Pläne in Kiribati Reicher Russe plant Zarenreich

Anton Bakow will das Zarenreich zurück. Den Staat hat der russische Politiker schon gegründet, auf der Suche nach Land dafür ist er nun im Pazifik fündig geworden. Fehlen nur noch die Untertanen.

Strand von Kiritimati in Kiribati
REUTERS

Strand von Kiritimati in Kiribati


Die wichtigsten Fakten über Kiribati sind schnell zusammengefasst: Das Land ist weit weg, und zwar im Grunde von allem. Die Ost-West-Ausdehnung des Inselstaats im Pazifik beträgt 4567 Kilometern - allerdings liegt dazwischen abgesehen von Inseln vor allem: Wasser. Und bis zur Zivilisation in Fidschi oder auf Hawai sind es satte viereinhalb Flugstunden.

Klingt einsam, ist es auch - und genau das reizt offenbar Anton Bakow. Der Chef der Monarchistischen Partei in Russland träumt seit Langem von einer Art Miniatur-Russland im Pazifik, da scheint ihm der viele Platz in Kiribati gerade recht zu kommen: Auf drei unbewohnten Inseln des Pazifikstaats will der Politiker ein "alternatives Russland" errichten, wie unter anderem "Radio New Zealand" berichtet.

Demnach sagte Bakow, dass er die Eilande kaufen und dort Hotels bauen wolle. Insgesamt plane er, etwa 350 Millionen Dollar für das Insel-Zarenreich zu investieren. Bakows Frau sagte dem Sender, die Idee würde von etlichen ihrer Landsleute unterstützt - nämlich von "einer großen Zahl patriotischer Russen, die nicht glücklich sind mit Wladimir Putins Regime".

Der glühende Monarchist Bakow kämpft bereits seit Jahren für eine Wiederbelebung des vor 100 Jahren in der Oktoberrevolution untergegangenen Zarenreichs. 2011 gründete er laut BBC die international nicht anerkannte Mikronation "Imperial Throne", einen von Dutzenden Pseudostaaten weltweit. Staatsoberhaupt ist demnach "Nikolai III.", der letzte anerkannte russische Zar war der 1918 ermordete Nikolai II. (mehr über Mikronationen lesen Sie hier).

Ob Bakow sein Mini-Zarenreich nun tatsächlich wahr machen kann, steht allerdings noch nicht fest: Derzeit berät eine Regierungskommission über den möglichen Verkauf der drei Inseln. Kiribatis früherer Staatspräsident Teburoro Tito hat sich in die Debatte zugunsten des umtriebigen Russen eingeschaltet, schließlich könnte das russische Inselreich ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt sein - "jedenfalls wenn stimmt, was sie sagen."

Wann eine Entscheidung über Bakows Antrag gefällt wird, ist noch nicht klar. Bisweilen brauchen die Behörden in Kiribati allerdings etwas länger: Im vergangenen Jahr etwa landete ein portugiesischer Segler, der mit Marihuana auf der Insel Kiritimati in Kiribati gefasst worden war, im Gefängnis und wartete monatelang auf seinen Prozess - weil es auf Kiritimati weder Anwälte noch Richter gibt.

mxw



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