Kloster Ettal Mönche sollen Mitbruder missbraucht haben

Der Missbrauchskandal in der Klosterschule Ettal hat eine größere Dimension als bislang vermutet: Rund hundert Betroffene meldeten sich bislang - darunter auch ein Pater, der Opfer seiner Mitbrüder geworden sein soll. Der Vatikan, hieß es aus Rom, nehme die Fälle ernst.

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Ettal - Die Ermittlungen um die Missbrauchfälle in der katholischen Kirche sind von einem Widerspruch gekennzeichnet, der von den Klerikern bislang jedoch nicht diskutiert wird: So habe es sich bei den Misshandlungen, schweren körperlichen Züchtigungen und sexuellen Übergriffen, die sich über Jahrzehnte etwa hinter den Mauern der Klosterschule Ettal abspielten, um "Taten Einzelner" gehandelt, wird immer wieder betont. Das bekräftigte auch der in Ettal als Sonderermittler eingesetzte Münchner Rechtsanwalt Thomas Pfister, der am Freitag seinen Zwischenbericht bei einer Pressekonferenz vorstellte. Pfister sprach jedoch auch von einer "systematisch praktizierten Kultur des Wegschauens und Verschweigens", die es erst möglich gemacht habe, dass diese Taten all die Jahre hindurch verdeckt und vertuscht wurden.

In Ettal gab es demnach eine weitaus größere Zahl von Missbrauchsfällen als zunächst vermutet. Rund hundert Betroffene, so Pfister, hätten sich bislang bei ihm gemeldet.

Der Großteil der Vorwürfe beziehe sich auf Schläge und andere Bestrafungen im Klosterinternat. Es habe früher deutlich mehr als zehn Patres gegeben, die systematisch geprügelt hätten. Der Ermittler zitierte Opfer, die von "voll durchgezogenen" Schlägen oder Massenbestrafungen für Nichtigkeiten und anderen massiven Vergehen berichteten.

Unter den Opfern ist möglicherweise auch ein Pater, der sexuell missbraucht wurde. Er sei in diesem Fall mit einem ehemaligen Klostermitglied im Gespräch, das sich an ihn gewandt habe, sagte Pfister. Der Mann erhebe den Vorwurf, als Mönch in Ettal von Mitbrüdern missbraucht worden zu sein. Nähere Angaben machte Pfister nicht.

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Kloster Ettal: Missbrauch hinter Kirchenmauern
Ein anderer Geistlicher habe angegeben, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen und früher Fotos halbnackter Schüler ins Internet gestellt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittle, sagte Pfister.

Wenn die - inzwischen verjährten - Ettaler Vorgänge von weltlichen Gerichten verhandelt worden wären, hätten sie wahrscheinlich zu jahrelangen Haftstrafen geführt, sagte Sonderermittler Pfister und sprach von einer "Kultur des Schweigens und Wegsehens". Es habe eine falsch verstandene Solidarität der Verantwortlichen im Kloster gegeben.

Kindern mit Kleiderhölzern den Hintern versohlt

Auch der Cellerar, der Verwaltungsleiter des Klosters, Pater Johannes Bauer, räumte auf der Pressekonferenz ein, in den achtziger Jahren zugeschlagen zu haben. "Neben anderen Mitbrüdern war auch ich selbst in den Jahren 1985 bis 1987 Erzieher im Internat und habe damals, das muss ich zu meiner eigenen Schande offen sagen, ebenfalls Kinder brutal körperlich misshandelt und gedemütigt." Auf Nachfragen räumte er ein, Kindern mit Kleiderhölzern "den Hintern versohlt" zu haben.

Sonderermittler Pfister sagte, er werde mit Berichten ehemaliger Schüler geradezu überhäuft. Er nannte die Schilderungen glaubhaft. So berichtete ein Schüler, in den sechziger Jahren sei die Prügelstrafe tägliche Praxis gewesen. Die Patres seien sadistisch veranlagt gewesen. "Alle wussten davon, aber es hat sich nichts gebessert", schilderte Pfister. Ein anderer Schüler schrieb Pfister über jene Jahre: "Es herrschte damals der absolute Terror. Pater G. suchte sich immer die Schwachen aus." Ein Pater riss Schülern angeblich Haare aus.

