Eigenheim mit 1,47 Quadratmetern Maik Stolzes Leben im Mini-Wohnwagen

Er häufte Schulden an und flog aus seiner Wohnung: Geld vom Amt wollte Maik Stolze nicht - deshalb baute sich der 46-Jährige einen Mini-Wohnwagen. Es dürfte Deutschlands kleinstes Eigenheim sein.

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Maik Stolze ist niemand, der sich unterkriegen lässt, der aufgibt oder verzweifelt. Auch nicht, als sich die Schulden häuften und er aus seiner Wohnung flog. Inzwischen wohnt Stolze in seinem Eigenheim: Es dürfte mit 1,47 Quadratmetern das kleinste in Deutschland sein. 210 Zentimeter lang, 70 Zentimeter breit und 122 Zentimeter hoch ist sein Mini-Wohnwagen.

Stolze kann sein Haus auf Rollen mit einem Fahrrad ziehen. Die Idee sei aus der Not entstanden, sagt er. "Ich wollte keine Wohnung, die mir ein Amt bezahlt. Aber ich wollte auch nicht mit dem Schlafsack unter der Brücke schlafen." Stattdessen campiert er nun auf einem Firmenparkplatz in der Nähe des Deutzer Bahnhofs in Köln.

Morgens reinigt er für den Landschaftsverband Rheinland (LVR) den Parkplatz, dafür darf sein Fahrrad-Wohnwagen dort stehen. "Für uns ist es eine Frage der Mitmenschlichkeit. Maik Stolze stört niemanden und ist immer sehr freundlich", sagt ein Sprecher des LVR. "Er kann so lange dort stehen, wie er möchte. Unsere Mitarbeiter wissen alle Bescheid. Niemand wird ihn wegschicken."

Patent angemeldet

"Ich bekomme sogar mein Frühstück ans Bett gebracht", sagt Stolze. Zwei LVR-Mitarbeiterinnen stellen ihm jeden Morgen Brötchen vor die Tür. Kaffee kocht er sich auf seinem Gaskocher. Zwei Fenster mit weißen Gardinen sorgen für eine Prise Spießigkeit.

Auf den Wohnwagen mit dem Modellnamen "Homer S 2015" hat der gelernte Schlosser, der lange als Gastronomieeinrichter gearbeitet hat, Patent angemeldet. "Homer steht für meine Lieblingssendung Simpsons, das S für Stolze und 2015 für das Baujahr." Mit Wohnmobilen kennt er sich aus, seit er für einen großen Wohnwagenhersteller gearbeitet hat.

Nach einem Herzinfarkt und der Entfernung eines gutartigen Tumors am Hals hatte der 46-Jährige seinen Job verloren. Die Schulden häuften sich, schließlich konnte er die Miete für seine Wohnung nicht mehr zahlen und wurde vor die Tür gesetzt.

Mini-Wohnwagen als Touristenattraktion

Inzwischen verdient der selbst ernannte "Camper vom Bahnhof Deutz" seinen Lebensunterhalt durch Flaschensammeln: 40 bis 60 Euro Pfandgeld kommen dabei täglich zusammen. Zehn bis zwölf Stunden ist er dafür meist unterwegs. "Ich brauche täglich ungefähr sechs Euro. Mit dem Rest zahle ich meine Schulden zurück." Von 8500 Euro habe er bereits einen Teil abbezahlt. "Jeder, dem ich etwas schulde, bekommt das auf den Cent wieder", verspricht er.

Längst ist der Mini-Wohnwagen eine Touristenattraktion: Ständig bleiben Menschen stehen, fotografieren den gut gelaunten Mann vor seinem Gefährt. "Der ist mir gestern in der Waschanlage eingelaufen", ruft Maik Stolze ihnen zu. Diejenigen, die sich die Mühe machen, die Tafel an der Außenwand durchzulesen, erfahren die ernsten Hintergründe zu der Geschichte. "Ich finde das bewundernswert, dass Sie so leben", sagt eine Frau. Ihre Begleiterin nickt und wirft eine Euro-Münze in Stolzes Spendenbox.

In seinem Mini-Wohnwagen, der sogar alarmgesichert ist, hat Maik Stolze alles, was er braucht: eine kleine Elektroheizung und sogar einen Laptop. Strom liefert eine Solaranlage auf dem Dach, Aufbewahrungskisten mit Geschirr, Werkzeug und allerlei Hab und Gut sind unter der Decke und am Unterboden befestigt. Jeder Zentimeter ist perfekt genutzt. Er duscht bei Freunden oder in der Obdachloseneinrichtung "Oase".

Von Ämtern wendet der Camper sich bewusst ab: "Ich will mein eigenes Geld verdienen, da habe ich meinen Stolz." Nun hofft er, dass sich ein Investor findet, der seinen "Homer S 2015" in Serie baut. "Vielleicht habe ich dann auch wieder ein ganz normales Leben in einer Wohnung. Bis dahin mache ich das Beste aus meiner Lebenssituation." Doch es ist ihm wichtig zu betonen: "Ich bin kein Obdachloser. Schließlich habe ich ein Eigenheim."

Von Kathy Stolzenbach, dpa

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