Jüdische Jecken Warum diese Narren die "Kölsche Kippa Köpp" gegründet haben

In Köln gibt es erstmals seit der NS-Diktatur einen jüdischen Karnevalsverein. Die Männer sind mancher Kritik ausgesetzt. Auch wegen des Namens.

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Zur Person
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    Aaron Knappstein, Jahrgang 1970, ist Präsident des Karnevalsvereins "Kölsche Kippa Köpp". Der Kölner arbeitet als Niederlassungsleiter in der Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen. Er ist Mitglied zweier jüdischer Gemeinden sowie des Karnevalsvereins "StattGarde Colonia Ahoj".

SPIEGEL ONLINE: Herr Knappstein, muss man Jude sein, um in Ihrem jüdischen Karnevalsverein mitmachen zu dürfen?

Aaron Knappstein: Ausdrücklich nein. Bei uns steht in der Satzung, dass jeder Mitglied werden kann - auch Nichtjuden.

SPIEGEL ONLINE: Was unterscheidet denn dann die "Kölsche Kippa Köpp" von anderen Vereinen?

Knappstein: Wir haben den Verein gar nicht gegründet, um uns abzugrenzen. Mehr als die Hälfte von uns sind auch schon seit vielen Jahren in anderen Karnevalsvereinen aktiv - bei den Blauen oder Roten Funken, bei anderen Traditionsgesellschaften oder kleineren Vereinen.

SPIEGEL ONLINE: Weshalb haben Sie denn dann einen weiteren Verein gegründet?

Knappstein: Es gibt ja zahlreiche Gruppen, die zum großen Kölner Karneval dazugehören - diese bunte Mischung wird nun noch bunter. Wir wollen die Tradition eines jüdischen Karnevalsvereins wieder aufgreifen, den es in Köln bis zur Zeit der NS-Diktatur gab: den "Kleinen Kölner Klub" - daher auch die drei großen K in unserem Namen.

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"Kölsche Kippa Köpp": Jüdische Jecken

SPIEGEL ONLINE: KKK ist auch die geläufige Abkürzung des rassistischen Ku-Klux-Klans.

Knappstein: Ja, darauf haben uns viele Kritiker hingewiesen, manche haben sich regelrecht darauf eingeschossen. Diese Assoziation war nicht beabsichtigt, wir haben auch intern darüber diskutiert. Aber wir stehen zu unserem Vereinsnamen, weil uns der Bezug zum historischen "Kleinen Kölner Klub" sehr wichtig ist. Dessen Abkürzung lautete halt KKK.

SPIEGEL ONLINE: Geht es den "Kölsche Kippa Köpp" auch darum, ein Zeichen zu setzen in aktuellen Debatten über Antisemitismus?

Knappstein: Nein, die Idee für die Neugründung des Vereins haben wir schon viele Jahre mit uns herumgetragen. Der "Kleine Kölner Klub" war einer der wenigen Karnevalsvereine, die im NS-Staat verboten wurden, vielleicht der einzige. Warum nicht bewusst neugründen, was damals verboten wurde? Wir wollen zeigen, dass auch heute Juden Teil dieses Karnevals sind. Wir machen sichtbar, dass wir Teil dieser Stadt und ihrer Traditionen sind. Es hat halt eine Weile gedauert, bis aus dieser Idee im November 2017 die "Kölschen Kippa Köpp" entstanden - übrigens unter großer Mithilfe von Christoph Kuckelkorn, dem Präsident des Festkomitees Kölner Karneval.

SPIEGEL ONLINE: Warum sind Sie erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, nach fast anderthalb Jahren?

Knappstein: Wir mussten uns erst mal selbst finden und schauen, ob das zu einem andauernden Projekt wird. Wir sind ja wirklich eine Minderheit in der Minderheit in der Minderheit: Karnevalisten. Juden. Jüdische Karnevalisten, die sich in einem Verein zusammenschließen wollen. Wir wollten als so kleine Gruppe nicht sofort an die Öffentlichkeit gehen und dann womöglich vier Wochen später einräumen: Das war's jetzt.

Vorstand der "Kölsche Kippa Köpp"
Kölsche Kippa Köpp

Vorstand der "Kölsche Kippa Köpp"

SPIEGEL ONLINE: Wie hat die jüdische Gemeinde auf die Gründung der "Kölsche Kippa Köpp" reagiert?

Knappstein: Nun ja, derzeit erhalten wir sehr viele Presseanfragen - aber in Mitgliedsanträgen gehen wir nicht gerade unter. Ein paar Leute haben sich gemeldet, aber das kommt jetzt wahrscheinlich erst so langsam in Gang.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Anfeindungen?

Knappstein: Bislang nicht, ich habe aber auch nicht alle Kommentare in sozialen Netzwerken gelesen. Manche fragen schon nach, warum das denn sein müsse. Andere wollen wissen, ob der "Kleine Kölner Klub" jüdischen Karneval gefeiert hat und wie das dann aussah.

SPIEGEL ONLINE: Und?

Knappstein: Das war kein jüdischer Karneval, sondern Karneval, den Jüdinnen und Juden gefeiert haben. Die Sitzungen damals unterschieden sich höchstwahrscheinlich um keinen Deut von den Sitzungen anderer Karnevalsvereine. Leider hat der "Kleine Kölner Klub" nicht lange genug existiert, um ins Festkomitee Kölner Karneval aufgenommen werden zu können.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Ihr Ziel?

Knappstein: Man muss eine ganze Weile als Verein existieren, um Mitglied werden zu können. Wir hoffen natürlich, dass das irgendwann passiert, aber als Truppe mit derzeit zwölf Männeken sind wir natürlich nicht völlig blauäugig. Ich bin jedoch der Meinung, dass das Festkomitee uns durchaus als Fortführung des "Kleinen Kölner Klubs" betrachten könnte - hätten die Nazis den damals nicht verboten, wäre er heute vielleicht längst Komiteemitglied. Diese Chance hatte der Verein aber nicht, weil er verboten und seine Mitglieder vertrieben, deportiert und ermordet wurden.



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