengebühren, in England würde ich als erklärter Gegner dieser ganzen Neid- und Klassenkampfhetze sofort auf die Straße gehen, denn dort haben Kinder aus finanziell nicht so gut gestellten Familien fürwahr keine Chance. Ansonsten siehe meinen vorangegangenen Beitrag: "Ausland, Ausland, über a-al-les, Über alles in de-er Welt!" Nicht die akademischen Bildungsexpert_Innen vergessen und die Lehrstühle für gender studies. Fragen Sie mal Coca Cola oder BMW oder MacIrgendwen, ob die bereit sind, auf ihr Markenzeichen zu verzichten. Sie werden einen Korb erhalten. Fragen Sie Schilda/Deutschland: Dankbar ist man für Ihren Rat, das Diplom kommt in die Tonne, die modernen Batschelohren müssen her.
5. Rangfolgen...Wichtigkeit...Prioritäten= Überforderung?
matthias schwalbe 15.10.2011
Zitat von BergEltern- und Lehrerschaft haben bereits erkannt, dass nicht alle Möglichkeiten von allen genutzt werden können. Und diese Erkenntnis sollte auch den Kindern beigebracht werden. - Und besonders vielseitig Begabte müssen auch lernen, Rangfolgen über Wichtigkeit und Bedeutung zu erkennen und Prioritäten zu setzen.
Könnten Sie diese "Zuschrift" evtl. noch erläutern, präzisieren oder gar belegen?
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