In Zelle verbrannter Amad A. Verwechslungsopfer hätte Gefängnis für 285 Euro verlassen können

Der Syrer Amad A. verbrannte in einer Gefängniszelle, weil er verwechselt worden war. Laut SPIEGEL-Informationen wäre er vor dem Brand gegen eine Zahlung von 285 Euro freigekommen. Unklar ist, ob ihm das erklärt wurde.

Eingang der JVA in Kleve
DPA

Eingang der JVA in Kleve

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Der im September an den Folgen eines Brands in seiner Gefängniszelle gestorbene Syrer Amad A. hätte trotz der Verwechslung mit einem malischen Asylbewerber schon Wochen vor dem Brand aus dem Gefängnis kommen können.

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Nach Informationen des SPIEGEL wäre einer der beiden irrtümlich gegen ihn verwandten Haftbefehle gegen eine Zahlung von 285 Euro außer Vollzug zu setzen gewesen. Auf Anfrage teilte das nordrhein-westfälische Innenministerium mit, es sei "Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen", ob Amad A. von der Polizei darüber informiert worden sei. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

Nach SPIEGEL-Informationen heißt es in einem internen Polizeivermerk, Amad A. habe erklärt, er könne das Geld nicht "beibringen". Unklar ist allerdings, ob ihm erklärt wurde, dass er für seine Freilassung nur 285 Euro bezahlen musste und nicht die ebenfalls auf dem Haftbefehl vermerkten Verfahrenskosten und Gebühren über 1438 Euro.

Wie der SPIEGEL weiter berichtet, wurde Amad A. im Juli nur zu einer Polizeiwache mitgenommen, weil Polizisten glaubten, er sehe einem gesuchten Vergewaltiger ähnlich. Auf der Polizeiwache geschah dann die Verwechslung mit dem straffällig gewordenen Malier Amedy G., die zur Inhaftierung A.s führte. Die Geschichte über die Vergewaltigung erwies sich kurz darauf als Erfindung.

Ein von der Familie A. beauftragter Anwalt hat dem nordrhein-westfälischen Justizministerium inzwischen mitgeteilt, dass die Familie eine Opferentschädigung erwarte. Zudem will die Familie ein Verfahren gegen für den Tod ihres Sohnes Verantwortliche anstrengen.

"Wenn es soweit ist, werden wir sicher einen Zivilprozess anstrengen", sagte Rechtsanwalt Necdal Disli dem SPIEGEL.

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