Ein inzwischen gestorbener Pater behauptete in seinem schriftlichen Nachlass, dass Schüler regelmäßig auch nachts zu ihm gekommen seien und "sexuell stimulierenden Körperkontakt" gesucht hätten, den er "nicht unterbunden" habe. Ein anderer Pater habe ein sexuelles Verhältnis zu einer 16-jährigen Schülerin gehabt, wie Pfister berichtete.

Der Anwalt sagte aber auch: "Das Kloster Ettal von heute hat mit dem Kloster Ettal von damals wenig zu tun." Trotz der Vielzahl von Fällen körperlicher und sexueller Gewalt dürfe die Benediktinerabtei nicht als Gemeinschaft prügelnder und missbrauchender Klosterbrüder verstanden werden.

Wie wird sich der Vatikan im Fall Ettal verhalten?

Da die allermeisten Fälle lange zurückliegen - Pfister sprach von einer Zäsur im Jahr 1990 - ist vieles verjährt. Derzeit ermittle die Staatsanwaltschaft in drei Fällen: den möglichen sexuellen Missbrauch aus dem Jahr 2005, die Kinderpornografie und einen Fall aus dem Jahr 2009, in dem ein Lehrer zwei jungen Schülern Kopfnüsse gegeben haben und einem von ihnen auf den Zeh getreten sein soll.

Der Vatikan nimmt den Skandal um die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen Deutschlands "sehr ernst", wie Vatikan-Vizesprecher Ciro Benedettini am Freitag in Rom versicherte. Er ließ offen, ob der Vatikan der Bitte von Kloster Ettal um eine Apostolische Visitation wegen der dortigen Missbrauchsfälle nachkommen werde oder nicht.

Zum möglichen Kindesmissbrauch bei den Regensburger Domspatzen sagte Benedettini, der Vatikan wolle in diesen Fall nicht direkt eingreifen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erstattet Papst Benedikt XVI. am Freitag kommender Woche Bericht zu den Missbrauchsskandalen.

Papst-Bruder will von Missbrauch bei den Domspatzen keine Kenntnis haben

Im Bistum Regensburg rief die Beauftragte zur Aufklärung sexuellen Missbrauchs, Birgit Böhm, alle Betroffenen auf, sich für eine umfassende Aufklärung zu melden. "Wir möchten ermutigen, Leid beim Namen zu nennen, zu bearbeiten und auf diese Weise Schmerzen zu lindern und aufzulösen", sagte Böhm. Untersucht werden sollen auch Verdachtsfälle auf Misshandlung im Weidener Studienseminar und in Etterzhausen, wo Dritt- und Viertklässler auf ihre Karriere bei den Domspatzen vorbereitet wurden.

Der frühere Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, 86 , hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis über Missbrauchsfälle bei dem weltberühmten Knabenchor. Das sagte der Bruder von Papst Benedikt XVI. am Freitag dem Bayerischen Rundfunk in Regensburg. Georg Ratzinger leitete die Domspatzen von 1964 bis 1994.

Im Skandal um sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen ging es um zwei frühere leitende Geistliche des Knabenchors. Die beiden Männer, die im Jahr 1984 gestorben sind, sollen wegen der Taten zu Haftstrafen verurteilt worden sein, berichtete der Sprecher des Bistums Regensburg, Clemens Neck. Der eine Verdächtige, ein ehemaliger Religionslehrer und stellvertretender Institutsleiter, wurde 1958 aus dem Dienst am Domspatzen-Gymnasium entfernt. Der andere Geistliche war wenige Monate auch Internatsleiter, er soll 1971 verurteilt worden sein.

