Weiße Mutter mit schwarzem Kind Frau scheitert mit Schadensersatzklage gegen Samenbank

Eine Frau aus den USA bekommt keinen Schadensersatz, weil sie nach einer künstlichen Befruchtung ein schwarzes statt des erwarteten weißen Kindes zur Welt brachte. Die Mutter könnte ihre Klage aber neu formulieren.

Klägerin Cramblett: Hautfarbe des Kindes ist kein Garantiefall
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Klägerin Cramblett: Hautfarbe des Kindes ist kein Garantiefall


Jennifer Cramblett sagt, sie liebe ihre Tochter, die dreijährige Payton. Für nichts auf der Welt würde sie das Mädchen, entstanden durch künstliche Befruchtung, hergeben. Es gibt manche Leute, die Cramblett das nicht ohne Weiteres abnehmen - weil die Frau wegen der Hautfarbe ihres Kindes die Samenbank verklagte. Durch den Fehler eines Mitarbeiters wurde die Samenspende eines schwarzen statt eines weißen Mannes ausgewählt.

Cramblett brachte Payton zur Welt, ein hübsches Mädchen. Aber eben ein schwarzes. "Das war nicht das, was ich gewollt habe", sagte die Mutter in einem TV-Interview. Sie sah im Fehler der Samenbank eine Verletzung der Garantie und verklagte das Unternehmen 2014 auf 50.000 Dollar Schadensersatz.

Der Fehler der Samenbank habe ihr und ihrer Partnerin Amanda Zinkon Stress und Schmerz gebracht und der Familie medizinische Kosten verursacht, argumentierten Crambletts Anwälte. Zudem werde sich Payton in der fast ausschließlich von Weißen bewohnten Gemeinde des Paares wie eine Außenseiterin fühlen. Cramblett sagte, Stereotype über ethnische Minderheiten seien in ihrer Kindheit und Jugend alltäglich gewesen, sie habe nur "begrenzte kulturelle Kompetenz", mit Schwarzen umzugehen.

Diese Argumentation überzeugte Richter Ronald Sutter im Bezirk DuPage im US-Bundesstaat Illinois nicht. Er lehnte Crambletts Klage als unbegründet ab. Er sah keine Basis für einen Schadensersatzanspruch und auch keine Garantieverletzung. Juristisch ist Klägerin Cramblett damit aber nicht am Ende ihrer Möglichkeiten: Der Richter sagte, sie könne versuchen, die Samenbank wegen fahrlässiger Vertragsverletzung zu verklagen.

Anwälte der Gegenseite hatten argumentiert, derartige Klagen gegen Samenbanken seien höchstens in Fällen begründet, in denen das Kind mit gesundheitlichem Schaden zur Welt komme und die Samenbank die Eltern vorher nicht über die Risiken aufgeklärt habe. Doch im Fall Cramblett sei das Baby völlig gesund gewesen.

Nach der Geburt hatte sich die Samenbank entschuldigt und dem Paar einen Teil der Behandlungskosten erstattet. Auslöser des Streits war der Klageschrift zufolge, dass ein Mitarbeiter der Samenbank zwei Spendernummern durcheinanderbrachte. Nummer 380 war ein weißer Spender; Nummer 330, dessen Samen verwendet wurde, war schwarz.

ulz/AP

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