Kirchentag in Berlin "Bei uns gibt es auch Atheisten oder Buddhisten"

Muslimische Pfadfinderinnen, enttäuschte Mennoniten, kampflustige Methodisten: Auf dem Kirchentag in Berlin geht es um mehr als den Glauben. Wir haben uns unter Gläubigen umgehört.

Die Musicaldarsteller Estragon aus Neubuckow auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag
Marco Urban

Die Musicaldarsteller Estragon aus Neubuckow auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag

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Nur langsam füllte sich am Mittwochabend der Platz vor dem Brandenburger Tor, wo einer der drei Eröffnungsgottesdienste des 36. Evangelischen Kirchentags stattfand. Etwa 40.000 Besucher sollten es im Laufe des Abends werden, doch von Drängen und Schieben war nichts zu spüren: Diszipliniert bewegten sich die Menschen durch die Reihen - kein Bierdunst, kein Gepöbel, nur Freundlichkeit, der Duft nach frisch gewaschenen Jeans und eine interessante Form von Besonnenheit machten sich breit.

Gut gelaunt ließen die Besucher ihre Taschen durchsuchen - nach dem Anschlag von Manchester und der Erfahrung mit dem Lkw-Attentat vom Berliner Breitscheidplatz zweifelte hier offenbar niemand an der Notwendigkeit von verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Berlin sieht sich laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) bestens gerüstet. Geplant ist der Einsatz von 6000 Polizisten, auch mobile Barrieren, die Fahrzeuge daran hindern sollen, in die Menge zu rasen, sind im Einsatz.

Der Kirchentag fällt in unruhige, für viele Menschen besorgniserregende Zeiten. Die große Politik ist mit Globalisierung und Digitalisierung näher gerückt - auch in Berlin spielt sie eine wichtige Rolle: Zahlreiche Politiker sind geladen, als Highlight wird am Donnerstag Barack Obama mit Angela Merkel vor dem Brandenburger Tor über Demokratie sprechen - und damit ordentlich Wahlkampf für die Kanzlerin betreiben.

Auch Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich angekündigt, außerdem Innenminister Thomas de Maizière, Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, Finanzminister Wolfgang Schäuble, die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und andere. Manchem Gläubigen geht diese personelle Politisierung zu weit, sie haben das Gefühl, ihre Kirche würde für den Wahlkampf instrumentalisiert. Besonders in der Kritik steht der Auftritt der AfD-Politikerin Anette Schultner bei einer Podiumsdiskussion im Tagesverlauf.

SPIEGEL ONLINE wollte wissen: Wie denkt die Basis über Christen in der AfD, über Wahlkampf auf dem Kirchentag, über leere Gotteshäuser und die Trauung von gleichgeschlechtlichen Paaren?

Wir haben Gläubige in Berlin befragt - und erhielten reflektierte, tolerante und streitbare Antworten.



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