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Auftrag an Kommission: Papst Franziskus plant leichtere Annullierung von Ehen

Papst Franziskus: Reform des Eherechts angestrebt Zur Großansicht
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Papst Franziskus: Reform des Eherechts angestrebt

Bisher kann es Jahre dauern, bis katholisch geschlossene Ehen für nichtig erklärt werden. Das will Papst Franziskus nun ändern.

Rom - Papst Franziskus strebt eine vereinfachte Annullierung katholischer Ehen an. Wie Radio Vatikan berichtet, hat der Papst eine Sonderkommission eingesetzt, die sich mit einer entsprechenden Reform des kirchlichen Eherechts befassen soll. Zu der Kommission gehörten der Franziskaner Nikolaus Schöch vom obersten vatikanischen Gericht (Apostolische Signatur) sowie der Jesuit Luis Francisco Ladaria Ferrer, Sekretär der Glaubenskongregation.

Bislang dauert es dem Sender zufolge zum Teil Jahre, bis Ehen für nichtig erklärt werden. Ziel der Kommission sei es nun, die Prozedur zu vereinfachen. Dabei solle aber "das Prinzip der Unauflöslichkeit der Ehe" bewahrt werden. Mit der Annullierung einer Ehe wird nach katholischem Kirchenrecht die Verbindung für ungültig erklärt, sodass die Ehe von Beginn an nicht bestanden hat. Damit können die Partner wieder katholisch heiraten.

Indirekt wies der Vatikan-Sender Vermutungen zurück, Franziskus' Entscheidung stehe in Zusammenhang mit der aktuellen Debatte über die Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete. Der Papst habe bereits am 27. August die Kommission einberufen und den Wunsch geäußert, sie solle sobald wie möglich ihre Arbeit aufnehmen.

Fünf Kardinäle, darunter der Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, hatten sich gegen Zugeständnisse an geschiedene Katholiken ausgesprochen. Das Thema soll bei einem Bischofstreffen Anfang Oktober in Rom besprochen werden.

Zu den möglichen Gründen für eine Annullierung gehören neben Formfehlern sogenannte Konsensmängel. Dazu zählt unter anderem, dass ein Ehepartner von vornherein Kinder ausschloss oder eine spätere Scheidung plante. Laut Radio Vatikan wurden 2012 weltweit knapp 50.000 Ehen für nichtig erklärt. Mehr als die Hälfte entfielen auf die USA, in Deutschland gab es 756 Annullierungen.

dab/dpa

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1. Die Krux der RKK
valtental 20.09.2014
Mit jedem, dem Zeitgeist um Jahrzehnte nachhinkenden Reförmchen, straft der Papst (die RKK) die eigenen Dogmen lügen und bezichtigt seine Vorgänger öffentlich der Fehlbarkeit... Wahrlich kein leichtes Amt zwischen solchen Mühlsteinen, von denen man in nicht zu ferner Zukunft (zumindest in Europa) aufgerieben werden wird.
2. Zeitgeist
Champagnerschorle 20.09.2014
Zitat von valtentalMit jedem, dem Zeitgeist um Jahrzehnte nachhinkenden Reförmchen, straft der Papst (die RKK) die eigenen Dogmen lügen und bezichtigt seine Vorgänger öffentlich der Fehlbarkeit... Wahrlich kein leichtes Amt zwischen solchen Mühlsteinen, von denen man in nicht zu ferner Zukunft (zumindest in Europa) aufgerieben werden wird.
Mit jedem, dem Zeitgeist geschuldeten, Reförmchen entfernt sich die RKK mehr von den eigenen Dogmen und wird (zumindest außerhalb Europas) aufgerieben werden.
3. Herausforderungen der Moderne
KingTut 20.09.2014
Zitat von valtentalMit jedem, dem Zeitgeist um Jahrzehnte nachhinkenden Reförmchen, straft der Papst (die RKK) die eigenen Dogmen lügen und bezichtigt seine Vorgänger öffentlich der Fehlbarkeit... Wahrlich kein leichtes Amt zwischen solchen Mühlsteinen, von denen man in nicht zu ferner Zukunft (zumindest in Europa) aufgerieben werden wird.
Man sollte dem Papst keinen Strick daraus drehen, dass er auf die heutigen Fragen der Zeit Antworten sucht, die mit der Heiligen Schrift in Einklang zu bringen sind. Damit werden vorausgegangene Entscheidungen seiner Vorgänger, die ja in anderen Epochen getroffen wurden, keineswegs Lügen gestraft. Ich finde es auch völlig in Ordnung, dass die RKK sich nicht hastig jedem Zeitgeist anpasst, denn letzten Endes hat sie eine 2000jährige Tradition zu bewahren, wobei sie sich allerdings auch den neuen Herausforderungen der Moderne zu stellen hat. Das tut der Heilige Vater gerade.
4. Wo ist das Problem?
hansulrich47 20.09.2014
Es wird durch Priester festgestellt, dass die Ehe nie vollzogen wurde und alle Kinder unbefleckt empfangen wurden. Und Schwupps, ist die Ehe kirchenrechtlich korrekt getrennt. Wo Dogmen wichtig sind, spielt die Realität doch keine Rolle, oder????
5. Fehlbarkeit?
Asturaetus 20.09.2014
Zitat von valtentalMit jedem, dem Zeitgeist um Jahrzehnte nachhinkenden Reförmchen, straft der Papst (die RKK) die eigenen Dogmen lügen und bezichtigt seine Vorgänger öffentlich der Fehlbarkeit... Wahrlich kein leichtes Amt zwischen solchen Mühlsteinen, von denen man in nicht zu ferner Zukunft (zumindest in Europa) aufgerieben werden wird.
Wieso Fehlbarkeit? Was zum einen Zeitpunkt/in der einen Situation richtig ist, muss dies doch zu einem späteren Zeitpunkt noch lange nicht sein. Ist es zwingend das etablierte und zu etablierende Dogmen ewige unveränderliche Gültigkeit besitzen? Wenn der Papst der Vertreter Gottes auf Erden ist und des jeweiligen Papstes Worte und Entscheidungen ein Ausdruck Gottes Wille, dann gilt doch selbiges auch für die Veränderung/Anpassung dieser Dogmen. Folglich gäbe es für alles eben seine richtige Zeit.
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