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31. Januar 2013, 17:35 Uhr

Kölner Erzbischof

Meisner billigt "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer

Der Sinneswandel kommt spät, aber er kommt: Der Kölner Kardinal Meisner findet die "Pille danach" für Vergewaltigungsopfer vertretbar - auch in katholischen Krankenhäusern. Allerdings sollen für den Einsatz der Präparate ganz bestimmte Regeln gelten.

Köln - Im Streit über die Behandlung von vergewaltigten Frauen in katholischen Krankenhäusern hat der Kölner Erzbischof Joachim Meisner seine Haltung korrigiert. Wenn die "Pille danach" mit "der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar", heißt es in einer Erklärung Meisners. Eine "Pille danach", die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen verhindern solle, sei dagegen nicht hinnehmbar.

Meisner gilt als Vertreter des konservativen Flügels der katholischen Kirche. Meisner teilte mit, es sei nichts dagegen einzuwenden, dass Ärzte in katholischen Einrichtungen auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar seien, sowie über Zugang dazu aufklärten. Allerdings sollten die Mediziner dann auch - ohne Druck auszuüben - auf angemessene Weise die katholische Position mit Argumenten erläutern. Das Erzbistum betonte, die Erklärung beziehe sich nur auf Vergewaltigungsopfer.

Hintergrund der Debatte ist der Fall einer jungen Frau. Sie war im Dezember nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung in zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden, weil die Ärzte dort laut Richtlinie keine "Pille danach" verschreiben durften. Dafür war die Kirche heftig kritisiert worden. Meisner hatte sich in der Vergangenheit mehrfach deutlich gegen Abtreibung ausgesprochen und zuletzt betont, dass die Kirche die klare Position des absoluten Lebensschutzes vertrete. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu "unerträglichen Entscheidungssituationen" führen könne.

Der Kardinal sagte nun, er habe seine Ansicht zu dem Medikament nach einer Beratung mit Fachleuten geändert. Ihm sei deutlich geworden, dass unter dem Namen "Pille danach" verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Wirkungen zusammengefasst werden. Meisner berücksichtige mit seiner Erklärung neue wissenschaftliche Erkenntnisse, hieß es von der Pressestelle des Erzbistums.

"Pille danach" ist Verhütung, keine Abtreibung

Dass sich der Kardinal auf neue Erkenntnisse beruft, verwundert. Denn in Deutschland sind zwei Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffen als "Pille danach" auf dem Markt, eines davon schon seit vielen Jahren.

Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel wird bereits seit Jahren erprobt und ist in vielen europäischen Ländern rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Das Levonorgestrel hemmt und verzögert den Eisprung, zu einer Schwangerschaft kann es nicht kommen. Ist die Frau schon schwanger, verliert es seine Wirkung. Aus diesem Grund sollte Frauen das Medikament möglichst schnell nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen - zugelassen ist es für einen Zeitraum von bis zu 72 Stunden.

Die zweite "Pille danach", Ellaone, ist seit 2009 auf dem deutschen Markt. Ihr Wirkstoff Ulipristalacetat soll ebenfalls den Eisprung unterdrücken, bis die Spermien abgestorben sind. "Wenn der Eisprung bereits erfolgt ist, die Eizelle sich aus dem Eierstock gelöst hat und im Eileiter oder in der Gebärmutter befindet, so verhindert die 'Pille danach' weder die Befruchtung der Eizelle noch die Einnistung in der Gebärmutter", heißt es in einer Stellungnahme des Berufverbands der Frauenärzte. Allerdings kann nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass die "Pillen danach" wie auch die Antibabypille die Gebärmutterschleimhaut beeinflussen und die Einnistung einer Eizelle dadurch erschweren.

Nicht verwechselt werden sollten die "Pillen danach" mit sogenannten Abtreibungspillen. Diese werden eingesetzt, wenn eine Frau schon schwanger ist und hindern die befruchtete Eizelle daran, sich weiter in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Hierbei handelt es sich um einen Schwangerschaftsabbruch, nicht - wie bei der "Pille danach" - um Verhütung.

Anfang der Woche hatte bereits der Katholische Krankenhausverband angekündigt, die Position zur "Pille danach" zu überdenken.

ulz/irb/dapd/dpa

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