Seit November 20.000 Menschen beantragen kleinen Waffenschein

In Deutschland steigt die Zahl der Menschen mit einem kleinen Waffenschein, binnen zwei Monaten kamen 21.000 hinzu. Dies sei ein Zeichen wachsender Verunsicherung, heißt es von den Grünen.

Kleiner Waffenschein zwischen Schreckschuss-Pistole und Knallpatrone: Großes Interesse
DPA

Kleiner Waffenschein zwischen Schreckschuss-Pistole und Knallpatrone: Großes Interesse


Immer mehr Menschen in Deutschland rüsten mit einem kleinen Waffenschein für Schreckschusspistolen oder Pfefferspray auf. Von Ende November bis Ende Januar nahm die Zahl dieser Waffenscheine um mehr als 21.000 zu. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Grünen-Abgeordneten Irene Mihalic hervor. Demnach waren im Nationalen Waffenregister Ende Januar insgesamt fast 301.000 kleine Waffenscheine gespeichert.

Bereits nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht hatten die Behörden in mehreren Bundesländern wachsendes Interesse am kleinen Waffenschein gemeldet. Allein in Köln waren in den beiden ersten Januarwochen mehr als 300 neue Anträge eingegangen - 2015 wurden in der Millionenstadt insgesamt 408 Kleine Waffenscheine ausgestellt.

Wer Reiz-, Signal- oder Schreckschusswaffen mit dem Siegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in der Öffentlichkeit tragen will, braucht den Schein. Der Erwerb dieser Waffen ist für Volljährige auch ohne ihn möglich. Mehr Fakten zum kleinen Waffenschein lesen Sie hier.

"Mehr Waffen brauchen wir bestimmt nicht"

Über die aktuellen Zahlen sagte Mihalic: Der sprunghafte Anstieg zeige die wachsende Verunsicherung der Bevölkerung. "Wenn jedoch immer mehr Menschen Waffen tragen, wird das eher zur Eskalation als zur Beruhigung der Lage beitragen." Mihalic ist Fraktionsexpertin für innere Sicherheit und ausgebildete Polizistin. "Man stelle sich vor, dass bei Großveranstaltungen wie Karneval Menschen in bestimmten Situationen vorschnell zur Waffe greifen und so vielleicht Chaos und Gewalt erst provozieren."

Sie forderte, "Lücken im Waffenrecht" zu schließen: "Ein Baustein wäre, dass auch Kauf und Besitz von Schreckschusswaffen, Pfefferspray und Co. zukünftig erlaubnispflichtig werden."

"Angesichts der konstanten Bedrohungslage durch Anschläge gibt es vieles, was wir sicherheitspolitisch brauchen", sagte Mihalic. "Aber mehr Waffen brauchen wir in dieser Situation bestimmt nicht." Die Politik müsse vielmehr für eine personell gut bestückte und angemessen ausgestattete Polizei sorgen.

aar/dpa



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