Aktuelle Fälle lägen der Diözese Regensburg nicht vor, hieß es. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es weitere Täter gebe und diese noch im Dienst seien.

jjc/pad/dpa/apn

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Pandora's Box, 18.02.2010
1.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Sie tut m.E. eher alles Erforderliche, Nebelkerzen zu werfen, mit spitzem Finger auf andere zu zeigen, Schuld bzw. Verantwortung abzuwälzen und "Haltet den Dieb!" zu rufen. Verschleierungstaktik.
runzel 18.02.2010
2.
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Nein, tut sie nicht und wird diese Institution auch nicht. Auch nicht morgen, übermorgen oder sonst irgendwann. Einzelne werden sicherlich eine Aufklärung wollen und initieren, wie jetzt geschehen, aber unser geheiligter Stellvertreter Gottes wird es nicht tun und er wird seinen Bischöfen und Kardinälen anordnen eine Aufklärung so gut es geht zu behindern oder zu untersagen. Das höchste der Gefühle wird ein albernes und erbärmliches Gefasel nachdem Motto "Ja, da war die ein oder andere Entscheidung nicht sooooooooooo gut und nicht ganz so nachvollziehbar." Amen. Und dann wird weiter von Werten und Moral gefaselt werden wie seit eh und je. Ohne den eigenen Ansprüchen jemals gerecht zu werden, es zu können geschweige denn dieses zu wollen.
ntholeboha 18.02.2010
3. Aber JA! - zum Selbstzweck
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Leider ist ja das andere, das Mixa-Thema, geschlossen. Damit wird sich wohl auch Cinderella01 als querschiessendes Schneewittchen bald hier einfinden und gegen alle Logik den Kampf pro rkK weiterfuehren. Ob dies jedoch der dieser Heilslehre und deren ( fast weltweitem!)Missbrauch dienlich sein wird?? Wuerde die rkK wirklich Aufklaerung betreiben, saehe dies anders aus. So bleibt es wohl doch bei 'erschuetterten' Mienen und der Notwendigkeit das eigene Haus nicht zu sehr beschmutzen zu lassen. Bleibt die Frage wann eigentlich die Staatsanwaltschaft massiv eingreift, um diesen Suendenpfuhl grundlegend zu reinigen!
Jinen 18.02.2010
4. 2do
Es gibt einfache Wege, diesem Uebel ein Ende zu bereiten: 1. Sofortiger Stop der Verflechtung von Staat und Kirche. Speziell, keinerlei Missbrauch des staatlichen Amtsapparats fuer das Eintreiben der Mitgliedsgelder fuer diese Vereine mehr. Kirchen sollen sich komplett selbst finanzieren. 2. Sofortiges Schliessen von Institutionen, bei denen Missbrauchsfaelle gegenueber Kindern und Jugendlichen glaubhaft bekannt werden bis zur entgueltigen Klaerung der Sachverhalte. Bei Einrichtungen, wo Missbrauch an der Tagesordnung stand/steht, permanente Schliessung wegen Allgemeingefaehrlichkeit. 3. Konsequente Bestrafung der Taeter ohne Wenn und Aber. 4. Konsequente Bestrafung ihrer Vorgesetzten, falls diese ihnen bekannte Faelle intern ignoriert oder vertuscht haben sollten wegen Mittaeterschaft, mindestens unterlassener Hilfeleistung. 5. Pfaendung von Loehnen und Kircheneigentum fuer Opferschadensersatz, die externe Experten via Gericht festlegen. 6. Nichtigkeitserklaerung fuer alle Schweigeerklaerungen, die Opfer abgegeben haben. Bekommenes Geld wird gegen oben genannten Schadensersatz gegengerechnet. 7. Aufhebung der Verjaehrung dieser Verbrechen. Siehe Punkt 3. Nur mal so zum Anfang....
detrius 18.02.2010
5. Verkehrte Frage
Zitat von sysopDie Diskussion über die Missbrauchsfälle in Einrichtungen der katholischen Kirche hält an. Tut die Kirche alles Erforderliche, um sexuellen Missbrauch innerhalb ihrer Institution aufzuklären?
Solange Bischöfe in der katholischen Kirche mit der Verschleierung von sexuellem Missbrauch Karriere machen und ggf. Papst werden, stellt eine Frage wie diese die Realität auf den Kopf.
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