Deutschland Integrationsbeauftragte lehnt pauschales Verbot von Kinderehen ab

Sollten Kinderehen in Deutschland generell verboten werden? Aydan Özoguz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, ist dagegen. Sie warnt vor den unbeabsichtigten Folgen für die Frauen.

SPD-Politikerin Aydan Özoguz
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SPD-Politikerin Aydan Özoguz


In der aktuellen Diskussion um Kinderehen von jungen Migranten hat sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, gegen ein generelles Verbot ausgesprochen. "Ein pauschales Verbot von Ehen von Minderjährigen ist zwar vielleicht gut gemeint, kann aber im Einzelfall junge Frauen ins soziale Abseits drängen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

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"Werden ihre Ehen aberkannt, verlieren sie unter anderem Unterhalts- und Erbansprüche, ihre Kinder wären unehelich, für viele würde das sogar eine Rückkehr in ihre Heimatländer unmöglich machen", sagte Özoguz.

Mit ihrer Kritik an einem generellen Verbot stellte sie sich hinter Justizminister Heiko Maas (SPD). Die Unionsfraktion im Bundestag will dagegen Eheschließungen unter 18 Jahren ohne Ausnahme verbieten, auch für deutsche Jugendliche.

In Deutschland dürfen Ehen derzeit grundsätzlich erst mit der Volljährigkeit geschlossen werden, in Ausnahmefällen aber schon mit 16 Jahren. Nach der Einreise Hunderttausender Flüchtlinge im vergangenen Jahr haben die Behörden mehrere Hundert Kinderehen registriert.

Das Ausländerzentralregister verzeichnete im Juli 1475 verheiratete Jugendliche in Deutschland; 361 davon sind jünger als 14 Jahre, 120 sind 14 oder 15 Jahre alt. Die meisten sind Syrer, auch Afghanen und Iraker sind darunter.

Die Zahl der in Deutschland geschlossenen Ehen mit minderjährigen Partnern geht dagegen seit Jahren deutlich zurück, wie die Funke-Zeitungen unter Berufung auf das Statistische Bundesamt schrieben. Habe es im Jahr 2000 noch 1073 Eheschließungen von unter 18-Jährigen gegeben, seien es 2005 noch 377 und 2015 nur noch 92 gewesen.

aar/dpa/AFP

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